14. Juli 1919: Hückeswagen und Neuhückeswagen fusionieren zu einer Stadt

Hückeswagen vor 100 Jahren : Die Fusion von Hückeswagen

Erst seit 1920 gibt es ein Hückeswagen. Zuvor war es aufgeteilt in Stadt- und Landgemeinde, Hückeswagen und Neuhückeswagen. Der Beschluss zur Fusion fiel vor 100 Jahren.

Nichts ist pathetischer als ein Gedicht. Den besten Beweis tritt August Obernier an, der kurz nach zwei wegweisenden und getrennt gefassten Beschlüssen der obersten Gremien von Stadt- und Landgemeinde am 14. Juli 1919 zu Tinte und Feder griff. Er übermittelte dann der Bergischen Landeszeitung ein Gedicht, wo es in einer Strophe heißt: „Die früher auch vereinigt waren, sich trennten dann in später Zeit. Weil einige es fertigbrachten, zu schüren Hader, Zank und Streit“. Obernier, einer der damaligen Honoratioren der Stadt, brachte somit das Lebensgefühl vieler Menschen auf den Punkt, wenn diese auf die getrennte Existenz von Hückeswagen und Neuhückeswagen blickten. Das Gedicht endet fast euphorisch mit den Worten: „So mögen nun in Bruderliebe sie friedlich schaffen Hand in Hand. Zum Segen aller der Bewohner, von Hückeswagen Stadt und Land.“

Um das zu verstehen, bedarf es einen Blick auf die Vorgeschichte. Über Jahrhunderte hinweg unterschied man in Hückeswagen in Freiheit und Kirchspiel. Freiheit nannte man die Häuser rund um das Schloss, also im weitesten Sinne die Altstadt – aus ihr entwuchs die Stadtgemeinde. Das Kirchspiel, die spätere Landgemeinde, waren die Siedlungen und Höfe der unmittelbaren Umgebung. Beide Gebiete waren klar voneinander abgegrenzt.

1807 kam es durch die Franzosen, die kurze Zeit das Sagen im Großherzogtum Berg hatten, zu einer grundlegenden Reform. Es wurde die sogenannte Munizipalverwaltung eingeführt, so dass die Unterschiede zwischen Stadt und Land auf dem Papier entfielen, da die traditionelle Aufteilung in Stände (Klerus, Adel, Bauern und Bürger) aufgelöst wurde.

Als nach 1813 die Regierungsverantwortung in die Hände der Preußen fiel, führten diese 1825 den Provinzial-Landtag (unter anderem für die Rheinprovinz) ein, und es bildeten sich erneut Unterschiede heraus. Während die Stadtgemeinde im Verbund mit anderen Bürgerschaften einen Vertreter in den Stand der Städte wählte, tat selbiges die Landgemeinde für ihren eigenen Stand. Diese Trennung wurde am 15. Mai 1856 mit der Einführung einer Städteordnung und einer Landgemeindeordnung zementiert. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Spezialgemeinde Hückeswagen-Land mit der Stadtgemeinde in einen „Bürgermeisterei-Verbund“.

Die Stadtgemeinde beantragte nun das Ausscheiden aus dieser Gemeinschaft. Dieses und der Umstand, dass man auf dem Provinzial-Landtag im Stand der Städte vertreten sein musste, war Voraussetzung für einen formellen Akt am 14. April 1859. Der preußische Regent verfügte, dass die Stadtgemeinde nun nach der Städteordnung verwaltet werden soll. Aus den Gemeinderäten wurden somit Stadtverordnete, die fortan das Recht hatten, ihren Bürgermeister selbst zu wählen. Die Landgemeinde hatte im Allgemeinen weniger Rechte als eine Stadt, auch hatten sie größere Abgaben zu leisten. 1863 bildete sich dann die Begrifflichkeit Neuhückeswagen heraus.

Noch unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs wuchs 1919 die Erkenntnis, dass eine Einheit sowohl wirtschaftlich als auch verwaltungstechnisch Sinn hat. Letzter Hinderungsgrund war der Umstand, dass es mit Richard Leyhausen und Ludwig van Spankeren zwei Bürgermeister gab, die eine lebenslange Anstellung genossen. Aber auch dafür fand man eine Regelung, und dem Beschluss vom 14. Juli 1919 stand nichts mehr im Weg. Zum 1. März 1920 trat die Vereinigung in Kraft, und es entstand die Stadt Hückeswagen. Nur die Kommunale Gebietsreform 1975 änderte nochmals ein wenig den Zuschnitt.

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