Ansichtssache: Beim Schul-Tausch müssen die Emotionen raus

Ansichtssache : Beim Schul-Tausch müssen die Emotionen raus

Überraschend war's nicht: Die Ratsmehrheit lehnt einen Neubau der Löwen-Grundschule weiterhin ebenso ab wie den Beibehalt des jetzigen Realschul-Standorts. Die Folge ist der zweite Bürgerentscheid in der Geschichte der Schloss-Stadt. Im September 2001 war der erste gegen das Parken auf der Islandstraße gescheitert.

Die Bürgerinitiative "Vernunft macht Schule" hat jetzt zwar mit ihrem Bürgerbegehren die Ratsmehrheit nicht umstimmen können. Sie war dennoch insofern erfolgreich, als dass es jetzt zum Bürgerentscheid kommt. Ihre Chancen stehen - rein rechnerisch - nicht schlecht. Sie benötigt im April etwa 2500 Ja-Stimmen auf ihre Frage: "Soll die Löwen-Grundschule im Brunsbachtal einen Neubau erhalten und die Städtische Realschule am Standort Kölner Straße 57 erhalten bleiben?" 1810 Unterschriften dafür hatte sie in der Hälfte der benötigten Zeit gesammelt, Potenzial für weitere Unterstützer scheint demnach vorhanden zu sein.

Die nicht gerade leichte Aufgabe der Bürgerinitiative ist es nun, alle Unterzeichner und das noch nicht über die Unterschriftenaktion abgeschöpfte Potenzial der Gegner des Ratsbeschlusses vom 28. November beim Bürgerentscheid im April an die Wahlurne zu bekommen. Die Gegner - CDU, SPD, Grüne - werden ihrerseits für ihre Argumentation werben.

Die Sondersitzung des Rats am Donnerstag machte einmal mehr deutlich, welch emotionales Thema der Schul-Tausch ist. Dabei prallen offenbar zwei "Ideologien" aufeinander. Beide Seiten reklamieren für sich, die bessere und günstigere Lösung zu haben. Doch an konkreten, verlässlichen Zahlen kann das momentan niemand festmachen. So sollten in den Wochen bis zum Bürgerentscheid auch alle Seiten darum bemüht sein, die Emotionen aus dem Spiel zu halten. Denn für das Zusammenleben in einer kleinen Gemeinschaft wie die in Hückeswagen wäre es fatal, würden sich beide Seiten bis aufs Messer bekriegen. Jeder sollte sich vor Augen führen: Alle Beteiligten - sowohl die Politiker, als auch die Verantwortlichen der Bürgerinitiative - haben nicht das eigene Wohl, sondern das der Stadt Hückeswagen und der hier lebenden Menschen im Sinn!

Das Heimatmuseum für den Ratssaal aufzugeben, war zwar ein Vorschlag der Verwaltung. Es dürfte aber kein ernstzunehmender gewesen sein, die Politik machte im Bauausschuss auch kein Aufheben darum. Womöglich hatte die Stadt ohnehin nur im Blick: Darauf aufmerksam zu machen, welche Blüten diese unsinnige Diskussion über den zweiten Rettungsweg treiben können. Denn der wird die Stadt und ihre Einwohner eine Stange Geld kosten - weil sich ein Ratsmitglied dort "unwohl" fühlt. Es bleibt unfassbar. So sollte die Stadt Abstand nehmen von der großen, teuren Version der Treppe und des Aufzugs im Museum und stattdessen mit der günstigeren Außentreppe oder dem Rettungsschlauch an der Außenseite planen. Auch wenn die das Schloss nicht attraktiver machen, so fällt's im Schlosshagen wenigstens nicht allzu deutlich auf. STEPHAN BÜLLESBACH

(RP)
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