1. NRW
  2. Städte
  3. Hückeswagen

Hückeswagen: Befallen vom Bazillus Brieftaubenzucht

Hückeswagen : Befallen vom Bazillus Brieftaubenzucht

Dirk Sachser aus Straßburg züchtet leidenschaftlich gerne Brieftauben. Der Star des Metzgermeisters flog jüngst die Strecke von Österreich zurück nach Hückeswagen in einer Zeit unter sechseinhalb Stunden.

Der heimliche Star im Taubenschlag von Dirk Sachser aus Straßburg im Westen Hückeswagens hat die Nummer 511. "Ich gebe den Tieren keine Namen, dazu sind es viel zu viele. Meine Schläge bieten Kapazitäten für etwa 100 Tauben", sagt der 56-Jährige.

Die 511 ist eine Taube aus eigener Zucht, die 2013 geboren wurde und damit gerade erst den Status einer Jungtaube verloren hat. "Jungtaube ist man nur im ersten Lebensjahr, die Tauben werden durchschnittlich um die 20 Jahre alt", erläutert Sachser. Ihre Wurzeln hat Taube 511 in Belgien bei den Brüdern Janssen aus Arendonk. "Das sind Züchterlegenden", sagt Sachser. Diesem Ruf wurde die 511 gerecht, wurde sie doch 2014 zur besten Taube der Neuen Bergischen Reisevereinigung Remscheid gewählt. Sie legte die Strecke von 630 Kilometern Luftlinie, so weit ist es bis ins österreichische Amstetten, in nur sechs Stunden und 29 Minuten zurück. "Das ist die weiteste Strecke, die die Tauben fliegen müssen", berichtet der Züchter.

Bei Sachser liegt die Liebe zum gurrenden Federvieh mit dem hervorragenden Orientierungssinn in der Familie begründet. "Mein Vater hatte immer Tauben, ich selbst habe meine erste mit drei Jahren bekommen. Das ist wie ein Bazillus, von dem man nicht mehr loskommt. Ich kann mir gar kein anderes Hobby vorstellen", schwärmt der 56-Jährige.

  • Vor der Trauung im Trauzimmer des
    Komplette Stadtverwaltung trägt Kopfschmuck : Warum in Hückeswagen mit Hasenohren geheiratet wurde
  • Müll, der abseits der Straßen im
    Düsseldorfer Süden : Das sind Benraths Schmuddelecken
  • Bürgermeisterin Sandra Pietschmann (l.) und Dezernentin
    Zwei neue Brandmeister für die Feuerwehr

Dazu dürfte ihm neben dem Beruf wohl auch die Zeit fehlen - denn die Zucht und das Training sind aufwendig. Doch bald geht es wieder los. Sachser: "Wenn die Tage länger werden, werden die Tauben wieder aktiv. Pro Zuchtwurf, von denen es drei bis vier pro Jahr gibt, legt eine weibliche Taube zwei Eier." Dabei sind die Tiere durchaus selbstständig, bauen die Nester und kümmern sich um den Nachwuchs. Bis etwa Ende März dürfen die Jungtauben bei der Mutter bleiben, dann werden sie nach Geschlechtern getrennt, bis sie flügge werden - und der Ernst des Brieftaubenlebens beginnt: "Mitte April etwa geht es mit den Flügen los", sagt Sachser. "Vorher lernen sie ihre Umgebung kennen, fliegen mehr als 14 Tage rund ums Haus, die nächsten zwei Wochen werden sie dann schon mutiger und fliegen weiter raus." Das sei quasi die Pubertät der Tiere."

Dabei gibt es einen gewissen Schwund. "Nicht alle Tiere kommen zurück, manche werden vielleicht von Habichten oder Wanderfalken geschnappt", erzählt der 56-Jährige. "Da die Tiere Langstreckenflieger werden, müssen sie speziell und gut gefüttert werden. Da sind sie natürlich ein echter Leckerbissen für den Habicht." Dazu passt auch, dass die Fähigkeit einer Brieftaube, über eine so große Distanz den Weg zurück in den eigenen Schlag zu finden, auch damit zusammenhängt, wie gut sie dort gefüttert wurde.

Für die Flüge werden die Tiere über Nacht in die Stadt gebracht, von der aus sie losfliegen. Danach beginnt bei Dirk Sachser das bange Warten: "Ich stehe immer auf dem Garagendach und halte Ausschau. Ich weiß ja, aus welcher Richtung die Tauben angeflogen kommen. Dieses Kribbeln, wenn sie irgendwann als kleiner Fleck am Himmel zu erkennen sind, der nur ganz langsam größer wird, das ist unbeschreiblich", sagt der Züchter. Die Belohnung für eine schnelle Taube: "Jede Menge Erdnüsse. Die Tiere lieben sie", sagt Sachser lachend.

(wow)