Hückeswagen: Ärger um Integration von Schülern

Hückeswagen : Ärger um Integration von Schülern

Seit Schuljahresbeginn werden an der Realschule drei Jugendliche aus dem EU-Ausland unterrichtet, die nur schlecht Deutsch sprechen. Auf der Suche nach Hilfe fühlt sich die Schulleitung von den Behörden alleine gelassen.

Die Idee war schön: Ein polnisches Mädchen und ein englisches Geschwisterpaar sollen an der Realschule ganz normal lernen — wie ihre deutschen Mitschüler auch. Im Mai waren die drei Schüler aus dem EU-Ausland mit ihren Eltern nach Hückeswagen gezogen und an der Realschule angemeldet worden. "Die Noten waren in Ordnung", sagt Schulleiterin Christiane Klur. Und eigentlich hätten die drei Jugendlichen jetzt, ein halbes Jahr später, so weit mit der Kenntnis der deutschen Sprache sein müssen, dass sie dem Unterricht einigermaßen problemlos folgen können. Doch sie sind es nicht.

Anfangs sehr verschüchtert — wohl, weil es die Sprache kaum beherrscht — hat das Trio am Unterricht der sechsten und siebten Klasse teilgenommen. Seit Anfang November versuchen Klur und ihr Stellvertreter Thorsten Schmalt nun, eine Nachhilfe für die Jugendlichen zu organisieren. Das bleibt ein schwieriges Unterfangen, wie beide in einem Pressegespräch erläuterten.

"Das Komische ist: Erwachsene aus EU-Ländern bekommen sofort einen VHS-Kursus, in dem sie unsere Sprache erlernen können. Für Kinder und Jugendliche ist so etwas nicht vorgesehen", sagt Schmalt. Anfrage Nr. 1 bei der Bezirksregierung ergab, dass diese für eine Sprachförderung "keine Ressourcen" hat, berichtet Klur. Auch Anfrage Nr. 2, diesmal bei der Schulaufsicht des Oberbergischen Kreises, wurde negativ beschieden: Man könne keinen Lehrer abstellen oder zusätzliche Deutsch-Stunden einrichten, hieß es.

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In festem Willen, den drei Kindern zu helfen, wandte sich die Schulleiterin an zwei Hauptschulen in Remscheid. Dort sollte das Trio so lange unterrichtet werden, bis es die deutsche Sprache besser beherrscht. "Doch die eine Schule hatte keine Integrationsklasse mehr, die andere war zu weit weg", musste Klur ernüchtert feststellen.

Nun kann zumindest die junge Polin über ihre Eltern Fördermittel beim Jobcenter beantragen. "Doch das hat den Antrag nicht akzeptiert", berichtet Klur. 24,51 Euro kostet eine Lehrer-Arbeitsstunde; so viel soll das Jobcenter für die Nachhilfe bei einem Deutschlehrer zahlen, will es aber nicht. Laut Klur ist die Sachbearbeiterin nur bereit, 15 bis 20 Euro bereitzustellen.

Hilfe erhielt die Schulleiterin auch nicht beim Integrationsbeauftragten des Kreises, sagt sie. Den konnte sie zwar auf die "Missstände" aufmerksam machen, er habe aber auch keine freien Ressourcen. "Er hat zu mir gesagt: ,Das sind die krummen Fälle, für die es keine Lösung gibt'", berichtet die Schulleiterin kopfschüttelnd.

Für Thorsten Schmalt ist das Ganze "ein Skandal": "Wir haben hier in der EU eine Niederlassungsfreiheit. Und ein EU-Kommissar hat erst kürzlich noch gefordert, dass mehr für die Integration getan werden müsse", sagt der stellvertretende Schulleiter. Doch bei den drei Jugendlichen sei die Schule auf sich allein gestellt. Und Christiane Klur klagt: "Es ist skandalös, dass nichts getan wird und ich über die Preise feilschen muss wie auf einem türkischen Basar."

Die Realschule hat immerhin eine Lösung gefunden: Die frühere Lehrerin Christiane Störte, die zum Schuljahresende in den Ruhestand gegangen war, gibt dem Trio zwei Stunden wöchentlich Deutsch-Nachhilfe. Bezahlt wird sie aus schulinternen Mitteln. "Aber die fehlen natürlich nun für andere Sachen", sagt Christiane Klur.

(RP)
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