Hückeswagen: Abschied vom Gemeindehaus?

Hückeswagen : Abschied vom Gemeindehaus?

Trennt sich die Evangelische Kirchengemeinde von ihrem Gemeindehaus in Herweg? Entsprechende Pläne wurden bei der Gemeindeversammlung bekannt. Investiert werden soll aber in die beiden Gemeindezentren.

Betretenes Schweigen herrschte am Mittwochabend für kurze Zeit unter den knapp 50 Teilnehmern der Gemeindeversammlung. Der Grund war ein Satz von Elvira Persian vom Presbyterium: "Wir empfehlen, unser Gemeindehaus in Herweg zeitnah zu verkaufen." Wirklich überrascht waren die Aktiven der Gemeinde jedoch nicht, auch blieben Proteste aus. Denn schon seit längerem ist offenkundig, dass das Haus nur wenig genutzt wird. Pro Monat finden dort ein normaler Gottesdienst, zwei Kindergottesdienste und einige Gruppentreffen statt. Beliebt ist allerdings das Außengelände, das oft für Jugendfreizeiten genutzt wird. "Das Haus kostet uns 14 000 Euro pro Jahr", sagte Persian.

Eine endgültige Entscheidung traf die Versammlung noch nicht. Vorschläge für eine sinnvolle und vor allem kostendeckende Nutzungen seien – auch in letzter Minute – mehr als willkommen, hieß es.

Anbau am Lindenberg

Eine Überraschung war für die Gemeindemitglieder der Vorschlag des Presbyteriums, einen Anbau an das Gemeindezentrum Lindenberg zu errichten. "Hier ist unser Standort, hier wollen wir investieren", kündigte Elvira Persian an. Das in den 60er Jahren erbaute Zentrum soll "fit" gemacht werden für die Zukunft. Zwar biete das Gebäude theoretisch relativ vielen Gruppen Platz, allerdings sei eine parallele Nutzung der Räume schwierig. "Die nachträgliche Installation einer aus unserer Sicht unbedingt notwendigen Schallisolierung ist nur mit einem unverhältnismäßig hohen Aufwand möglich", sagte Kirchbaumeister Martin Kottsieper. Würde die Gemeinde das bestehende Gebäude sanieren und parallel den Anbau errichten, müssten nach ersten Schätzungen 516 000 Euro investiert werden. Eine Sanierung ohne Anbau ist mit 315 000 Euro kalkuliert.

Die Kirchengemeinde macht sich schon seit längerem Gedanken über ihre Immobilien und deren Verwendung. Jüngstes Beispiel ist die Diskussion um das geplante Kolumbarium in der Johanniskirche. Ziel ist es, die Kosten für die Gebäude in den Griff zu bekommen, die Substanz zu erhalten und darüber hinaus ein Nutzungskonzept zu erstellen. Abgesehen vom Gemeindehaus Herweg gibt es zunächst keine weiteren Verkaufspläne, etwa für die Wohnungen der Gemeinde. So existieren Gebäude an der Kölner Straße, der Marktstraße und am Albert-Schweitzer-Weg auf dem Höchsten.

Sanierung plus Anbau prüfen

Ein Meinungsbild am Ende der Versammlung ergab: Das Presbyterium soll die Pläne für die Sanierung mit Anbau am Lindenberg weiter präzisieren. Offen ist auch noch die Finanzierung, die aber dank der Substanzerhaltungsabgabe nicht unmöglich erscheint.

(RP)