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Als Hückeswagen noch so gemütlich war

Seniorenfeier der Stadt Hückeswagen : Als Hückeswagen noch so gemütlich war

Rund 200 Senioren nahmen die Einladung zu Kaffeetrinken und Musik an. Und schnell wurden bei Kaffee und Kuchen Erinnerungen wach und alte Geschichten lebendig.

Helga Koll erinnert sich, als sei es gestern gewesen. „Wir hatten den Lebensmittelladen in der Friedrichstraße“, erzählt die 94-Jährige, „da wurde viel geklönt.“ Die Menschen brachten noch Zeit mit, wenn sie Lebensmittel oder Drogerieartikel einkauften. Und manchmal hoben sich die Kunden ihren Einkauf für den Abend auf, um dann noch ein bisschen ins Gespräch zu kommen. „Dann wurde es manchmal acht oder halb neun“, erzählt Helga Koll, „und wir haben einfach weiter geredet.“

Den kleinen Lebensmittelladen, den sie gemeinsam mit ihrem Mann führte, gibt es längst nicht mehr. Aber ihre Erinnerungen sind wach. „Früher war Hückeswagen so gemütlich“, sagt sie, „es gab viel weniger Hektik. Die Menschen hatten mehr Zeit.“ Und dann schaltet sich ihre Sitznachbarin Edith Günther ein: „Damals war auch auf der Markt- und der Islandstraße viel Betrieb“, erzählt die 82-Jährige. Das waren jene Zeiten, als die Kolls noch donnerstags und freitags die Lebensmittel zu jenen Kunden brachten, die älter geworden waren und sich über den Bringdienst zur Haustüre freuten. „Heute sind wir selber alt“, sagt Helga Koll – und dabei blitzen ihre Augen so hell und wach, dass man es eigentlich glauben will, dass die gebürtige Hückeswagenerin zu den 1000 ältesten Bewohnern der Stadt gehört.

Die hat Bürgermeister Dietmar Persian mit seinem Team am Samstagnachmittag zum traditionellen Seniorennachmittag ins Gemeindezentrum am Lindenberg eingeladen – die Mitarbeiter der Verwaltung übernehmen den Service an den Tischen. Vom Kaffee bis zum Wein. „Das ist eine gute Tradition“, befindet der Bürgermeister zum Auftakt, „wir wollen unseren älteren Mitbürgern eine Freude machen und ihnen Wertschätzung entgegenbringen.“ Und deswegen steht der Kuchen bereit, Kaffee und Tee dampfen in den Kannen, mit Unterstützung der Hückeswagener Hauptschüler haben alle Jacken ihren Platz an der Garderobe gefunden und die Musiker des Realschulorchesters unter Leitung von Gerald Wasserfuhr stehen schon in den Stadtlöchern.
Das Angebot der Stadt wird gerne angenommen. „Es ist doch schön, wenn wir alle mal zusammen sind“, sagt auch Helga Koll, die seit ihrem 80. Geburtstag keinen Seniorennachmittag verpasst hat und viele Gesichter noch aus dem Geschäft kennt. Inzwischen ist sie die älteste Besucherin und bekommt am Samstag vom Bürgermeister die Hückeswagen-Tasse überreicht. Das gleiche Exemplar bekommt während der Seniorenfeier auch Horst Heldt – er ist mit seinen 91 Jahren der älteste Herr im Saal. Ob er trotz des Alters jung geblieben sei? „Wissen Sie“, sagt Heldt, „als wir jungen waren, da war alles sehr schwer.“

Und dann erinnert er sich an die alte Heimat in Pommern, an harte Arbeit mit den Tieren, an die Zeit als Soldat und den Neuanfang in Hückeswagen. Heute lebt er mit seiner Frau in Wiehagen. „Und wenn er im Garten ist, dann vergisst er sein Alter“, sagt Ehefrau Christel und berichtet von der letzten Kartoffelernte vor ein paar Wochen. Da schaltet sich eine jüngere Dame vom Nebentisch ein: „Ich weiß noch, als ich vor 30 Jahren nach Hückeswagen kam. Da dachte ich: Alt werden willst du hier auch nicht.“ Aber die Stadt habe in den vergangenen Jahren gewonnen, ergänzt sie dann. Hückeswagen sei nicht mehr „so verschlafen“ wie damals. Und nun werde sie wohl doch alt in der Schloss-Stadt. Da blickt Christel Heldt ihren Mann lachend an: „Wir möchten hier sehr gerne noch ein bisschen älter werden.“