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Adventssinger besuchen Gemeindemitglieder in Herweg.

Hückeswagen : Herweger Adventssinger wieder unterwegs

Den Brauch des Adventssingens gibt es in Herweg schon seit etwa 50 Jahren und wird von der evangelischen Kirche bis heute gepflegt.

Am Samstagnachmittag brennen bei Martha und Friedel Walder in Pleuse bereits die Kerzen der Weihnachtspyramide und die erste Kerze des Adventskranzes. Auf dem Tisch stehen Plätzchen und Saft. Mit Freude erwartet das Ehepaar die Adventssinger, die jedes Jahr die älteren Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde in Herweg besuchen und dabei besinnliche Geschichten vorlesen und weihnachtliche Lieder singen.

Zu den Sängern zählen Frauke Walder, Marcella Burghoff mit Tochter Lia (4), Lena (12) und Leia (13). Sie bilden eine von insgesamt vier Gruppen, die am Samstag im Ortsgebiet Herweg von Haus zu Haus ziehen und die Advents- und Weihnachtszeit einläuten.

Den Brauch des Adventssingens gibt es in Herweg schon seit etwa 50 Jahren. Wann genau er entstanden ist, daran können sich selbst die älteren Anwohner nicht mehr so genau erinnern. „Wir sind früher selbst mitgegangen, da hieß es noch Lauten- später Gitarrenchor“, berichten Martha und Friedel Walder. Oft habe ein Tag nicht ausgereicht, um alle zu besuchen. „Der Hals tat dann vom Singen und die Finger vom Gitarrespielen weh“, erinnert sich Martha Walder lachend. Mittlerweile gibt es weniger ältere Anwohner, da einige verstorben und andere weggezogen sind. Neue Häuser werden dort kaum gebaut.

Das Adventssingen hat in Herweg ebenso Tradition wie das Geburtstagssingen bei Gemeindemitgliedern ab dem 80. Lebensjahr. Am Samstag vor dem ersten Advent kommen auch schon 75-Jährige in den Genuss eines Besuchs. „Es ist Gemeindearbeit“, erklärt Frauke Walder. Daher beteiligen sich auch Gemeindemitglieder am Adventssingen, die nicht in Herweg wohnen, so wie Marcella Burghoff. „Wir wohnen in Scheideweg, ich bin aber hier aufgewachsen“, sagt die junge Mutter. Lena und Leia haben nur über Freunde Bezug zu der Außenort­schaft von Hückeswagen. „Außerdem singen wir gerne“, begründen die Jugendlichen ihr Engagement.

Zum Abschied überreicht Lia dem Ehepaar Walder noch selbst gebastelte Karten mit einem kunstvoll gefalteten Filzweihnachtsbaum als Andenken. „Wir bringen jedes Jahr ein Geschenk mit. Zum Basteln haben wir uns am ersten November getroffen“, berichtet Frauke Walder.

Dass die Tradition fortgesetzt wird, freut auch Anwohnerin Ruth vom Stein. Es dauert eine Zeit, bis die 91-Jährige mit ihrem Rollator den Adventssingern die Tür öffnet. Auch sie hat den Besuch schon erwartet und Schokolade, Mandarinen und Weintrauben auf dem Wohnzimmertisch bereitgestellt. „Viele warten schon darauf und halten sich diesen Tag frei“, sagt Frauke Walder.

„Macht hoch die Tür“ und „Wir sagen euch an den lieben Advent“, singt die Gruppe mit Gitarrenbegleitung. „Das ist sehr schön“, freut sich die 91-Jährige über die Musik in ihrer Stube. Sie selbst erinnert sich noch gut an die Zeit, wo sie selbst mit dem Lautenchor von Haus zu Haus gezogen ist. „Wir sind manchmal durch den hohen Schnee gestapft, denn es gab noch kaum Autos und die Straßen waren noch nicht so gut ausgebaut wie heute“, berichtet Ruth vom Stein.

Insgesamt sind 18 große und kleine Sänger unterwegs, um 23 Gemeindemitglieder in Herweg – von Pleuse bis Wüste, von Marke bis Siepersbever und von Kormannshausen bis Karrenstein zu besuchen. Das Geld, was dabei gesammelt wird, ist für „Zukunft Jugend“ bestimmt – ein engagierter Förderverein, der die Kinder- und Jugendarbeit in der evangelischen Kirche unterstützt.