23-jähriger Hückeswagener wird zu einer Geldstrafe von 3600 Euro verurteilt.

Gericht: Anbau von „sauberem“ Cannabis im Schlafzimmer

23-Jähriger zu 3600 Euro Geldstrafe verurteilt.

In seiner Ausbildung zum Landschaftsgärtner war es einem jungen Hückeswagener offenbar erst so richtig bewusst geworden: Wer unbelastete Lebens-und Genussmittel zu sich nehmen will, sollte sie am besten selbst anbauen. „Dann weiß man doch wenigstens, dass die Sachen sauber und frei von Zusatzstoffen sind“: Das sagte der inzwischen 23-Jährige jetzt treuherzig als Angeklagter vor dem Amtsgericht in Wipperfürth aus. Diese Meinung ist natürlich nicht strafbar, der Eigenanbau von gesundem Grünzeug ist es ebenso wenig – es sei denn, es handelt sich bei dem Pflanzgut um illegale Drogen. Genau das war im Fall des gebürtigen Hückeswageners so gewesen. Und deshalb hatte er sich nun vor dem Schöffengericht zu verantworten.

Nachdem er 2016 zu seiner Freundin nach Wipperfürth gezogen war, hatten beide ihr gemeinsames Schlafzimmer auch dazu genutzt, Cannabis-Pflanzen dort wachsen und gedeihen zu lassen. Die Ernte war ihren Aussagen zufolge ausschließlich für den eigenen Bedarf gedacht: „Damit wir für längere Zeit wirklich sauberen Stoff haben“, unterstrich der Angeklagte nochmals auf Nachfragen des Richters. Augenzwinkernder Kommentar des Staatsanwaltes: „Alles klar, Sie mögen es also regional und bio.“

Die gute, weil ergiebige Ernte erwies sich im Nachhinein als schlecht für den Gärtner-Lehrling und seine Freundin. Denn als die Polizei vor nun gut zwei Jahren die Wohnung des jungen Paars durchsuchte, fand sie neben den zarten Pflanzen im Schlafzimmer auch noch im Wohnzimmer über 100 Gramm gebrauchsfertiges Cannabis – und damit eine nach gesetzlicher Definition „nicht geringe Menge“ der illegalen Droge aus eigenem Anbau. Damit drohte beiden eine Verurteilung wegen eines Verbrechens und eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr.

Stattdessen wurde die junge Frau schon vor einiger Zeit zu einer Geldstrafe verurteilt, weil das Gericht von einem „minderschweren Fall“ ausging. So war die juristische Bewertung nun auch im Prozess gegen ihren Freund. Ausschlaggebend war, dass auch ihm der gewerbsmäßige und gewinnbringende Handel mit dem selbst erzeugten Cannabis nicht nachzuweisen war. Darüber hinaus glaubte ihm das Gericht, dass er inzwischen mit Betäubungsmitteln nichts mehr zu tun hat. In seiner Heimatstadt Hückeswagen habe er neue Freunde gefunden: „Die haben mir dabei geholfen, komplett davon wegzukommen.“ Mit der „Null-Lösung“, wie der Vorsitzende Richter das nannte, komme er inzwischen sehr gut zurecht.

Er habe auch wieder Arbeit gefunden, nachdem er die Lehre zum Landschaftsgärtner abgebrochen hatte und hoffe nun darauf, bald eine neue Ausbildung starten zu können. Mit der Freundin von damals ist er immer noch zusammen, das Anpflanzen von Hanf gehöre aber nicht mehr zu den gemeinsam gepflegten Hobbys, beteuerte der 23-Jährige. Die Geschichte dieser „Jugendsünde“ sei nun definitiv abgeschlossen.

Teuer genug wird sie im Nachhinein: Das Gericht verurteilte den Leiharbeiter zu einer Geldstrafe in Höhe von 3600 Euro (90 Tagessätze à 40 Euro). Er nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an, es ist damit rechtskräftig.

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