Hückeswagen: Bierflaschen gehören nicht in Kinderhände

Hückeswagen: Bierflaschen gehören nicht in Kinderhände

Drei Wochen erst ist Karneval her. Noch gut in Erinnerung bei manchen Erwachsenen sind alkoholisierte Minderjährige mit einer Bierflasche in der Hand. "Das Eintrittsalter für den Alkoholkonsum ist inzwischen auf 11,6 Jahre gesunken", gab Dr. Bernd Schneider am Montagabend beim Eltern-Informationsabend "Klartext Reden" der Montanusschule bekannt. Etwa 30 Mütter und Väter diskutierten zusammen mit dem kommissarischen Schulleiter Gerd Püschel und dem ausgebildeten Suchtexperten die elterlichen Einflüsse bei häuslichen Gesprächen rund um das Thema Alkohol.

Schneider besucht in dieser Woche die höheren Jahrgangsstufen der Montanus- und der Realschule, um im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Spirituosenindustrie (BSI) Anregungen dafür zu geben, wie der verfrühte Alkoholkonsum möglichst vermieden oder bei gefährdeten Jugendlichen wieder eingeschränkt werden kann. "Denn auch die Spirituosenindustrie hat wenig Interesse an den zunehmenden Schlagzeilen über Komabesäufnisse", ist sich der Diplom-Psychologe sicher.

Dass in Deutschland gern und viel Alkohol konsumiert wird, beweisen die Statistiken des BSI: Jeder Erwachsene trinkt pro Jahr etwa zehn Liter reinen Alkohol. Das entspricht etwa 500 Bierflaschen (11,5 Gramm Reinalkohol in einem 0,3 Literglas). "Natürlich verbietet das Jugendschutzgesetz allen Jugendlichen unter 16 Jahren generell den Verzehr und Kauf von alkoholischen Getränken", weiß auch Schneider. "Die Umsetzung wird in der Praxis jedoch viel zu häufig ignoriert."

Deshalb liege es an den Eltern, den Kindern im Vorfeld ein gesundes Selbstbewusstsein zu vermitteln, damit sie sich im Freundeskreis gar nicht erst verleiten lassen, fasste Gerd Püschel die Diskussionsbeiträge der Eltern zusammen. Denn hierin sind sich alle Anwesenden einig: Die Erziehung zum maßvollen Umgang mit Alkohol kann nicht erst dann beginnen, wenn ein Kind zum ersten Mal betrunken nach Hause kommt. Erführen Kinder daheim ein geregeltes Familienleben mit einem umfangreichen Freizeitangebot, mit dem Gefühl von Anerkennung und Selbstvertrauen, ließen sie sich später nicht leichtfertig zum Trinken verleiten.

Für Schneider war der Hinweis wichtig, dass Eltern und Kinder eine dauerhafte Verbindung halten müssen. "Wenn sich die Jugendlichen von ihren Eltern entfremden, lassen sie sich auf Diskussionen zum Thema Alkohol kaum noch ein", stellte er klar. Gerade dann liege es an den Eltern, konsequent und beharrlich ihre Standpunkte zu vertreten und ein beständiges Interesse an den Freizeitaktivitäten ihrer Kinder zu zeigen. "Wenn sie die Regeln überschreiten, müssen die Eltern den Mut zur Kontrolle und dem Durchsetzen klarer Verbote beweisen!", forderte der Experte.

(RP)