Alter Bergwerksstollen im Neubaugebiet Eschelsberg

Heimatforschung : Alter Bergwerksstollen am Eschelsberg

Heimatforscher Siegfried Berg verfolgt die Bauplanungen zum Neubaugebiet Eschelsberg mit großem Interesse. Der Hückeswagener kann belegen, dass sich dort ein ehemaliges Bergwerk befindet, dessen Abraumhalde sichtbar ist.

Der Name „Eschelsberg“ klingt noch ungewohnt, kannten doch bisher selbst gebürtige Hückeswagener die Bezeichnung des Flurstücks am Hang zwischen der Kölner Straße und der Straße Zum Sportzentrum nicht. Jetzt ist der Eschelsberg in aller Munde, denn dort soll die neue Löwengrundschule und die neue Feuerwache gebaut werden sowie ein Wohngebiet entstehen. Heimatforscher Siegfried Berg verfolgt die Berichterstattung über das Bauvorhaben mit gemischten Gefühlen.

Siegfried Berg mit seinem ersten Buch vor seiner privaten Tropfsteinhöhle im heimischen Wohnzimmer. Foto: Heike Karsten

Der Grund: An diesem Hang in der Nähe des Hallenbads befindet sich ein alter Bergwerksstollen. „Über die Ausmaße des Stollens ist nichts bekannt. Umso mehr wäre es sinnvoll und ratsam, vor der Bebauung den Stolleneingang freizulegen und eine Begehung mit einem Sachverständigen vom Bergamt vorzunehmen“, sagt Siegfried Berg. Allein schon aus Sicherheitsgründen wegen möglicher Stolleneinbrüche hat der Heimatforscher die Stadtverwaltung Hückeswagen angeschrieben und darauf aufmerksam gemacht. Berg verweist dabei auf sein erstes Buch mit dem Titel „Heimischer Bergbau in und um Hückeswagen“ von 2008.

In alten Urkunden von 1753 wird das Bergwerk „Am Wegerhof“ erwähnt. Es liegt unterhalb des Wegerhofs im „Tale der Brunsbeke“ (Brunsbachtal) in der Nähe eines frühgeschichtlichen Schlackenfelds und verrät sich noch immer durch einen mächtigen Abraumhügel. Davor befindet sich ein Sumpfgelände, was darauf schließen lässt, dass Wasser aus dem Berg austritt. „Eine Bachverrohrung aus dem Stolleninneren heraus ins Tal wäre vor den Baumaßnahmen effizienter, da ein späterer Zugang vermutlich nicht mehr möglich ist“, merkt der Hückeswagener an. Ob nun genau an dieser Stelle gebaut werden soll und wie weit der Stollen in den Berg hinein verbaut wurde, weiß Berg nicht. „Ich kenne den Bebauungsplan und die Stollenlänge nicht“, sagt er.

Für den Heimatforscher wäre eine Begehung des Stollens auch aus geschichtlicher Sicht von großem Interesse. „In Hückeswagen und Umgebung wurde an allen möglichen Stellen gebuddelt, wie zum Beispiel in der Mul oder in der Carolinengrube im Wiebachtal, wo Kupfererze gefördert wurden“, berichtet Berg. Fast alle Stollen auf Stadtgebiet hat er schon persönlich in Augenschein genommen – „natürlich mit Genehmigung“, wie der 78-Jährige betont. Gerne würde er auch das Bergwerk „Im Eschelsberg“ vermessen und sehen, wie es verbaut wurde, falls es noch existiert. Damit ließe sich die Geschichte weiter aufschlüsseln.

Wie der Name „Eschelsberg“ entstanden ist, weiß auch Siegfried Berg nicht. Der frühere Heimatforscher Wilhelm Blankertz hat in seinem Artikel über Flurnamen den Eschelsberg nicht erwähnt. „Meine ältesten Flurkarten von 1828-29 vom Kreis Gummersbach zeigen ebenfalls keinen Besitzer, der einen ähnlichen Namen trägt. Es ist jedoch zu vermuten, dass es sich hier um einen Wald (Holzung) handelt. Eventuell wurden in dem Feuchtgebiet durch die Nähe zum Brunsbach Eschen angepflanzt“, vermutet Berg.

Für eine Straße im neuen Wohngebiet hat Siegfried Berg auch schon eine Idee: „Sie könnte zum Beispiel Bergwerksstraße heißen“, schlägt er vor und fügt hinzu: „Auch dieses Tal hat Geschichte.“

Bauamtsleiter Andreas Schröder bestätigt auf Anfrage unserer Redaktion, dass die Stadt von dem Stollen weiß. Er sei in den topografischen Aufzeichnungen vermerkt. Man werde die erste Beteiligungsrunde abwarten, „hier können Behörden und andere am Bauprozess Beteiligte ihre Stellungnahmen zu dem Bauvorhaben einreichen“, sagt Schröder. Hierzu zähle sicher auch die Untere Denkmalbehörde, denn eventuell habe ein solcher Stollen eine denkmalrechtliche Relevanz. „Bislang spielt der Stollen bei unseren Planungen aber keine Rolle, wir haben ihn überplant“, sagt Schröder. Vielleicht habe das Bergamt Unterlagen über den Stollen, „ich glaube aber nicht, dass der Stollen große Auswirkungen auf das Bauprojekt haben wird“, sagt der Bauamtsleiter. Das Planverfahren laufe bestimmt anderthalb Jahre, und in dieser Zeit ließe sich sicher so einiges erledigen.

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