Berufskolleg Hückeswagen Formel-1-Projekt für die Zukunftsschmiede

Hückeswagen · Noch wird es ein knappes halbes Jahr dauern, bis die Zukunftsschmiede des Berufskollegs Hückeswagen ihren Betrieb aufnimmt. Für den April aber ist ein sogenanntes Softopening geplant. Und erste Kursideen nehmen Gestalt an.

Die Berufskolleg-Lehrer Jan Flegelskamp (l.) und Waldemar Warkentin zeigen die vom 3D-Drucker hergestellten Autoboliden für das Projekt „Formel 1 in der Schule“, das in der künftigen Zukunftsschmiede gestartet werden soll.

Die Berufskolleg-Lehrer Jan Flegelskamp (l.) und Waldemar Warkentin zeigen die vom 3D-Drucker hergestellten Autoboliden für das Projekt „Formel 1 in der Schule“, das in der künftigen Zukunftsschmiede gestartet werden soll.

Foto: Wolfgang Weitzdörfer

Noch ist es ein bisschen hin, bis die Zukunftsschmiede des Hückeswagener Berufskollegs den Betrieb aufnehmen wird. Aber sie wirft bereits ihren Schatten voraus. Das kostenfreie Bildungsangebot der privaten Berufsschule im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) wird seit einigen Monaten in der ehemaligen Kapelle des früheren Marienhospitals eingerichtet, darunter mit viel Eigenmitteln und Eigenleistung, aber auch durch Fördermittel und Spenden.

Aktuell kursiert auf dem Instagram-Account des Berufskollegs ein Video, das einen sehr guten – wenn auch vielleicht ungewohnten – Eindruck davon gibt, was die Zielgruppe künftig dort erwarten könnte. Das, was dort zu sehen ist, scheint in erster Linie Spaß zu machen. Eine Rennbahn ist im oberen Flur aufgebaut, die durchaus eindrucksvoll lang ist. Dann kommt das Startsignal, und die beiden grauen, recht schmucklosen Boliden starten gegeneinander.

Das alles ist kein Zeichen für ausgeprägte Langeweile im Berufskolleg, wie die Lehrer Waldemar Warkentin und Jan Flegelskamp schmunzelnd versichern. „Das ist Teil eines internationalen Schülerwettbewerbs mit dem Namen ‚Formel 1 in der Schule‘, der bereits 1999 in England ins Leben gerufen wurde“, erläutert Warkentin, Lehrer im technischen Bereich. Grob gesagt geht es dabei darum, dass Schüler zwischen elf und 19 Jahren mit selbst konzipierten Rennwagen im internationalen Vergleich gegeneinander antreten und dabei die Grundlagen der dahinterliegenden Fächer und Techniken kennenlernen. „Unsere Schülerinnen und Schüler sind dafür in der Regel zu alt. Aber die Zielgruppe der Zukunftsschmiede, die ja zwischen elf und 16 Jahren alt ist, passt da wunderbar rein“, sagt Warkentin.

Testlauf auf der Rennbahn im Flur des Berufskollegs.

Testlauf auf der Rennbahn im Flur des Berufskollegs.

Foto: Berufskolleg Hückeswagen

Die Zukunftsschmiede ist die Antwort des Berufskollegs auf den Fachkräftemangel, betont deren Initiator, Schulleiter Gunnar Mühlenstädt. „Wir wollen damit die Jugendlichen der weiterführenden Schulen im Städtedreieck Hückeswagen, Wermelskirchen, Wipperfürth für alle Themen rund um Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik begeistern. Und mit Speck fängt man bekanntlich Mäuse“, sagt Mühlenstädt schmunzelnd. Damit spielt er auf den Wettbewerbscharakter und das spielerische Element des Formel-1-Projekts an.

Das sieht auch Deutschlehrer Flegelskamp so, rein vom Fach her eher technisch außenstehend. „Das Ganze bietet ein riesiges Motivationspotenzial“, sagt er. „Wie produziert man das Auto? Wie konstruiert man es? Und dann kommt der Wettbewerb noch dazu. Die Anwendungskette ist nahezu komplett, und ich kann mir vorstellen, dass es ein echtes Highlight in der Zukunftsschmiede sein wird.“

Produktion ist ein gutes Stichwort. Denn die Boliden mögen nicht nur wie aus dem 3D-Drucker aussehen – sie sind es auch. „Es gibt für die Teilnahme an den Wettbewerben strenge Regeln, zu denen allerdings nicht gehört, dass man das Auto selbst herstellen muss“, sagt Warkentin. Man könne aber alles auch selbst basteln. „Und das war für uns auch ein Ansporn, unser 3D-Labor dafür zu nutzen.“ Auch das könne den schulinternen Wettbewerb fördern. „Wir sind natürlich noch ganz weit davon entfernt, über eine Teilnahme an den internationalen Wettbewerben nachzudenken. Aber wenn ein Jugendlicher sein Auto gebaut hat und dann feststellt, dass das seines Freundes ein bisschen schneller ist, dann will er sofort wissen, warum das so ist und was er besser machen kann.“

Beim Hückeswagener Berufskolleg gehört das Ausprobieren ganz klar dazu, selbst dann, wenn das Thema nicht zum eigenen Fachbereich gehört. Deswegen ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass auf dem Video Verwaltungsleiterin Gabriele Döbler zu sehen ist, wie sie gegen einen Kollegen antritt. „Jeder will das mal ausprobieren und sehen, wie das Ganze funktioniert“, sagt Flegelskamp. „Das macht eben auch jenseits der Technik einfach Spaß. Auch ich als Deutschlehrer kann dann damit mehr anfangen, was da aus dem 3D-Drucker kommt.“

Angeschafft wurden die technischen Geräte sowie die Bahn dank Fördermittel, die nicht dauerhaft aufgebaut bleiben kann, sondern neben dem 3D-Labor eingelagert ist, bis sie zum ersten Mal für einen Zukunftsschmiede-Kursus gebraucht wird. „Das wird wohl im neuen Schuljahr der Fall sein, also ab August“, sagt Flegelskamp. Dann wird die Zukunftsschmiede offiziell ihren Betrieb aufnehmen. „Für April ist ein Softopening geplant, also eine Inbetriebnahme mit ersten kleinen Angeboten sowie einer Informationsphase für die relevanten Multiplikatoren“, fügt Mühlenstädt hinzu.

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