Altstadtfest Hückeswagen : „Decke ausbreiten, Trödel drauf – das gehört dazu“

Eva Dörpinghaus (52) erzählt von ihren ersten Altstadtfest-Erinnerungen und wie sich das Traditionsfest gewandelt hat.

Eva Dörpinghaus ist Mitglied im katholischen Pfarrcäcilienchor. Die Ur-Hückeswagenerin ist aber auch schon seit ihrer Kindheit beim Altstadtfest dabei, hat als Kind getrödelt und verkauft heute am Chor-Stand Waffeln.

Frau Dörpinghaus, können Sie sich noch an Ihr erstes Altstadfest erinnern?

Eva Dörpinghaus Oh, das ist schon lange her. Ich bin ja in Hückeswagen aufgewachsen und daher schon von Anfang an dabei gewesen. Bewusst weiß ich zwar nicht mehr, dass ich schon beim ersten Altstadtfest mit gemacht habe, aber zeitlich kommt das auf jeden Fall hin. Damals haben wir natürlich beim Kindertrödel mitgemacht. Dadurch, dass wir schon damals die Möglichkeit hatten, am Cäcilien-Chor-Stand zu verkaufen, haben wir das auch als Kinder schon gerne genutzt – und durchaus das eine oder andere Stück Trödel verkauft.

Wie hat sich das Fest seitdem verändert?

Dörpinghaus Verändert hat sich vor allem der Freitagabend, wie ich finde.

Welche Bedeutung hatte und hat denn der inoffizielle erste Tag, eben der Freitagabend?

  • Trödeln gehört einfach zum Altstadtfest in
    Altstadtfest Hückeswagen : „Decke ausbreiten, Trödel drauf – das gehört dazu“
  • Eine der letzten Impflinge in der
    Mangel an Nachfrage : Letzter Tag der Hückeswagener Impfstelle
  • Per Konrads und Noah Steinhauer vom
    Hückeswagener Judoklub : Platz zwei und drei bei der Judo-Kreismeisterschaft

Dörpinghaus Das war damals ja eigentlich nur für die Standbetreiber, also die Vereine, die sich nach dem Aufbau ihrer Stände zur gemütlichen Runde getroffen haben. Man hat dann gemeinsam etwas getrunken und den Abend ausklingen lassen. Heute ist das ja schon etwas größer geworden – man denke nur an die Veranstaltung am Schlossplatz. Aber es kommen auch viele Besucher, trinken ihr erstes Kölsch und läuten somit das Altstadtfest schon am Freitagabend ein. Es ist daher nicht mehr ganz so heimelig wie früher.

Finden Sie das gut oder schlecht?

Dörpinghaus Es war damals sicher gut und richtig so, wie es war. Aber auf diese Weise kommen natürlich viele Leute von außerhalb dazu – und das kann für Hückeswagen ja nur gut sein.

Was ist das Besondere am Altstadtfest?

Dörpinghaus Für die Menschen in Hückeswagen ist unser Altstadtfest auf jeden Fall der Höhepunkt im Jahr. Das Schöne und Besondere daran ist, dass man zu diesem Zeitpunkt regelmäßig Menschen wiedertrifft, die man vielleicht seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Oder die man eben nur einmal im Jahr – zum Altstadtfest – trifft. Da kommen alle wieder zusammen.

Wie werden Sie das Altstadtfest amkommenden Wochenende verbringen?

Dörpinghaus Ich werde natürlich am Stand des Kirchenchors aktiv dabei sein und, wie jedes Jahr, Waffeln verkaufen. Dieses Jahr aber nur am Sonntag, weil wir ein Familienfest haben. Sonst bin ich schon immer beide Tage voll mit dabei. Und am Sonntag werden wir mit dem Chor beim Gotteslob und der Chor-Matinee natürlich auch mit unserer neuen Chorleiterin Christine Langmaack auf der Bühne am Schlossplatz stehen und singen.

Was machen Sie besonders gerne am Altstadtfest?

Dörpinghaus Das ist natürlich der Freitagabend in der Gasse am Cäcilien-Stand! Die anderen Programmpunkte sind auch immer wieder schön, aber da gibt es nichts, wo ich unbedingt hin müsste. Etwa, weil eine bestimmte Band spielt oder so. Am Freitagabend trifft sich immer der ganze Chor, da wird gesungen, man trifft alte Bekannte – das ist einfach ein urgemütliches Beisammensein.

Wie wichtig ist der Termin am zweiten September-Wochenende?

Dörpinghaus Der Termin ist genau richtig so. Und er steht ja nun auch schon bei jedem in der Stadt fest im Terminkalender. Außerdem ist die Chance dann noch recht gut, dass das Wetter auch mitspielt.

Wie wichtig ist der Kindertrödel?

Dörpinghaus Das ist ein ganz wichtiger und elementarer Bestandteil bei jedem Altstadtfest. Decke ausbreiten, Trödel drauf – das gehört doch dazu! Das habe ich als Kind schon gemacht, das haben auch meine Kinder gemacht, und das werden die Kinder auch künftig machen. Heute stöbere ich da zwar nicht mehr drüber, aber für die Kinder ist das fraglos eine ganz wichtige Sache.

Es ist ein Fest der Vereine für die Bürger – befürchten Sie dennoch eine Kommerzialisierung?

Dörpinghaus Ja, das kann schon sein. Denn ursprünglich haben sich die Vereine für das Altstadtfest zusammengetan, um Geld in die Kassen zu spülen. Bei uns im Chor wurde da etwa Geld gesammelt, um schöne Konzerte mit Gastmusikern zu organisieren oder um neue Noten anzukaufen. Wie es aber heute aussieht, werden wegen des Mitgliederschwunds die Stände immer kleiner – oder müssen wegfallen. Und das bringt kommerzielle Anbieter auf den Plan. Denn damit das Altstadtfest stattfinden kann, muss es ja Standbetreiber geben.

Es gibt mittlerweile viele und auch größere Veranstaltungen in der Schloss-Stadt. Besteht die Gefahr eines Überangebots?

Dörpinghaus Das Altstadtfest ist meiner Meinung nach so etabliert, dass es davon nicht betroffen sein kann. Ich finde es grundsätzlich auch sehr schön, wenn in der Stadt viel los ist und auch größere Veranstaltungen stattfinden.

Wie groß ist die Strahlkraft des Altstadtfests in die Region?

Dörpinghaus Die Strahlkraft nach außen ist immens groß, und das auch über die Stadtgrenzen hinaus.

Wie sieht die Zukunft des Hückeswagener Traditionsfests aus – muss das Altstadtfest sich weiter wandeln?

Dörpinghaus Wir erleben es im Pfarrcäcilienchor selbst gerade hautnah: Der Chor wird kleiner, die Mitgliederzahlen sinken. Also haben wir Probleme damit, die Standzeiten wie bisher zu besetzen. Daher haben wir reagiert und werden in diesem Jahr den Stand verkleinern, keine Theke mehr anbieten und so sozusagen Personal einsparen. Anderen Vereinen geht es auch nicht viel anders. Insofern muss da etwas passieren. Wie ein Wandel für die Zukunft aussehen könnte, weiß ich aber auch nicht. Jenseits von der Verkleinerung der Stände sehe ich im Moment auch keine Möglichkeiten. Denn wenn man einen Stand anbieten will, dann muss der schließlich auch besetzt sein – und wo keine Mitglieder, da keine Standbesetzung. So traurig das ist, es sieht leider zumindest derzeit so aus.