Frank Rösner: "Auch das Leben der anderen ist wertvoll"

Frank Rösner: "Auch das Leben der anderen ist wertvoll"

Der Polizeihauptkommissar über den Beginn der Motorradsaison: Gerade Oberberg und Rhein-Berg sind jetzt wieder beliebte Ausflugsziele.

bergisches land Wenn in den kommenden Wochen der Frühling kommt, schlägt wieder die Stunde der motorisierten Zweiräder. Polizeihauptkommissar Frank Rösner, Leiter der Führungsstelle Verkehr bei der Direktion Verkehr der Polizeibehörde Gummersbach, schildert, wie das Miteinander der Verkehrsteilnehmer stressfrei funktionieren kann und erläutert, wie sich die Polizei auf die Motorradsaison vorbereitet.

Herr Rösner, die Motorrad-Saison steht kurz bevor. Wie hat sich die Polizei darauf vorbereitet?

Rösner Gerade der Oberbergische Kreis, aber auch Rhein-Berg, sind aufgrund ihrer Topographie bei den Motorradfahrern auch von weiter entfernt sehr beliebt. Mit dem verstärkten Aufkommen von motorisierten Zweirädern ist die Region aber immer wieder auch Schauplatz schwerer Unfälle. Daher wird die Polizei bei der Verkehrsüberwachung einen besonderen Schwerpunkt auf diese Verkehrsteilnehmer legen. Das bedeutet, dass die Polizei intensive Geschwindigkeitsüberwachungen durchführen wird. Ziel ist es, möglichst viele Fahrer anzuhalten, um sie zum einen zu identifizieren und zum anderen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Die Prävention soll mittels Ansprache und einem "Wachrütteln" der Biker stattfinden. Dieses "Wachrütteln" kann man im Sinne eines Aufmerksammachens auf die besonderen Gefahren im Kreisgebiet an bekannten Treffs wie etwa der Bever-Talsperre in Hückeswagen verstehen. Auch die Überprüfung der Zweiräder auf technische Veränderungen, insbesondere solcher, die übermäßigen Lärm verursachen, steht regelmäßig im Fokus polizeilicher Kontrollmaßnahmen.

Wo sind in Oberberg/Rhein-Berg besonders gefährliche Strecken?

Rösner Insbesondere die in den Norden des Oberbergischen Kreises führenden Strecken, das sind hauptsächlich Bundesstraßen wie die B 229, die B 483 oder die B 237 sind gefährlich und entsprechend unfallbelastet. Dazu kommen aber auch die kurvenreichen Land- und Kreisstraßen in der Region. Die Biker, die sonst vielleicht viel im Stadtverkehr unterwegs sind, sind im Befahren solch herausfordernder Strecken schlicht nicht geübt, ihnen fehlt die Routine.

Werden diese Strecken besonders beobachtet?

Rösner Natürlich. Die Polizei ist allerdings in ihren Möglichkeiten begrenzt, sowohl in Sachen Personal als auch beim Material. Aus diesem Grund wird eine sogenannte Top-Liste der Strecken besonders überwacht, auf denen während der vergangenen Jahre eine erhöhte Unfallkonzentration festzustellen war.

Gibt es besondere Präventionsmaßnahmen?

Rösner Im Zusammenwirken mit anderen betroffenen Behörden im unmittelbaren Umfeld, mit denen wir sehr gut vernetzt sind, aber auch nach einer landesweiten Abstimmung werden Maßnahmen der Prävention nach den Erfahrungen aller Behörden nach dem Best-Practice-Modell ergriffen.

Wie wichtig ist die Prävention? Wo greift sie?

Rösner Sicherlich hat die Prävention durchaus ihre Berechtigung und ist ein fester Bestandteil in der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit. Sie wirkt aber, orientiert am Klientel der Zielgruppe - Kindergarten-Kinder versus "hartgesottene Biker" oder Raser - natürlich sehr unterschiedlich.

Sind Sonderkontrollen geplant, wenn ja, wann und wo?

Rösner Ja, es werden natürlich Sonderkontrollen stattfinden. Die Direktion Verkehr verfügt über mehrere messtechnische Möglichkeiten, dazu gibt es eine Kradgruppe. Neben interner Abstimmung in der Direktion Verkehr werden auch unter Einbindung sowohl der Beamten der Polizeiwachen als auch der Bußgeldstelle Überwachungen der Motorradfahrer erfolgen. Dies gilt insbesondere an schönen Wochenendtagen und an Werkfeiertagen, an denen auf den bekannten Bikerstrecken natürlich in der Regel besonders viel los ist.

