Berufskolleg Hückeswagen: Wie wirken Lob und Tadel?

Berufskolleg : Wie wirken sich Lob und Tadel aus?

In einem nicht ganz ernst gemeinten Experiment untersuchen Schüler des Berufskollegs Hückeswagen derzeit die Auswirkungen von Emotionen auf gekochten Reis. Ausgewertet werden die Erkenntnisse dann in etwa vier Wochen.

Die Schüler im BWL-Kursus des Hückeswagener Berufskolleg-Lehrers und stellvertretenden Schulleiters Dr. Alexander Geist haben zunächst einmal eher verwundert dreingeblickt. Geist hatte vor einer guten Woche angekündigt, ein Experiment mit seinen Schülern machen zu wollen. Marie Bonkowski, die gerade an der Hückeswagener Privatschule die duale Ausbildung zur Industriekauffrau mit Abitur absolviert, sagte: „Im ersten Moment dachte ich, dass es sich um ein BWL-Experiment handelt. Schließlich gibt es das bei uns an der Schule recht oft im Unterricht.“ Als Geist dann jedoch zwei Marmeladengläser mit gekochtem Reis auf den Tisch stellte, war den Schülern klar, dass es sich um ein Experiment der etwas anderen Art handeln würde. Der Lehrer wollte mit seinen Schülern ein Experiment des japanischen Alternativmediziners Masaru Emoto nachstellen.

Das Ganze sei aus einer Laune heraus entstanden, sagte Geist und schmunzelte. „Wir verbringen acht Wochenstunden miteinander, das ist relativ viel. Und so war ich auf der Suche, den Unterricht ein wenig aufzulockern“, sagte der Lehrer. Natürlich gebe es dabei aber auch einen ernsthaften Hintergrund. „Ich glaube fest daran, dass die Art von Emotionen und Energien, die man auf seine Mitmenschen ausstrahlt, auch wieder zu einem zurückkommen“, sagte Geist. Und so gehe es bei dem Reis-Experiment darum, dem einen Reisglas positive Emotionen zu vermitteln, dem anderen hingegen negative. „Wenn das Experiment funktioniert, müsste der ‚positive Reis‘ weniger stark Schimmel entwickeln als der ‚negative‘“, sagte Geist. Nach etwa einer Woche sei davon zwar noch nicht viel zu bemerken, der Reis sah in beiden Gläsern relativ identisch aus, aber das dürfte nach etwa vier Wochen schon anders aussehen. Praktisch sehe das dann so aus, dass die Schüler den Reisgläsern täglich eine Dosis Lob oder Tadel zukommen ließen, wie Alexa Nowoczin schmunzelnd sagte: „Manchmal gucken wir das eine Reisglas ganz böse an – während wir dem anderen ein Lob aussprechen.“ Die 18-Jährige macht ebenfalls die duale Ausbildung zur Industriekauffrau mit Abitur. „Das übergreifende Thema ist eigentlich die Lernatmosphäre“, sagte Geist. Man habe natürlich bei weitem nicht wissenschaftliche Standards aufgewendet, um ein hieb- und stichfestes Ergebnis bekommen zu können. „Aber die Idee ist, einen Aufhänger zu haben, um über den gegenseitigen Umgang mit- und untereinander zu sprechen“, betonte Geist.

Bei den Schülern kam das etwas andere Unterrichtsmittel hingegen gut an. „Zwar ist mir erstmal die Kinnlade runtergeklappt, als ich das präsentiert habe. Aber interessant ist das auf jeden Fall“, sagte Bonkowski. Und ihr 18-jähriger Mitschüler Lukas Balling ergänzte: „Man kann das durchaus aufs tägliche Miteinander übertragen. Dass eben alles, was man – auch wie! – sagt, Konsequenzen für sich und den Anderen hat.“ Das sei auch seine große Hoffnung, sagte Geist: „Wenn die Schüler daraus etwas mitnehmen können, dann bin ich schon zufrieden.“

Was aber, wenn das Ergebnis nicht das gewünschte sein sollte? Wenn also der positiv geförderte Reis viel stärker schimmeln sollte als der, dem nur negative Emotionen an den Kopf geworfen wurden? „Das ist auch nicht schlimm“, sagte Bonkowski lachend und ergänzte: „Ich werde dann ganz bestimmt nicht damit anfangen, meine Mitschüler, Eltern und Freunde plötzlich schlecht zu behandeln oder mit Schimpfworten zu bedenken.“

In etwa vier Wochen würden die Schüler und ihr Lehrer die Ergebnisse des Emoto-Experiments auswerten. „Dann wird der Schimmel ausgewertet“, sagte Geist und schmunzelte.

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