Ansichtssache: Ab jetzt auf den Austausch von Argumenten beschränken

Ansichtssache: Ab jetzt auf den Austausch von Argumenten beschränken

Der Respekt ist in der Diskussion um den Schul-Tausch in Hückeswagen vielfach abhandengekommen. Es wird daher Zeit, sich jetzt - kurz vor und während der Entscheidung - wieder auf ein höfliches Miteinander zu besinnen.

Der Worte in Sachen Schul-Tausch, Bürgerbegehren und Bürgerentscheid sind in den vergangenen Monaten viele gewechselt worden. Teilweise zu viele, weil mitunter auch unverschämte. Beide Seiten haben sich nicht immer mit Ruhm bekleckert. Zu befürchten ist, dass es jetzt, da es in die heiße "Wahlkampf"-Phase vor der Entscheidung geht, nicht weniger wird an gegenseitiger Verunglimpfung.

Mitglieder der Bürgerinitiative und einige ihrer Sympathisanten werfen den Politikern vor allem in den sozialen Medien vor, sich nicht um die Belange der Bürger zu kümmern. Doch was wirklich die Belange der Hückeswagener sind, wird sich am Sonntag, 15. April, gegen 19 Uhr zeigen, wenn das Ergebnis des Bürgerentscheids feststeht. Denn erst dann ist mit Gewissheit zu sagen, ob die Hückeswagener den Neubau der Löwen-Grundschule und den Beibehalt des Realschul-Standorts an der Kölner Straße tatsächlich wollen - oder eben nicht.

Politiker haben schon in der frühen Phase der Diskussion den Hückeswagenern unterstellt, sich mit der Komplexität der Materie nicht auszukennen. Das war arrogant. Das Thema ist zugegebenermaßen nicht ganz einfach, ebenso wenig, wie die richtige Entscheidung zu treffen. Doch den Bürgern pro forma gleich mal Intelligenz abzusprechen, geht ebenso wenig, wie den Politikern fehlende Sachkenntnis vorzuwerfen.

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Beide Seiten sollten sich nun wenigstens in den letzten Tagen vor dem Bürgerentscheid und in der Zeit der Abstimmung auf den reinen Austausch der Argumente beschränken und alles Persönliche außen vor lassen. Denn es steht für Hückeswagen viel mehr auf dem Spiel, als nur die Zukunft der Schullandschaft. Es geht aktuell auch darum, wie die Menschen in der Schloss-Stadt künftig miteinander umgehen. Respekt, wie vom Bürgermeister eingefordert, sollte daher an erster Stelle stehen. Auch wenn der andere eine völlig andere Meinung hat.

Wie ein Miteinander in Hückeswagen funktionieren kann, wurde diese Woche an zwei Beispielen deutlich. Bei der Aktion "Saubere Stadt" etwa nahmen an die 100 Freiwillige teil. Darunter waren erstmals auch die Footballer des ASC Phoenix. Der Verein ist erst seit dem Sommer in der Schloss-Stadt beheimatet. Die Verantwortlichen und Mitglieder sind aber seitdem bemüht, sich hier zu integrieren. Dass die Footballer und Cheerleader nun beim "Frühjahrsputz" von Stadt und Bergischem Abfallwirtschaftsverband dabei waren, zeigt, dass sie sich fürs Gemeinwohl stark machen.

Das andere Beispiel, wie Hückeswagener gemeinsam für etwas kämpfen, ist der Verein für Völkerverständigung, Kunst und Musikkultur. Der hat vorrangig ein Ziel: den Erhalt eines öffentlichen Probenraums auf dem Gelände der ehemaligen Firma Bêché & Grohs. Doch gleichzeitig setzen die Mitglieder auch Zeichen, die heutzutage durchaus nennenswert und vor allem angebracht sind: Niemand soll dort ausgegrenzt werden - egal, welcher Nationalität er ist und welche Sprache er spricht. Diese Haltung zeigt ein starkes Maß an Respekt Menschen gegenüber, die anders sind. Denn sind wir das nicht irgendwie alle?

(büba)