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20 Jahre Hospizgruppe Hückeswagen: bewegende Lesung, die Mut macht

Hospizgruppe Hückeswagen : Bewegende Lesung, die Mut macht

Im Rahmen der 20-Jahr-Feier der Hospizgruppe berichtete das Ehepaar Shabnam und Wolfgang Arzt aus dem Leben mit seiner todkranken Tochter.

Die Hückeswagener Hospizgruppe „Die Weggefährten“ hat anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens mehrere Veranstaltungen organisiert und über das Jahr verteilt, darunter eine Vernissage, eine Benefiz-Chorkonzert und ein Theaterstück. Für Mittwochabend hatte sie zu einer besonderen Lesung in die Kreuzkirche eingeladen: Das Ehepaar Shabnam und Wolfgang Arzt las aus seinem Buch „Umarmen und loslassen“. Es war ein berührender Abend und eine Mischung aus Lesung, Gespräch und Musik. TV-Moderator Marco Lambardo (“Lokalzeit Bergisches Land“) stellte dem Ehepaar genau die Fragen, die die Zuschauer interessierten. Mit themenbezogenen Liedern sorgte der Moderator und Sänger für kurze Auszeiten, in denen die Zuhörer das Gehörte sacken und auf sich wirken lassen konnten. Die Solinger Autoren berichteten sehr lebensnah und lebendig von ihrer kleinen Tochter – zahlreiche Bilder vermittelten Einblicke in das kurze Leben des kleinen Mädchens.

Zur Geschichte: Nach zwei Fehlgeburten erfährt das Paar im achten Schwangerschaftsmonat, dass ihr Kind vermutlich mit dem schweren Chromosomen-Defekt Trisomie 18 zur Welt kommen und nur wenige Stunden, Tage oder Wochen überleben wird. Doch Jaël wird 13 Jahre alt und prägt auf ihrem Weg alle, die sie kennenlernen, mit ihrer ansteckenden Lebensfreude, ihrer Liebe und dankbaren Haltung zum Leben. Und das, obwohl Jaël weder selbstständig sitzen, stehen, laufen und sprechen noch essen kann. Eine schwere Bürde für die Eltern, für die eine Abtreibung dennoch nicht in Frage kam. „Wir wollten sie kennenlernen, und Jaël hat in den 13 Jahren ihres Lebens die schönste Liebesgeschichte geschrieben. Sie war die Liebe in Person“, versicherte ihre Mutter.

Um die Zeit voll auszukosten, die den Eltern mit ihrem Kind blieb, lehnte das Paar einen Pflegedienst ab. Wohl aber berichten sie in ihrem Buch über die Erfahrungen im Kinderhospiz. Nach 13 intensiven Jahren der Pflege stirbt Jaël im Jahr 2014.

Das Ehepaar Arzt sprach in der Kreuzkirche ganz offen über die „Finalphase“, den Abschied und den Trauerprozess. Es hat sich der Situation angenommen, ohne die Hoffnung und den Glauben an Gott zu verlieren. Diese Botschaft kam auch bei den etwa 40 Zuhörern an. „Ich wollte die Menschen kennenlernen, die dieses Buch geschrieben haben, weil ich mich selbst ein einer ähnlichen Situation befinde“, sagte Petra von Ley aus Dabringhausen.

Shabnam und Wolfgang Arzt haben gelernt, Kraft aus der Situation zu schöpfen, achtsam mit sich selbst umzugehen und dankbar zu sein. „Wir hatten dazu den besten Lehrmeister zu Hause“, sagten die Autoren. Mit der Erfahrung des Loslassens müssen derweil auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Hospizgruppe lernen umzugehen. Dennoch konnten nicht nur sie gute Impulse aus dem sehr persönlichen Erfahrungsbericht des Elternpaars ziehen. Ein gelungener Abend, der betroffen, gleichzeitig aber auch Mut machte.