Hückeswagen: 1700 Kilometer Stromnetz

Hückeswagen : 1700 Kilometer Stromnetz

Mit neuen dezentralen Anlagen für die Energieerzeugung muss das vorhandene Stromnetz erweitert und umgebaut werden. Das stellt Techniker und Planer der Energieversorger vor neue Herausforderungen.

Äußerlich gibt sich Mathias Wiemer von der Bergischen Energie- und Wasser GmbH (BEW) gelassen. Doch wenn der Diplom-Ingenieur an die nächsten Monate denkt, streicht er insgeheim schon mal so manchen Urlaubsplan für sich oder seine Mitarbeiter. Denn auf sie alle wartet 2011 ein Berg von Arbeit: Das Stromnetz befindet sich im Umbruch.

Photovoltaik-Stichtag: 1. Juli 2011

Demnächst werden, wie schon in den Vorjahren, viele kleine und private Anlagen zur Energiegewinnung neu ans Netz gehen. Vor allem im Bereich der Photovoltaik werden Bauherren versuchen, ihre Anlage vor dem 1. Juli 2011 ans Netz zu bekommen. Gelingt das nicht, geht ihnen nämlich aufgrund der jüngst beschlossenen Kürzung von Fördermitteln bares Geld verloren.

Die Infrastruktur der Betreiber, in deren Netz die regenerative Energie eingespeist wird, muss an die Vielzahl der dezentral errichteten neuen, oft sehr kleinen Anlagen angepasst werden. Heißt: Es müssen neue Leitungen verlegt und neue Trafo-Stationen errichtet werden. Die sowieso fälligen regelmäßigen Wartungs- und Erneuerungsarbeiten kommen noch dazu.

Wie die einzelnen Komponenten der Strom-Infrastruktur dimensioniert sein müssen, entscheiden für den heimischen Energieversorger BEW Mathias Wiemer und sein Team. "Wir schauen uns an, wo wir das Netz verstärken müssen. Immer, wenn ein neuer Stromerzeuger ans Netz geht, müssen wir auch neu rechnen", sagt Wiemer.

Um zu verstehen, in welchem Netzumfeld die Techniker der BEW arbeiten, ist die Kenntnis der generellen Struktur des Stromnetzes wichtig. Wiemer erklärt: "In unserem Versorgungsgebiet gibt es drei Umspannwerke — in Wipperfürth am Sonnenweg, in Hückeswagen-Kleineichen und in Wermelskirchen an der Friedrichstraße." In diesen Umspannwerken werden zwei unterschiedliche Spannungsebenen — das Hochspannungsnetz und das Mittelspannungsnetz — verbunden. An den drei genannten Stationen in der Region wird die Hochspannung von 100 000 Volt auf 10 000-Volt-Mittelspannung reduziert.

In der nächsten Stufe kommen Anlagen zum Einsatz, die die Umspannung in die für den Endverbraucher benötigte Niederspannung vornehmen. Sie werden als Transformatoren-Stationen bezeichnet. "Von denen stehen 608 Stück im Versorgungsgebiet", sagt Wiemer.

Die Niederspannungsnetze dienen zur Verteilung der elektrischen Energie an den größten Teil der Endverbraucher, die in der Regel 230-Volt-Niederspannungsgeräte an der Steckdose betreiben. Um Spannungsverluste zu vermeiden, sind Niederspannungsnetze auf einen Bereich von einigen hundert Metern beschränkt.

Aus dem Schrank in den Haushalt

Für den Passanten so gut sichtbar wie die Trafo-Häuschen sind die Kabelverteilerschränke. Von dort aus führen die Stromkabel dann in den Haushalt. Im Versorgungsgebiet der BEW gibt es etwa 1550 dieser Schränke. Insgesamt hat das Stromnetz des heimischen Energieversorgers derzeit eine Länge von zirka 1700 Kilometern..

(RP)
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