Hückeswagen: Auf der Suche nach dem Rotmilan

Hückeswagen : Auf der Suche nach dem Rotmilan

Der Bestand des Rotmilans geht zurück. Dass Bergische gehört zu den bundesweit elf Regionen, in denen eine Projektstelle eingerichtet wurde, um die Bestände zu kontrollieren. Sören Schweineberg geht auch in Hückeswagen auf die Suche.

Der Blick vom Straßweger Ortseingang geht weit über die Wälder und Felder bis nach Wermelskirchen und Remscheid. Sören Schweineberg steht mit seinem Fernglas am Rande eines Maisfelds. Doch den 29-jährigen Landschaftsökologen interessiert weniger die landschaftliche Schönheit des Bergischen Landes, vielmehr ist sein Augenmerk auf den nahen Waldrand gerichtet. Dort vermutet er Nester von Rotmilan-Paaren.

"Der Bestand ist seit vielen Jahren rückläufig", sagt der Mitarbeiter der Biologischen Stationen Oberberg und Rhein-Berg, die gemeinsam eine Projektstelle eingerichtet haben, die Schweineberg zunächst für eineinhalb Jahre betreut. Im Rahmen des Bundesprogramms "Biologische Vielfalt" wollen drei Naturschutz-Organisationen zusammen mit dem Bundesamt für Naturschutz den weiteren Rückgang der Rotmilan-Bestände stoppen. Dazu haben der Deutsche Verband für Landschaftspflege, der Dachverband Deutscher Avifaunisten (Vogelkundler; Anm. d. Red.) und die Deutsche Wildtier Stiftung ein Projekt in bundesweit elf so genannten Umsetzungsregionen gestartet. Dazu gehört auch das Bergische.

"Das Problem ist, dass die Rotmilan-Paare nicht genügend Junge zur Welt bringen", berichtet Schweineberg. Zwei Jungvögel pro Paar und Jahr müssten es schon sein, damit sich der Bestand des Greifvogels erholen könne. "Zurzeit sind es nur 1,3 / 1,4 Junge. Das ist zu wenig."

Zwei Gründe sieht der Landschaftsökologe, der an der Uni Münster seinen Master of Science gemacht hat, für das Problem: die Umstellungen in der Landwirtschaft und die intensivere Waldwirtschaft. Ersteres betrifft eher den Osten Deutschlands. "Der Rotmilan mag gerne kleinstrukturierte Flächen und keine Riesenfelder", erläutert Schweineberg. Er nehme, was er finden könne. Auf großen Weizen- oder Maisfeldern ist das allerdings nicht mehr viel, weil der Vogel darin etwa keine Wühlmäuse entdecken kann.

Da im Bergischen häufig Silagewirtschaft betrieben werde und die Felder daher häufig gemäht würden, kann der Vogel hier zwar wieder zugreifen. Das Problem in der Region jedoch ist, dass er an seinem Horstplatz gestört wird und zu wenig geeignete Nistplätze vorfindet. So brütete er am liebesten an lichten Waldrändern, "die er gut anfliegen kann". Die gibt es laut Schweineberg vor allem bei Buchen- und Eichenwäldern. Im Bergischen herrschen jedoch häufig dichte Tannenwälder vor. Dazu kommt, dass gerade im Sommer der Wald häufig bewirtschaftet wird. Wenn dann die Waldarbeiter mit Motorsäge und schwerem Gerät anrücken, vertreibt das den Rotmilan.

Zu Schweinebergs Projektarbeit gehört es, die Nester des Greifvogels zu erfassen und den Bruterfolg zu kontrollieren. Dafür ist der 29-Jährige neben dem Fernglas auch mit einem GPS-Gerät ausgestattet. Hat er ein Nest gefunden, gibt er die Koordinaten ein. So kann er den Horst nicht nur wiederfinden, sondern auch den Waldbesitzern sagen, wo die Rotmilane brüten. "Ich suche das Gespräch mit ihnen, damit sie den Vögeln während der Brutphase die benötigte Ruhephase gönnen", erläutert der Landschaftsökologe.

Ab März brüten die Vögel für 31 bis 38 Tage. Danach dauert es 45 bis 50 Tage, bis die Jungen flügge sind. Schweineberg bitte die Waldbauern daher, zwischen März und Mai nicht in den Wäldern zu arbeiten.

"Meine Arbeit fängt im Winter an, wenn ich an den Waldrändern nach alten Nestern forsche", sagt er. Im Frühjahr schaut er nach, welche wieder für die Brut genutzt werden. "Wir wollen nun feststellen, woran es liegt, dass der Bestand zurückgeht, um dann gegenzusteuern." So könnten beispielsweise Horst-Schutzzonen eingerichtet werden.

Das Rotmilan-Projekt läuft seit Ende 2013 und zunächst bis Mitte 2015. "Wir werden aber einen Folgeantrag stellen", betont Schweineberg. "Sonst ist das Projekt sinnlos."

(RP)
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