1. NRW
  2. Städte
  3. Hückeswagen

Bilanz nach zehn Jahren: Der Radweg lockt nach Hückeswagen

Hückeswagen : Der Radweg lockt nach Hückeswagen

Seit zehn Jahren zieht sich der Radweg größtenteils parallel zur Wupper durch Hückeswagen und ist längst zu einem wichtigen Infrastruktur-Projekt geworden. Bürgermeister und Tourismusbeauftragte ziehen eine positive Bilanz.

Die meisten konnte es nicht mehr abwarten: Nach jahrelangen Planungen und den abschließenden Bauarbeiten nutzten sie die nun asphaltierte ehemalige Bahntrasse bereits, bevor der neue Radweg am 30. Mai 2010 offiziell eröffnet wurde. Dass die etwa 24,5 Kilometer lange Strecke von Bergisch Born über Hückeswagen und Wipperfürth bis Marienheide einmal eine große wirtschaftliche und ökologische Bedeutung haben wird, war zu diesem Zeitpunkt zwar die Hoffnungen der Verantwortlichen. Abzusehen war das damals aber noch nicht.


Wie alles begann
Anfang der 2000er Jahre kamen die ersten Ideen auf, auf der brach liegenden Bahntrasse einen Radweg anzulegen (s. Info-Kasten). In Wipperfürth etwa wurde die schienenfreie, geschotterte Fläche bereits von Spaziergängern, Joggern und Fahrradfahrern genutzt. In Hückeswagen dagegen war die alte Bahnstrecke für solche Freizeitaktivitäten noch nicht nutzbar. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich Radevormwald, Hückeswagen, Wipperfürth, Marienheide und der Wupperverband zum „Wasserquintett“ zusammengeschlossen, das gemeinsam um Fördermittel aus der Regionale 2010 warb. Jede Stadt hatte dabei ihre eigenen Projekte, „der Radweg war aber das verbindende Element“, sagt Bürgermeister Dietmar Persian rückblickend im Gespräch mit unserer Redaktion. Wenn auch Radevormwald nicht direkt daran liegt.

Zeitgleich begann die Deutsche Bahn damit, ihre Flächen zu verkaufen. Weswegen Rat und Verwaltung beschlossen, die Grundstücke zu kaufen. „Wir wollten die Infrastruktur in einem erhalten“, berichtet Persian, der damals in seiner Funktion als Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft HEG bei den Verhandlungen dabei war. „Und die Bahntrassen waren ideal mit Fahrrädern zu befahren“, wirft Heike Rösner, Tourismusbeauftragte der Stadt, ein. Dazu spielte den Verantwortlichen um dem damaligen Bürgermeister Uwe Ufer noch etwas in die Karten: Der Beginn des E-Bike-Booms.

Die Planungen Wo sich einmal der Radweg entlang schlängeln sollte, lagen noch Bahnschwellen und Bäume, dazu machte teils dichtes Gestrüpp ein Durchkommen unmöglich. Doch das „Wasserquintett“ startete die Planungen und stellte – durch die Stadt Wipperfürth – die Förderanträge: 70 Prozent der Kosten sollte später das Land übernehmen, 30 Prozent die jeweilige Kommune. „Wir waren ziemlich früh dran“, sagt Persian.

Eine mit einem informativen Graffito besprayten Wand grenzt die Fledermäuse im Höhsieper Tunnel von den Radlern ab. Foto: Dörner, Hans (hdo)


Das Problem Im Bereich Höhsiepen fuhren einst, bis Anfang der 1980er Jahre, die Züge durch einen Tunnel. Das sollten fortan die Radfahrer tun – doch dagegen hatte zunächst die Kreisverwaltung etwas. Hatte doch eine Gutachterin festgestellt, dass im Höhsieper Tunnel etwa ein Dutzend Fledermäuse ihr Winterquartier aufgeschlagen haben. Und die sollten durch die Radfahrer nicht gestört werden. Die Lösung kostete letztlich etwa 100.000 Euro: Ein etwa ein Meter vor die Tunnelwand installierte Bretterwand schützt die nachtaktiven Tiere. Zudem informiert ein Graffito auf der Wand über die Fledermäuse.

Die Bilanz nach zehn Jahren „Der Radweg ist die beste Investition der vergangenen 30 Jahre“, sagt Persian. Viele Bereich in Hückeswagen würden von ihm profitieren: der Einzelhandel, die Gastronomie, der Tourismus und die Altstadt. „Aber viele nutzen ihn auch für Erledigungen, für die Fitness oder den Weg zur und von der Arbeit“, hat er festgestellt.


Der Tourismus „Wir haben sehr viele Anfragen aus dem Ruhrgebiet oder der Rheinschiene“, berichtet Heike Rösner. Auch viele Niederländer wollen das Bergische erleben und mit dem Rad erfahren. Durch den Bergischen Wanderbus, die „Balkantrasse“ von Wermelskirchen bis Leverkusen und die Bahnverbindung von Köln bis Marienheide und Leverkusen können Tagestouristen einen ganzen Tag lang mit dem Rad und ohne Auto unterwegs sein.


Die Pflege Für den Radweg spricht auch, dass er durch den gemeinsamen Bauhof von Hückeswagen und Wipperfürth ständig gereinigt wird. „Und wir haben einen Winterdienst“, betont Persian.


Der Einzelhandel Immer wieder tauchen in den Geschäften der Innenstadt Kunden auf, die anhand ihrer Helme und Rucksäcke als Fahrradfahrer zu identifizieren sind. Sie gucken sich im Städtchen um, bummeln durch die Geschäfte und lassen so manchen Euro dort. Das freut etwa Ute Seemann, Inhaberin des Kinder- und Jugendmodegeschäfts „Bubble’s“ und Sprecherin der Werbegemeinschaft. „Wir erleben immer wieder, dass die auswärtigen Kunden dann auch wiederkommen, nachdem sie durch die Stadt gebummelt sind“, berichtet sie. „Denn sie finden Hückeswagen toll.“


Die Gastronomie Auch die Gastronomie in der Schloss-Stadt merkt die wachsende Zahl der Radler. Allen voran das Eiscafé Friuli am Bahnhofsplatz, das am nächsten am Radweg liegt. „Wir profitieren auf jeden Fall“, bestätigt Inhaberin Tanja Zolli. Unter ihren Gästen seien regelmäßig viele Radfahrer. Viele berichten, dass sie eine Radtour nach Hückeswagen machen, hier eine Pause einlegen, was essen und trinken, um dann wieder den Rückweg anzutreten. Vor allem für die Gastronomie ist der Radweg sehr wichtig geworden.