Hückeswagen: Aus dem Backes nach Berlin

Hückeswagen: Aus dem Backes nach Berlin

Der Hückeswagener Bäckermeister Jörg von Polheim freut sich nach über zwei Jahren "im Wartestand" auf seinen Einzug in den Deutschen Bundestag. Über den Wechsel sprach der 52-Jährige am Freitag mit der Redaktion.

Nachts in der Backstube, tagsüber am Samstag und auch Sonntag am Stand auf dem Weihnachtsmarkt: Derzeit bleibt Jörg von Polheim nicht viel Zeit, sich mental auf seinen neuen "Fulltime-Job" einzurichten. Der wird ihn Mitte Januar aus dem eigenen Backes nach Berlin führen, direkt in den Deutschen Bundestag.

Dort nimmt der selbstständige Bäckermeister den Platz seines FDP-Parteifreundes Werner Hoyer ein, der Präsident der Europäischen Investitionsbank wird und deshalb sein Bundestags-Mandat niederlegen muss.

MdB war schon kein Thema mehr

Über zwei Jahre ist von Polheim nach der Bundestagswahl im September 2009 "im Wartestand" gewesen. Denn seitdem war klar: Der Hückeswagener ist der Erste, der in Berlin nachrückt, wenn ein FDP-Abgeordneter aus Nordrhein-Westfalen aus dem Parlament scheidet.

Damit, dass genau das nun tatsächlich passiert, hatte der Hückeswagener nicht mehr gerechnet: "Damit hatte ich eigentlich abgeschlossen und mir gedacht, dass es wohl nicht sein sollte", erzählte der 52-Jährige am Freitag im Gespräch.

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Und dann rief, schon im Oktober, Werner Hoyer erstmals an. In weiteren Gesprächen in den zurückliegenden Wochen wurde von Polheims beruflicher Wechsel nach Berlin konkreter. "Wir haben das in der Familie besprochen, ich kann mir der Unterstützung durch meine Frau und unserer vier Kinder ganz sicher sein", sagt Jörg von Polheim.

Und auch die beruflichen Dinge in Hückeswagen sind geklärt: Der Bundestagsabgeordnete in spe hat einen Bäckermeister gefunden, der als Angestellter seinen Handwerksbetrieb in der Stadt fortführen wird. "Vielleicht habe ich ja schon in zwei Jahren kein Bundestagsmandat mehr, dann bin ich mit 54 für den Ruhestand aber noch zu jung und will natürlich wieder Bäcker sein", sagt von Polheim.

Dass er seine Wurzeln in Hückeswagen nicht kappt, ist für ihn ohnehin klar: "Das ist meine Heimat, hier bleibt mein Lebensmittelpunkt." Jörg von Polheim will deshalb auch Fraktionschef der FDP im Stadtrat bleiben, außerdem Kreisvorsitzender der FDP Oberberg: "Beides erdet mich für die bundespolitische Arbeit." Noch nicht klar ist, ob er auch sein Kreistags-Mandat behält: "Das muss ich mit den Parteifreunden besprechen."

In Berlin sieht Jörg von Polheim drei Arbeitsschwerpunkte für sich: Die Kommunalpolitik, die Mittelstandspolitik und die Bildungspolitik interessieren ihn am stärksten.

(RP)
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