100 Jahre Pflitsch - im wahren Sinne des Wortes ein Familien-Unternehmen

100 Jahre Pflitsch : Im wahren Sinne des Wortes ein Familien-Unternehmen

Die Hertie-Stiftung zeichnete Pflitsch als vorbildhaftes Unternehmen aus, bei dem Beruf und Familie im Einklang sind. Ein engagiertes und geschultes Team aus Mitarbeitern gibt Hilfestellung – auch bei privaten Notsituationen.

Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren, ist nicht immer leicht. Was tun, wenn das Kind krank ist oder in den Schulferien betreut werden muss? Die Firma Pflitsch überrascht hier mit proaktiven Ideen und beispielhaftem Engagement. Das inhabergeführte Unternehmen in der vierten Generation, das in 2019 auf seine 100-jährige Geschichte zurückblicken kann, pflegt nicht nur einen familiären Umgang mit flachen Hierarchien, direktem Zugang zu den Vorgesetzten und abteilungsübergreifender Kommunikation. Das Hückeswagener Unternehmen ist auch besonders familienfreundlich – und das mit Zertifikat. 2005 zeichnete die Hertie-Stiftung Pflitsch erstmals als vorbildhaftes Unternehmen aus, bei dem Beruf und Familie im Einklang sind. Nach fünf Rezertifizierungen, die im dreijährigen Turnus umfangreiche Dokumentationen und Überprüfungen erfordern, erhielt Pflitsch diese Auszeichnung nun dauerhaft.

Besonders stolz darauf ist Tanja Lilkendey, die seit 17 Jahren das Team „Familie & Beruf“ leitet. 2004 gründete sich das auf Initiative des damaligen Firmeninhabers Harald Pflitsch, und mehr als 20 Mitarbeiter ließen sich in Workshops zum Thema schulen. „Die Familienfreundlichkeit war aber auch schon vorher ein großes Anliegen“, berichtet die Export-Mitarbeiterin, die Ansprechpartnerin bei familiären Notsituationen ist. Durch speziell zugeschnittene Arbeitszeitmodelle, die Arbeit im Home-Office oder Zuschüsse zur Kinderbetreuung wird den Mitarbeitern der Einstieg nach der Elternzeit erleichtert. Und das betrifft nicht nur die Frauen. „Die Elternteilzeit wird zu 90 Prozent von den Vätern in Anspruch genommen“, berichtet Tanja Lilkendey von ihren Erfahrungen aus den vorherigen Jahren. Regelmäßig bezuschusst Pflitsch während der Ferienzeit, wenn Mama und Papa keinen Urlaub nehmen können, Freizeitangebote der umliegenden Städte oder von ausgesuchten Veranstaltern.

Das Ergebnis dieser familienfreundlichen Unternehmensführung spiegelt sich unter anderem in einer geringen Fluktuation wider: So arbeiten oft Familienangehörige über Generationen hinweg bei Pflitsch. Viele haben eine fundierte Ausbildung bekommen und bleiben mit ihrem ganzen Wissen bis zur Rente im Unternehmen. Mütter steigen nach der Geburt ihrer Kinder oft schneller wieder ins Berufsleben ein. Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit beträgt über alle Mitarbeiter gerechnet zehn Jahre. Die Fluktuationsquote betrug im Jahr 2017 nur rund ein Prozent. Gut 60 Prozent der Mitarbeitenden kommen zudem aus dem direkten Umland von Hückeswagen – das ist echte regionale Verwurzelung.

Die Angehörigen werden so oft wie möglich mit einbezogen. So findet alle drei Jahre ein großes Familienfest auf dem Werksgelände an der Wupper statt, bei dem die Kinder mit einem speziellen Programm ebenso auf ihre Kosten kommen wie die Erwachsenen. Jedes Jahr zu Ostern gibt es zudem für die Kleinsten eine große Ostereiersuche in den Grünanlagen, dann können sie auch den Arbeitsplatz der Eltern besichtigen. „Die Kinder können sehen, wo Mama oder Papa arbeiten“, sagt Tanja Lilkendey. Und vielleicht zählen sie eines Tages zu den jährlich 25 Auszubildenden, die bei Pflitsch eine hochqualifizierte Ausbildung absolvieren.

Als Pflitsch vor 100 Jahren gegründet wurde, war es in vielen kleineren Unternehmen eine Selbstverständlichkeit, das Wohl der Mitarbeiter im Blick zu haben. Im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung und der Effizienzsteigerung blieb davon kaum etwas übrig. Für Pflitsch steht die „Corporate Social Responsibility“ – also die unternehmerische Sozial- und Gesellschaftsverantwortung – im Fokus, trotz und gerade aufgrund des enormen Wachstums auf mittlerweile rund 300 Mitarbeiter.

Die soziale Verantwortung, die weit über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinausgeht, ist bei Pflitsch tief verankert. Der Leitspruch, der die Firma bis heute prägt, lautet: „Wenn es der Firma gut geht, soll es auch den Mitarbeitern gut gehen.“ Gerade in Zeiten des Facharbeitermangels und anspruchsvoller Bewerber werden die „weichen Faktoren“ für Unternehmen und ihr Image zunehmend entscheidend. „Das Thema wird oft schon von den Bewerbern selbst angesprochen und hat hohe Priorität“, versichert Tanja Lilkendey, die schon vielen Familien helfen konnte. „Für uns ist es eine Herzensangelegenheit“, fügt die 35-Jährige hinzu.

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