Hückeswagen: Abriss von Haus Hartmann hat begonnen

Hückeswagen: Abriss von Haus Hartmann hat begonnen

Die Genehmigung liegt vor, seit vergangener Woche rollt der Bagger an der Schnabelsmühle. Die künftige Eigentümerin Ilse Schnabel hofft, dass sie mit dem Neubau für ein neues Wohn- und Geschäftshaus im Frühjahr beginnen kann.

Rotes Flatterband macht deutlich, dass die großen Abrissarbeiten am Haus Hartmann an der Schnabelsmühle beginnen. Der Bagger ist angerollt. Mit schwerem Gerät wird das Gebäude auf einer Gesamtfläche von etwa 600 Quadratmetern samt ehemaliger Gaststätte in den kommenden Tagen abgerissen und innerhalb von gut einer Woche dem Erdboden gleich gemacht. Bis jedoch alle Materialien abtransportiert sind, wird es zwei bis drei Wochen dauern. Dann entsteht auf dem insgesamt etwa 1800 Quadratmeter großen Grundstück neben dem Sportplatz ein Wohn- und Geschäftshaus mit acht Mietwohnungen sowie Platz für Lager und Büro für die Firma Sanitär und Heizung Schnabel, die ihren Sitz gleich gegenüber hat.

Die Energieversorger haben mittlerweile Strom, Gas und Wasser abgeklemmt (l.). Polier Romano Giacomo arbeitet im Inneren. Foto: joachim rüttgen

Der größte Teil des Hauses stand lange leer, eine Familie hat noch bis Dezember dort gewohnt, die Gaststätte war noch bis Ende September offen. Die künftige Eigentümerin Ilse Schnabel berichtet, dass die Abrissgenehmigung vorliegt. "Jetzt kann es endlich losgehen", sagt sie mit gespanntem Blick auf den Bagger, der im hinteren Bereich des Gebäudes seine Arbeiten beginnt.

Für die 41-Jährige ist es ein besonderer Moment, schließlich steht das Haus seit langem leer. "Und jetzt freuen wir uns einfach darauf, dass hier bald wieder Menschen leben werden", sagt sie. Mit ihrem Mann Uwe wohnt die neue Eigentümerin des 143 Jahre alten Gebäudes nur wenige Meter entfernt. Sie hat es Ende September 2017 über einen Makler erworben, nachdem das Haus bei der für den 22. Februar 2017 angesetzten Zwangsversteigerung durch das Amtsgericht Wipperfürth nicht unter den Hammer gekommen war.

Die Energieversorger haben mittlerweile Strom, Gas und Wasser abgeklemmt, so dass der Abriss vollzogen werden kann. Polier Romano Giacomo von einer Kölner Fachfirma hat das Kommando auf der Baustelle übernommen. "Wir entsorgen erst alles, entkernen das Gebäude und trennen die unterschiedlichen Materialien, die wir finden", sagt er. Dabei stoßen die Arbeiter immer wieder auch auf Schadstoffe, wie zum Beispiel Asbest, "vor allem an der Außenfront gut sichtbar", sagt Ilse Schnabel. Gerade im Inneren des Gebäudes können sich die Abrissarbeiter nur per Hand vorarbeiten, denn der Boden ist für schweres Gerät zu schwach. Zum Vorschein kommen Holz, Styropor, Rigips, Blech, Stahl, Pappe - alles wird gesammelt, die giftigen Stoffe in weißen Säcken gesammelt und verschlossen.

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Die Arbeiter gehen gerade wegen des Asbests nur mit Maske, Anzug und Atemschutz vor. "In so einem alten Gebäude finden sie alles. Da ist alles morsch und verschimmelt", sagt Giacomo. Da habe es keine Alternative zu einem Komplettabriss gegeben. Eine Sanierung wäre seiner Ansicht nach teurer geworden als ein Neubau. Ilse Schnabel erwartet beim Abriss aber keine großen Überraschungen. Im Vorfeld hat die 41-Jährige von Fachleuten stichprobenartige Probebohrungen machen lassen, um zu prüfen, was sich hinter der Verkleidung so alles befindet.

Auch auf dem Dach gehen die Arbeiter per Hand vor, um die Fassade zu lösen und getrennt zu entsorgen. Ein Schild an der Straße warnt: "Achtung Dacharbeit!" Derweil ist die Architektin der neuen Eigentümerin damit beschäftigt, den Antrag für die Baugenehmigung vorzubereiten. "Wir rechnen da mit etwa zwei Monaten, so dass wir mit dem Neubau hoffentlich im Frühjahr beginnen können", sagt sie. Die Bauzeit gibt Ilse Schnabel mit etwa anderthalb Jahren an - das sei natürlich davon abhängig, wie die einzelnen Gewerke arbeiten. In dem neuen Gebäude entstehen acht Wohnungen zwischen 80 und 120 Quadratmeter. Ein Lokal wird es künftig nicht mehr geben. "Wir haben die Argumente abgewogen und uns aus einem Bauchgefühl heraus gegen eine Gaststätte entschieden", sagte Ilse Schnabel.

Die Reaktionen aus der Nachbarschaft auf den Neubau seien durchweg positiv. Es gibt sogar schon eine Warteliste von Interessenten für die Wohnungen, obwohl die Pläne noch gar nicht vorliegen. "Wir sind deshalb guter Dinge und glauben, den richtigen Schritt zu tun", sagt Ilse Schnabel. Sie will sich mit potenziellen künftigen Mietern in Verbindung setzen, sobald die detaillierten Pläne vorliegen.

Schon in den ersten Tagen des Abrisses bleiben immer wieder Passanten stehen und schauen sich die Arbeiten an. "Der Bedarf für solche barrierefreien Wohnungen ist vorhanden", sagt Ilse Schnabel. Die Lage sei gut, die Nähe zur Wupper-Vorsperre ein Vorteil, außerdem halte der Bürgerbus vorm Nachbarhaus. So bestünde auch für ältere Menschen eine gute Anbindung an die Innenstadt. Außerdem werden alle Wohnungen über einen Balkon verfügen.

(RP)