Hückeswagen: Alkohol bleibt Hauptdroge

Hückeswagen : Alkohol bleibt Hauptdroge

Die Fachstelle Sucht des Diakonischen Werkes betreute im vergangenen Jahr knapp 300 Menschen - 60 von ihnen kamen aus Hückeswagen.

Alkohol ist billig, überall zu haben und "gesellschaftsfähig". Alkohol ist aber auch immer noch der Suchtstoff, der am meisten Menschen in eine existenz- und lebensbedrohliche Abhängigkeit führt. "Die ganz legale Droge Alkohol ist in unserer Gesellschaft einfach allgegenwärtig": Das unterstrich Franc Schaller von der Fachstelle Sucht des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Lennep jetzt im Sozialausschuss. Er berichtete dort über die Arbeit der Fachstelle, die schon seit einigen Jahren ihren Sitz an der Marktstraße in Hückeswagen hat und von dort aus auch Suchtkranke sowie deren Angehörige aus den Nachbarstädten Radevormwald und Wipperfürth und aus der Gemeinde Lindlar betreut. Finanziert wird das größtenteils vom Oberbergischen Kreis.

Foto: Dörner Hans

Knapp 300 Menschen standen im zurückliegenden Jahr in mehr oder minder engem Kontakt zu der Fachstelle. Nur gut 60 von ihnen kamen aus Hückeswagen. Franc Schaller sieht den Grund dafür nicht etwa darin, dass Suchtprobleme in der Kleinstadt eine untergeordnete Rolle spielen: "Es ist einfach so, dass die Hemmschwelle, am eigenen Wohnort eine Beratungsstelle aufzusuchen, enorm hoch ist." Sehr viele Betroffene schämten sich ihrer mit vielen Tabus behafteten Erkrankung und fürchteten sich deshalb vor "Entdeckung".

In sechs von zehn Fällen ging es im Vorjahr um Alkoholsucht. An zweiter Stelle lag den Gesprächen die Abhängigkeit von Cannabis zugrunde. Deutlich geringer ist der Anteil derer, die regelmäßig illegale Opiate wie Heroin konsumieren, also sogenannte harte Drogen. Nach den Zahlen der Suchtberatung sind Männer offenbar stärker gefährdet, durch legale oder auch illegale Drogen in die Abhängigkeit zu geraten: Nur ein Drittel der Klientel besteht aus Frauen. Allerdings lässt eine hohe Dunkelziffer kaum eine aussagekräftige Wertung des statistischen Zahlenmaterials zu. Hauptziel der mit vier Fachkräften besetzten Fachstelle Sucht ist laut Franc Schaller "der Versuch, die Abhängigen in eine langfristige Abstinenz zu führen und sie auf dem Weg dorthin zu begleiten". Am Anfang stehe in vielen Fällen die Vermittlung in eine Entgiftung mit anschließender Therapie in einer Fachklinik. Danach liege der Schwerpunkt "auf sehr viel Motivationsarbeit". Denn in den ersten Monaten unmittelbar nach der stationären Therapie, also bei der Rückkehr in den ganz normalen Alltag, sei die Rückfallgefahr für Suchtkranke besonders hoch.

Die Fachstelle kümmert sich außerdem um Suchtprävention und um die psychosoziale Begleitung von Substituierten. Das sind frühere Konsumenten harter Drogen, die unter ärztlicher Aufsicht medizinische Ersatzstoffe wie Methadon bekommen. Die medizinische Betreuung ist laut Franc Schaller nicht so ausgebaut, wie sie es angesichts des Bedarfs eigentlich sein müsste: Im gesamten Oberbergischen Kreis gibt es nur vier niedergelassene Ärzte, einen davon in Radevormwald, die auch substituieren.

(bn)
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