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Wie sollten sich Motorradfahrer verhalten, um sicher unterwegs zu sein?

Rösner Da würde in erster Linie ein genauer Blick in die Straßenverkehrsordnung helfen. Ganz wichtig ist aber für alle Motorradfahrer, dass sie immer vorausschauend fahren, immer mit den Fehlern anderer rechnen, insbesondere an Kreuzungen und Einmündungen. Man sollte immer auch eine Sicherheitsreserve ins eigene Fahrverhalten einbauen, auffällige helle Kleidung und einen Helm tragen. Zudem kann helfen, an Fahrsicherheitstrainings teilzunehmen. Idealerweise sollte das zu Saisonbeginn sein. Besonders angeraten ist es, wenn man als sogenannter Wiedereinsteiger nach vielen Jahren Pause wieder aufs Motorrad steigt.

Und wie die anderen Verkehrsteilnehmer?

Rösner Man sollte sich einfach bewusst machen, dass ab etwa März eine Verkehrsteilnehmergruppe sozusagen hinzukommt - nämlich eben die Biker. Dann muss einem klar werden, dass der Verkehrsraum auch mit diesen zu teilen ist. Besonders beim Ab- und Einbiegen sollten Autofahrer auf die schmale Silhouette eines Motorrads achten.

Wie ist die aktuelle Situation am Treff Beverdamm in Hückeswagen?

Rösner Der Umbau durch die Verlagerung der Strecke auf die andere, hangzugewandte Seite sowie die Schaffung von Platz zum Abstellen der Kraftfahrzeuge und der Aufstellfläche für die Fahrer an der Beverseite ist mittlerweile erfolgt. Die Motorradsaison, die nun ansteht, wird zeigen, wie sich diese Maßnahmen auswirken werden. Bleibt die Bever-Talsperre weiterhin ein attraktiver Magnet für die Motorradfahrer oder sorgt die Tatsache, dass die Imbisswagen dort nicht mehr stehen werden, für rückläufige Tendenz an Bikeraufkommen? Man wird abwarten müssen. Zudem finden derzeit Überlegungen statt, an denen auch der Kreis und die Kommunen beteiligt sind, bezüglich straßenverkehrsrechtlicher Anordnungen. Damit sind etwa Geschwindigkeitsschilder gemeint.

Welche Treffs gibt es als Alternativen in Oberberg/Rhein-Berg?

Rösner Neben der Bever-Talsperre in Hückeswagen gibt es sicherlich auch im Südkreis rund um die Aggertalsperre Treffpunkte. Diese sind meines Wissens nach aber nicht mehr so stark frequentiert wie noch in früheren Jahren.

Wie kann das Miteinander dort bestmöglich funktionieren?

Rösner Auch hier hilft ein Blick in die Straßenverkehrsordnung: Dort steht in Paragraf I, Absatz I, zu lesen: Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme. Es sollte der Grundsatz gelten: Auch das Leben der anderen ist wertvoll.

Der Lärm der Motorräder ist ein Problem - wie kann man dem am besten begegnen?

Rösner Tatsächlich haben die Beschwerden der Anwohner an den stark befahrenen Strecken in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Diese Beschwerden betreffen nicht nur die Raserei, sondern auch die Belästigungen durch Lärm. Das hängt natürlich auch unmittelbar zusammen und ist oft Gegenstand von Anrufen und Mails der Bürger. Die originäre Aufgabe der Polizei ist allerdings die Verkehrsunfallbekämpfung. Der Lärm ist eine nur nachrangige Aufgabe. Wenn der Lärm allerdings aufgrund von technischen Veränderungen an den Motorrädern entsteht, wird die Polizei auch künftig, wie schon im vergangenen Jahr, die entsprechenden Maßnahmen treffen. Diese beinhalten eine Anzeige, den Mängelbericht sowie gegebenenfalls eine unmittelbare Vorführung beim TÜV. Sie können auch bis hin zur Unterbindung der Weiterfahrt reichen.

DAS INTERVIEW FÜHRTE WOLFGANG WEITZDÖRFER

(RP)