Hückeswagen: Bahn bekennt sich zu Welterbe-Bewerbung

Hückeswagen: Bahn bekennt sich zu Welterbe-Bewerbung

Nächste Woche findet in Porto der zweite Brücken-Kongress statt. Eine bergische Delegation ist dabei, um die Müngstener Brücke mit Schwesterbauten zum Kulturerbe zu machen. Die Deutsche Bahn steht hinter der Bewerbung.

Wenn eine Delegation aus dem Bergischen Land in der nächsten Woche ins portugiesische Porto reisen wird, werden die Abgesandten aus der Region nicht den Zug nehmen. Angesichts einer Entfernung von mehr als 1600 Kilometern wäre eine Bahnfahrt doch reichlich umständlich.

Was im Umkehrschluss aber keineswegs bedeutet, dass der Schienenverkehr bei der Reise nach Porto keine Rolle spielt. Denn in acht Tagen findet in der Hafenstadt am Atlantik der zweite Fachkongress statt, der sich mit der Bewerbung der Müngstener Brücke als Weltkulturerbe beschäftigt. Vom 21. bis 23. Juni kommen in Portugal Politiker, aber auch Experten aus fünf europäischen Ländern zusammen, um nach einem ersten Treffen im Herbst in Müngsten den gemeinsamen Anlauf des bergischen Wahrzeichens mit vier ähnlichen Brücken in Frankreich, Italien und Portugal voranzutreiben.

Wobei sich die deutschen Teilnehmer der Tagung ausgesprochen optimistisch zeigen, am Atlantik den nächsten Sprung hin zum großen Ziel Weltkulturerbe machen zu können.

Mit der Deutschen Bahn AG bekennt sich auch der Eigentümer des unter Denkmalschutz stehenden Stahlkolosses zwischen Solingen und Remscheid zu der Welterbe-Bewerbung. Wie ein Vertreter des Konzerns mitteilte, wird die Bahn ein Papier bei der Tagung im Rahmen eines Festaktes unterzeichnen.

Damit verbunden ist die Hoffnung, bei den Bahnunternehmen der anderen Länder ein vergleichbares Engagement zu bewirken. So signalisierte die italienische Bahn ebenfalls, sich hinter die Bewerbung bei der UNESCO zu stellen. Ähnliche Schritte werden in Kürze von den Bahngesellschaften aus Portugal UND Frankreich erwartet.

Tatsächlich ist die Unterstützung der Bahn-Unternehmen von Bedeutung. Denn nur wenn alle Beteiligte an einem Strang ziehen, macht eine serielle Bewerbung der Müngstener Brücke, der beiden Brücken Maria Pia und Dom Luis I. in Porto, des französischen Garabit-Viadukts sowie der Brücke San Michele in Italien Sinn.

  • Remscheid : Bahn bekennt sich zu Welterbe-Bewerbung

So wurde von den beteiligten Kommunen Solingen, Remscheid und Wuppertal auf deutscher Seite, dem portugiesischen Porto, dem französischen Ruynes en Margeride sowie Paderno d'Adda (Italien) bereits beim ersten Kongress Ende Oktober in Müngsten eine Absichtserklärung verabschiedet, an der zudem die Bergische Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (BSW) beteiligt war. Und bei der Tagung in Portugal sollen auch die Nachbarstadt Portos, Vila Nova de Gaia, und Saint Flour (Frankreich) miteinbezogen werden, so dass sämtliche Anrainer-Gemeinden der fünf Bewerber-Brücken mit von der Partie sein werden.

Parallel dazu ist geplant, bei dem Kongress die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu präsentieren beziehungsweise fortzuentwickeln und erste Konzepte für eine länderübergreifende touristische Vermarktung auf den Weg zu bringen. Letztere sollen bei einem Workshop vertieft werden. "Es wäre denkbar, gemeinsame Pakete zu schnüren, die auch Bestand hätten, wenn wir nicht Welterbe werden", sagte die bei der BSW für Tourismus verantwortliche Geschäftsführerin Uta Schneider.

Gleichwohl gehen die Beteiligten davon aus, dass die Bewerbung mit den europäischen Partnern gute Chancen besitzt. Läuft alles nach Plan, sollen die Brücken, die sämtlich aus dem 19. Jahrhundert stammen und in ihrer eisernen Großbogenform einmalige Beispiele für Technik sowie Architektur ihrer Entstehungszeit sind, spätestens 2021 auf der portugiesischen Vorschlagsliste zu den Weltkulturerben stehen.

Dies ist von Bedeutung, weil das südeuropäische Land noch nicht über so viele Welterbe-Stätten verfügt und die anderen Länder in einem "Huckepackverfahren" mitgezogen werden könnten, sagte Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach. Daran anschließend stünde eine Absichtserklärung der Vertragsstaaten. Die Entscheidung der UNESCO wird für Mitte der 2020er Jahre erwartet.

Wobei sich Kurzbach, Projektleiter Carsten Zimmermann und Peter Heinze, Technischer Beigeordneter aus Remscheid, überzeugt zeigen, dass die Bewerbung schon heute ein Erfolg ist. Kurzbach: "Der Weg ist das Ziel".

(RP)
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