Berufskolleg Hückeswagen: Lernen unabhängig von der Schule

Berufskolleg : Lernen unabhängig von der Schule

Das Berufskolleg Hückeswagen arbeitet ab sofort mit dem Zukunftscampus Remscheid zusammen. Ziel ist es, die Schüler fit für sich verändernde Lebens- und Arbeitsbedingungen zu machen.

Das Thema Industrie 4.0 ist derzeit in aller Munde, eng damit verknüpft sind indes auch die Themen Bildung und Lernen. Das Berufskolleg Hückeswagen hat die Zeichen der sich verändernden Welt erkannt und möchte seine Schüler möglichst umfassend auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen innerhalb einer globalisierten Welt vorbereiten.

„Es geht dabei um die Globalisierung von Produktion und Arbeit, um Datenaustausch von überall aus und dynamische Prozesse, die auch von zu Hause oder von unterwegs aus gesteuert werden können“, fasst Schulleiter Gunnar Mühlenstädt den Themenkomplex grob zusammen. „Das alles bedeutet natürlich, dass wir uns auch als Schule damit auseinandersetzen müssen. Denn die Frage ist: Was bedeutet das für unsere Schüler?“ Eine Zusammenarbeit mit der Remscheider Initiative Zukunftscampus soll nun helfen, die betriebliche Ausbildung auf die anstehenden Herausforderungen hin auszurichten.

Der Kontakt zur Remscheider Initiative ist dabei mehr oder weniger zufällig entstanden, wie der stellvertretende Schulleiter Heinz Dörpinghaus sagt: „Ich kannte Holger Häde vom Zukunftscampus von anderer Stelle, wir haben immer wieder über das Thema gesprochen. Dann kam der Robotik- und IT-Experte Matthias Hofmann, selbst auch im Zukunftscampus engagiert, zu einem Seminar ans Berufskolleg.“ Im Anschluss daran habe man erste weiterführende Kontakte geknüpft, die nun in einer Kooperation gemündet sind, die, so Dörpinghaus, bereits in naher Zukunft spruchreif werden soll. „Wir wollen das schnell und umfassend umsetzen. Wir reden hier nicht von Jahren, sondern von wenigen Monaten.“

Ziel ist zum einen, die Medienkompetenz der Schüler zu stärken, aber auch noch weiter in den Austausch mit Unis und Ausbildungsbetrieben zu gehen. „Arbeiten findet schließlich überall statt“, sagt Mühlenstädt. Das gelte indes nicht nur für die Arbeit, sondern auch für die Schule. Man könne praktisch überall lernen. Auch die Medien würden sich verändern, digitale Medien, Videos und Wissensspiele würden die Lernoberflächen attraktiver machen – und das gänzlich unabhängig von Zeit und Örtlichkeit. Das alles müsse das Berufskolleg nun auch abbilden und pädagogisch vermitteln, sagt der Schulleiter. „Das ist gleichzeitig das dickste Brett, das wir bohren müssen: den Schülern zu vermitteln, dass sie sich, egal wann, egal wo, einfach hinsetzen können, um zu lernen“, sagt Mühlenstädt.

Das Wichtigste sei nun, miteinander zu sprechen. „Wir haben im Zukunftscampus Experten im zukunftsgerichteten Denken und Lernen. Und wir sind wiederum Experten im Bereich der Pädagogik. Und wir wollen es uns leisten, das Thema Bildung 4.0 auszuprobieren“, sagt Mühenstädt. Dörpinghaus ergänzt: „Das ist ja auch das Schöne an solchen Kooperationen. Da kommen Experten aus den verschiedenen Bereichen zusammen und arbeiten gemeinsam an Konzepten.“ Als Privatschule sei man zudem relativ frei in solchen Entscheidungen.

Häde betont ebenfalls die Bedeutung des Miteinanders. „Es ist mir im Moment allgemein noch zu wenig davon zu sehen, es wird meiner Meinung nach noch zu viel in einzelnen Plattformen gedacht.“ Die Idee sei, gemeinsames Know-how zusammenzubringen. „Und da sind wir im Moment dabei“, sagt Häde.

Es gehe, ganz allgemein gesagt, um die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands in der Zukunft, sagt Hofmann: „Die Zusammenarbeit könnte im Rahmen von Projektarbeiten oder außerschulischem Lernen umgesetzt werden. Wir können die Welt von Morgen jetzt selbst gestalten, weil wir sie nicht fertig vorgesetzt bekommen.“ Der IT-Experte betont zudem, dass bei allen Gedanken zur Globalisierung keineswegs immer gleich weltweit gedacht werden müsse. „Man kann durchaus auch erst einmal regional beginnen. Die Wurzel für die Globalisierung liegt hier vor unserer Haustür.“ Und Häde ergänzt: „Die alte Welt, wie sie einmal war, funktioniert bald nicht mehr. Aber die neue ist auch noch nicht da – wir dürfen jetzt nicht abwarten, was da vielleicht kommen wird, sondern müssen selbst aktiv werden.“

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