Am 1. Oktober startet der Breitband-Ausbau im Westen von Hückeswagen

Digitalisierung in Hückeswagen : Breitband-Ausbau startet im Westen

Das schnelle Internet kommt, in die geförderten Haushalte der Schloss-Stadt sogar kostenfrei. Zu einem entsprechenden Infoabend des Energieversorgers BEW kamen am Dienstagabend etwa 80 Hückeswagener ins Forum.

Sehr oft, wenn es mit der Digitalisierung um eines der Themen der Stunde geht, stehen zumeist Industrie und Handwerk im Fokus, also Gewerbetreibende oder Unternehmen. Wenn auch für diesen Personenkreis schnelles Internet selbst in ländlichen Gebieten in der heutigen Zeit nahezu zwingend notwendig ist, gehört zur Digitalisierung auch die Internet-Versorgung der Haushalte mit dazu. Über den Stand der Dinge beim geförderten Breitband-Ausbau in den sogenannten weißen Flecken der Schloss-Stadt informierte am Dienstagabend die Bergische Energie- und Wasser-GmbH im Forum. Das Interesse war groß: Etwa 80 Anwohner vor allem aus den betroffenen Außenbereichen im Westen der Schloss-Stadt, in denen zum Teil deutlich weniger als 30 Mbit bei den Internetverbindungen zur Verfügung stehen, waren der Einladung gefolgt.

Bürgermeister Dietmar Persian freute sich, dass mit dieser ersten Infoveranstaltung das Thema vorankomme. „Mir ist der Satz von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek, man brauche 5G nicht an jeder Milchkanne, insofern im Gedächtnis geblieben, als dass ich komplett anderer Meinung bin“, sagte Persian. Im Gegenteil: „Wir brauchen schnelles Internet an jeder Milchkanne und an jedem Haus, egal wie weit draußen diese Häuser sind.“ Denn schnelles Internet bedeute nicht nur Unterhaltung und die neuesten YouTube-Videos. „Schnelles Internet ist für viele Menschen, die etwa im Home Office arbeiten, Voraussetzung, dieser Arbeit nachgehen zu können“, stellte Persian klar.

Zugleich richtete er den Blick auch auf die zunehmend automatisierte und technisierte Landwirtschaft: „Viele Milchbauern haben Melkroboter, die ferngewartet werden – dafür sind schnelle Internetleitungen eine Grundvoraussetzung.“ Die Städte Hückeswagen und Wipperfürth hätten diesen Bedarf rechtzeitig erkannt und gemeinsam einen Förderantrag für den Ausbau in ihren Außenbereichen gestellt. „Diese befinden sich in Hückeswagen im ersten Bereich etwa in Scheideweg, Maisdörpe, Strucksfeld, westlich der Wupper und nördlich von Wiehagen“, erläuterte Persian. Für den gesamten Breitband-Ausbau in beiden Städten stehen nun insgesamt 20,6 Millionen Euro von Bund und Land zur Verfügung. „Wir haben die Arbeiten europaweit ausgeschrieben, das Rennen machten die BEW zusammen mit dem Telefonanbieter Innogy TelNet“, berichtete Persian.

Der Geschäftsführer des Energieversorgers, Jens Langner, berichtete den Anwesenden in der Folge davon, was in den kommenden zwei Jahren bis zum geplanten Ende der Ausbauarbeiten 2021 auf sie zukommen wird. „Ohne Baustellen wird es nicht gehen, aber wir wollen das so minimal wie möglich halten“, versicherte der BEW-Chef. Die Glasfaserleitungen würden in den Straßen und bis zum Haus gelegt. So könnten sich die Haushalte über praktisch nicht vorhandene Einschränkungen bei Geschwindigkeit und durch Störungen freuen.

Die Bauarbeiten für den ersten Bereich in Hückeswagen werden am 1. Oktober beginnen und sind für etwa sechs Monate veranschlagt. „Das ist natürlich ein wenig vom Wetter abhängig“, sagte Langner. Insgesamt werde die BEW bei den Baumaßnahmen in beiden Städten 260 Kilometer Leitungstrassen, 440 Kilometer Leerrohre und 1270 Kilometer Glasfaserleitungen erschließen.

Ist die Leitung dann gelegt, müssen Interessierte mit dem Anbieter Innogy TelNet einen Nutzungsvertrag abschließen, um das schnelle Internet auch nutzen zu können. Das wiederum kam bei den Anwesenden nicht so gut an. Oft kam die Frage auf, ob man denn quasi zum Wechsel gezwungen sei. „Jeder weiß doch, wie nervig so ein Anbieterwechsel sein kann. Das macht man doch nicht freiwillig“, sagte etwa ein Bürger. Theoretisch könne man auch mit allen anderen Anbietern zusammenarbeiten – diese müssten das Glasfasernetz dann aber auch nutzen, sagte Langner. Das sei im Moment eben nur Innogy TelNet. „Man muss aber auch nicht sofort wechseln, denn die alten Kupferleitungen sind nach wie vor vorhanden und aktiv“, versicherte der BEW-Geschäftsführer.

Auch den nicht förderfähigen Haushalten machte Langner zumindest leichte Hoffnung: „Die Fördermittelkulisse entwickelt sich weiter. Im Koalitionsvertrag steht, dass bis 2025 in Deutschland die leistungsfähigsten Netze im Einsatz sein sollen.“ Daher könne es künftig auch außerhalb der „weißen Flecken“ den geförderten Ausbau geben. Die BEW werde sich aber zunächst auf den geförderten Ausbau konzentrieren.

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