Rückblende Fronleichnam: Als die Katholiken noch zum Marienhospital zogen

Rückblende Fronleichnam : Als die Katholiken noch zum Marienhospital zogen

Für Hückeswagen war der Zweite Weltkrieg mit dem Einmarsch der Amerikaner am 14. April 1945 zu Ende, am 8. Mai kapitulierte das Dritte Reich bedingungslos. Drei Wochen später war Fronleichnam. Und die Hückeswagener nahmen am 31. Mai eine lange Tradition wieder auf, die im Dritten Reich verboten worden war: die Fronleichnamsprozession. Wie der im Oktober verstorbene BM-Mitarbeiter und Historiker Franz Mostert in einer früheren "Rückblende" berichtete, wurden in der Schloss-Stadt für diesen Tag Girlanden geflochten und Ehrenpforten aufgestellt. Auf den Straßen war ein Blumenflor ausgebreitet worden, am Prozessionsweg bauten die Katholiken Hausaltäre auf. Der damalige Stadtchronist Wilhelm Stuckmann hatte 1945 notiert: "(...) Unter der Bevölkerung herrschte große Freude über die wiedererlangte Freiheit in der Ausübung ihrer religiösen Gebräuche. Zwei Musikkapellen begleiteten den festlichen Umzug, der noch nicht durch die ganze Stadt ziehen durfte, sich vielmehr auf den oberen Stadtteil beschränken musste."

Ein Jahr später zogen mehr als 1000 Gläubige hinter der Monstranz mit der Hostie her. Hunderte Katholiken auch aus der Region empfingen am Prozessionsweg den eucharistischen Segen.

1948 intonierten bereits drei Kapellen die zum Teil uralten Sakramentslieder an Fronleichnam, und der Pfarrcäcilienchor sang mit Bläserbegleitung die "Hückeswagener Psalmen". Vier Honoratioren in Schwarz trugen den Baldachin über dem Allerheiligsten, weitere vier Kirchenvorstände die Ampeln mit brennenden Kerzen. Der Platz vor dem Marienhospital war ein Blumenmeer, kunstvoll zu einem Teppich drapiert. Bis in die 90er Jahre hinein stand dieser Platz regelmäßig den Katholiken an Fronleichnam zur Verfügung. Die Kinder brauchten keine Hausaufgaben machen, wenn sie für den Blütenteppich am Marienhospital Blumen sammelten. Der Teppich vor dem Altar wurde aus Blumen-Köpfen hergestellt (das Foto von Maria Janßen zeigt die Szenerie am Marienhospital im Jahr 1958). Später wurde er aus gefärbten Sägespänen hergestellt. Nach der Schließung des Krankenhauses 1993 wurde der Prozessionsweg verlegt - er führt seither von der Pfarrkirche durch die Altstadt zum Schloss, wo der Segen ausgesprochen wird, und wieder zurück zur Kirche St. Mariä Himmelfahrt. Nach einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche, der um 9 Uhr beginnt, machen sich die Katholiken auch heute, Donnerstag, auf die Prozession. STEPHAN BÜLLESBACH

(RP)