Rückblende Hückeswagen Vor 50 Jahren: Als das Farbfernsehen nach Hückeswagen kam

Rückblende Hückeswagen Vor 50 Jahren: Als das Farbfernsehen nach Hückeswagen kam

Es war ein komplett neues (Fern-)Sehgefühl: Die Olympischen Winterspiele von Grenoble in Farbe verfolgen zu können, war Grund genug für den Funk- und Fernsehberater Burghoff, am 9. Februar 1968 in der Bergischen Morgenpost eine Anzeige zu schalten: "Täglich während der Olympischen Winterspiele im Hotel zum Hofgarten" hieß es im Inserat. Was für heutzutage selbstverständlich ist, war damals eine technische Revolution.

Als der damalige Bundeskanzler Willy Brandt am 25. August 1967, Punkt 10.57 Uhr, auf der "Großen Deutschen Funkausstellung in West-Berlin" einen großen roten Taster (der übrigens eine Attrappe war) betätigte, wurde in den deutschen Wohnstuben aus dem Schwarz-Weiß-Bild ein farbiges. Vorausgesetzt, es stand ein Farbfernseher in der Stube, doch den hatten zu diesem Zeitpunkt noch die wenigsten. Viele Monate zuvor hatten bundesweit die technischen Vorbereitungen begonnen.

Pionier in Hückeswagen war Siegfried Burghoff, der in seinem bereits seit 1955 geöffneten Geschäft an der Marktstraße nun derartige Geräte anbot. Der erste Farbfernseher der Firma Metz, heute Ausstellungsstück im Maschinenpark des Vereins "3-Städte-Depot", kostete damals 2500 Mark. Zum Vergleich: Ein normales Schwarz-Weiß-Gerät gab's für 800 bis 1000 Mark. Beide Größenordnungen waren für die damaligen Verhältnisse ein stattliches Sümmchen.

Burghoff erinnert sich: "Ich habe im Mai 1967 meinen ersten Farbfernseher-Lehrgang bei der Firma Philips in Hamburg absolviert, später war ich noch bei Grundig in Fürth." Im August 1967 kehrte Burghoff dann rechtzeitig aus dem Urlaub zurück, um beim großen Verkaufsstart im Laden stehen zu können.

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In den Anfangsjahren galt die sogenannte Konvergenz als großes technisches Problem. Es war notwendig, dass ein Fachmann nach dem ersten Aufstellen des Gerätes an 25 Reglern Einstellungen vornahm, weil je nach Standort unterschiedliche Magnetfelder auf das Gerät einwirkten. War die Justierung nicht ganz exakt oder wurde der Fernseher an einen anderen Platz gerückt, überlappten sich die mit dem Kathodenstrahl in der Röhre projizierten Grundfarben, und das Bild wurde unansehnlich. Erst Mitte der 70er-Jahre wurde das Problem gelöst. Viele Konsumenten hatten jedoch davon gar nichts mitbekommen, da sie erst später ein Farbgerät kauften.

Zu Beginn der Farbfernseh-Epoche konkurrierten drei Unternehmen um die Gunst der Kunden: Philips, Grundig und Metz. Burghoff hatte alle drei Marken im Laden stehen. Die Geräte arbeiteten mit dem bundesdeutschen Standard "PAL", Frankreich und auch die DDR setzten auf "SECAM".

"Zu meinen ersten Kunden zählte Erich Sessinghaus und die Drogerie Zörner", erinnert sich Burghoff lächelnd. An die Olympia-Übertragungen hat er jedoch nur wenige Erinnerungen, allerdings arbeitete er mit dem "Hofgarten" häufiger zusammen. Burghoff: "Wir haben dort in dem Saal des Hotels Verkaufsveranstaltungen gemacht, die waren sehr erfolgreich." NORBERT BANGERT

(nob)
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