Hückeswagen: 121 Tonnen auf der Straße

Hückeswagen: 121 Tonnen auf der Straße

Der Riesenbagger, der beim Abriss des GBS-Hochhauses an der Wiehagener Straße im Einsatz war, wurde am späten Montagabend abtransportiert. Der Schwertransport, der Richtung Köln aufbrach, wog insgesamt 121 Tonnen.

Als der Bagger im vorigen Sommer an der Wiehagener Straße abgestellt wurde, hatte das von den Anwohnern kaum jemand bemerkt. "Auf einmal stand er da", sagt Petra Mohncke vom Asternweg, die den Abtransport nach fast neun Monaten beobachtet. Dieser erregt deutlich mehr Aufsehen, denn schon im Vorfeld waren entlang der Wiehagener Straße Halteverbotsschilder aufgestellt und die Anwohner über den anstehenden Schwertransport informiert worden.

Bereits am Mittag beginnt die Kölner Firma Colonia mit der aufwändigen Auflade-Prozedur des rund 80 Tonnen schweren Baggers auf den Anhänger. Den Weg von der Baustelle bis zum Transportfahrzeug, das auf dem Asternweg steht, legt das Baufahrzeug auf einem Pfad aus Metallplatten zurück, den der Baggerführer mit dem Greifarm in Position legt. Diese stabile Unterlage verhindert Beschädigungen des Straßenbelags.

Der bereit stehende Spezialtransporter setzt sich zusammen aus einer vierachsigen Zugmaschine und einem Anhänger mit acht Achsen. Gut drei Stunden dauert es, bis der Abrissbagger zwischen Zugmaschine und Anhänger rangiert und vom abgesenkten Tieflader aufgenommen werden kann. Mit Holzbalken wird das schwere Arbeitsgerät in eine sichere Position gebracht und abgestützt, bevor es mit Eisenketten festgezurrt wird.

Schon am Nachmittag kontrolliert die Polizei den Ladevorgang. Der Dienst habende Beamte Klaus Haselhoff und seine Kollegen benötigen eine spezielle Ausbildung, um solche Transporte abzunehmen. Da Schwertransporte nur zwischen 22 und 6 Uhr fahren dürfen, nutzt Lkw-Fahrer Mario Michel die Zeit bis zum Transport für eine Schlafpause in der Fahrerkabine.

Am Abend trifft sein Arbeitskollege Markus Ferber mit dem Begleitfahrzeug ein. Für die Angestellten der Firma Colonia ist der Einsatz reine Routine und keine besondere Herausforderung. Schon im Vorfeld war die Strecke festgelegt und nach Abstimmung verschiedener Behörden (Hückeswagen, Oberbergischer Kreis, Leverkusen, Köln) genehmigt worden.

Eine Stunde vor der Abfahrt kehrt die Polizei zurück und überprüft den Transporter und seine Ladung. Die Beamten bemängeln nicht gekennzeichnete, seitlich überstehende Teile, nicht lesbare, verschmutzte Prüfplaketten der Zugketten und Hydraulikschläuche des Baggers, die per Gurt festgezurrt worden sind, um die genehmigte Höhe von 4,10 Meter nicht zu überschreiten. Die Colonia-Mitarbeiter beheben die Mängel umgehend.

Klaus Haselhoff und Werner Biewald prüfen dann die seitliche Beleuchtung, den Abrieb der Reifen durch das Absenken des Fahrwerks beim Beladen, die Einhaltung der Maße und des Gewichts. "Wir gehen dabei sehr genau vor, denn wir tragen die Verantwortung und haften auch für eventuelle Schäden", stellt Haselhoff klar.

Während die Polizisten noch die Papiere überprüften, versammeln sich immer mehr Anwohner, um das Spektakel zu verfolgen. "Wir haben uns in den vielen Monaten schon an das Riesending gewöhnt", versichern die direkten Nachbarn der Baustelle.

Um 22.20 Uhr setzt sich der 121-Tonnen-Transport in Bewegung und rollt langsam und mit quietschenden Bremsen rückwärts zur Blumenstraße hinunter. Zwei Polizeifahrzeuge fahren voraus und sperren die große Kreuzung August-Lütgenau- /Wiehagener Straße ab.

Die Fahrtroute des 4,10 Meter breiten und 29 Meter langen Schwertransports führt später über die B 237 Richtung Wermelskirchen, wo Polizeikollegen aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis den Begleitschutz übernehmen. Wegen diversen Baustellen und Brückenauflagen auf der A 1 kann die Autobahn erst ab Leverkusen genutzt werden, bevor der Riesenbagger in Köln wieder abgeladen wird. Da sind die Wiehagener längst im Bett.

(RP)