Hückeswagen: Als "beleidigte Leberwurst" im Gericht

Hückeswagen : Als "beleidigte Leberwurst" im Gericht

Seit die junge Frau vor sechs Jahren aus Russland nach Deutschland gekommen ist, läuft es nicht gut für die 25-jährige Hückeswagenerin: Der deutschen Sprache nicht mächtig, lebt die ledige Frau von der Sozialhilfe, ist rauschgiftabhängig und derzeit in ärztlicher Behandlung.

Ihre beiden Kinder im Alter von fünf und sieben Jahren leben mittlerweile in Pflegefamilien. Nun fand die Polizei im April bei einer Kontrolle auch noch 1,1 Gramm unerlaubte Betäubungsmittel (Amphetamine) bei der jungen Frau, die sich dafür am Montag vor dem Amtsgericht Wipperfürth verantworten musste.

Laut Polizei stand die Angeklagte am späten Abend mit einer Bekannten und ihren minderjährigen Kindern vor dem Edeka-Markt in Wiehagen. Zwei Polizisten in Zivil kontrollierten die Frauen, da es zu dieser Zeit eine Serie von Einbrüchen und Sachbeschädigungen in der Stadt gab. Was folgte, war eine so lautstarke Auseinandersetzung zwischen den Frauen und den Polizisten, dass aufgeschreckte Anwohner den Notruf wählten.

Wildes Gestikulieren bringt nichts

Während der Kontrolle ließ die Angeklagte ein Tütchen mit Amphetaminen fallen und versteckte es unter ihrem Fuß. "Sie wollte daher auch nicht den Fleck verlassen, auf dem sie stand", sagte die als Zeugin geladene Polizistin. Die Angeklagte widersprach diesen Ausführungen, gestikulierte dabei lebhaft mit Händen und Armen und fiel dem Richter mehrmals ins Wort. Nach dessen Zurechtweisung verschränkte sie die Arme und blickte beleidigt zur Decke.

Es sei Zufall gewesen, dass sie auf dem Plastiktütchen stand, sagte die 25-Jährige aus. "Ich weiß nicht, wie es dahin kam", ließ sie von der Dolmetscherin übersetzen. Zur Alkoholfahne erklärte sie, dass sie derzeit Methadon nehme und gar keinen Alkohol trinken dürfe. Ein Glas Wein oder Bier räumte sie für den besagten Abend dann aber doch ein.

Weder die Staatsanwaltschaft noch der Richter schenkten den Schilderungen der gebürtigen Russin Glauben. "Das Tütchen ist ja nicht vom Himmel gefallen", stellte der Richter klart. Durch die Abhängigkeit der jungen Frau und der Zeugenaussage könne man sicher davon ausgehen, dass das Rauschgift der Angeklagten gehörte.

Verstimmt über Geldstrafe

"Zudem zeigen Sie sich vollkommen uneinsichtig", fügte der Richter hinzu und verurteilte die Angeklagte zu einer Geldstrafe von 500 Euro. Bei der Urteilsverkündung schlug die schlanke Frau im Minirock die Hände vors Gesicht, schüttelte ungläubig den Kopf und verließ anschließend aufgebracht den Gerichtssaal.

(heka)
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