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100 Jahre Pflitsch, Unternehmen aus Hückeswagen - die Kabelverschraubung

100 Jahre Pflitsch : Die Mutter der modernen Kabelverschraubung

Mit einem Gummiring begann in den 50er Jahren die weltweite Erfolgsgeschichte der Hückeswagener Firma Pflitsch. Das Produkt gibt es heute in 7000 kombinierbaren Einzelteilen.

Rosario Li Pira kennt sich mit der „Mutter der modernen Kabelverschraubung“ ganz genau aus. Der Hückeswagener ist seit 27 Jahren bei der Firma Pflitsch beschäftigt. Nach der Lehre in der Drehtechnologie studierte er Maschinenbau und ist bei Pflitsch nach Stationen im Kabelkanal, der Messekoordination und Kundenbetreuung seit vielen Jahren im Produktmanagement tätig. Er weiß genau, was das Besondere an dieser Erfindung ist: „Der Gummiring in der Kabelverschraubung ersetzte in den 50er Jahren den bis dahin üblichen Kitt. Beim Anziehen einer Überwurfmutter wird der Ring gequetscht und dichtet das Kabel ab – das ist im Maschinenbau von größter Bedeutung“, betont Li Pira. Denn schließlich würde durch eine nicht vorhandene Dichtung eindringendes Wasser in der Maschine unter Umständen einen Defekt auslösen, so dass Ausfälle in der Produktion das Ergebnis wären. „Das Urmodell dieser Kabelverschraubung ist von Otto Pflitsch, dem Sohn des Firmengründers Ernst Pflitsch, entwickelt worden. Die ‚Opeco‘ genannte Verschraubung wurde schnell zum Erfolg“, sagt Li Pira.

Diese Kabelverschraubungen gehören bis heute zu den wichtigsten Produkten im Portfolio von Pflitsch. „Wir haben das seit den 60er Jahren stetig weiterentwickelt und verbessert“, erläutert Li Pira. Das Besondere daran sei, dass die Kabelverschraubungen praktisch unbegrenzt in allen möglichen Größen und Formen anwendbar seien. „Wir haben im Moment mehr als 7000 Einzelteile, die miteinander kombinierbar sind. Wir geben uns nicht mit dem Status Quo zufrieden, sondern entwickeln das Produkt immer weiter.“ Besonders sei dabei die enorm große Bandbreite der Kabel. „Von Kabelverschraubungen für Sensoren, die einen Durchmesser von 1,6 Millimeter haben, bis hin zu dicken Kabeln mit einem Durchmesser von 110 Millimetern bieten wir alles an“, sagt der Produktmanager.

Spezielle Kundenwünsche seien dabei eine Herausforderung für die Produktentwickler. „Wir bieten schon mit unserem Standardbaukasten Sonderlösungen an. Aber wenn ein Kunde etwas ganz Spezielles wünscht, bekommt er auch das.“, Das sei ein über die Jahrzehnte erarbeiteter Ruf, der verpflichte.

Die Kabelverschraubungen des Systems UNI Dicht wurde unter der Patentnummer 1263134 vor gut 50 Jahren geschützt. Dadurch konnte sich die „Mutter der modernen Kabelverschraubung“ von der Schloss-Stadt auf der ganzen Welt verbreiten. „Der besondere Clou unserer Kabelverschraubung ist, dass sich der abdichtende Gummiring beim Festziehen der Druckschraube schonend und großflächig um das Kabel legt. Das Prinzip der ‚weichen Quetschung‘ ist einzigartig“, erläutert Li Pira. Denn so könnten Beschädigungen des Kabels auch bei hoher mechanischer Beanspruchung weitgehend vermieden werden.

Größenvergleich der größten (110 Millimeter Durchmesser) und der kleinsten Pflitsch-Verschraubungen (1,6 Millimeter). Foto: Pflitsch

Der Einsatzbereich der Pflitsch-Entwicklung ist dabei vielfältig. „Sie werden im Pharmabereich genauso eingesetzt wie in der Lebensmittelindustrie. Auch die Feuerwehr ist ein Abnehmer“, sagt Li Pira. Natürlich werden die Kabelverschraubungen des Hückeswagener Unternehmens auch im Maschinenbau eingesetzt – eben überall da, wo Kabel verwendet werden. „Die Produktionsanlagen der Automobilindustrie gehören ebenfalls zu unseren Kunden. Aber auch verstärkt die Bahnindustrie.“ Da sei man stark gefordert, gerade im schnell fahrenden Fernverkehr. „Kurz gesagt werden unsere Kabelverschraubungen überall dort eingesetzt, wo Staub und Schmutz den Maschinen zusetzen können, wo Zugentlastung notwendig ist und das Eindringen von Feuchtigkeit verhindert werden muss“, fasst der Produktmanager zusammen.

Auch in Zukunft sei ein Ende der Weiterentwicklung der „Mutter der modernen Kabelverschaubung“ nicht absehbar. „Wir erweitern das System UNI Dicht nicht nur wegen der sich verändernden Normen, sondern auch, weil der Markt ständig neue Werkstoffe und eine beständige Miniaturisierung der Maschinen präsentiert“, betont der Pflitsch-Mitarbeiter. Dabei komme es dann durchaus vor, dass eine Sonderentwicklung für einen Kunden sich nur wenige Zeit später als reguläre Produktvariante im Katalog wiederfinde.