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Zum Gedenktag: Fünf Schicksale von NS-Opfern aus Hückelhoven

Besondere Aktion anlässlich des Gedenktages : Fünf Schicksale von NS-Opfern aus Hückelhoven

Am Friedenspfahl werden anlässlich des Gedenktages am Donnerstagvormittag, 27. Januar, exemplarisch die Geschichten von fünf Hückelhovenern zu lesen sein, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden.

Am 27. Januar jährt sich der Tag, an dem die Soldaten der Roten Armee die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befreit haben. Vor 77 Jahren erreichten die sowjetischen Soldaten das größte Vernichtungslager des Nazi-Regimes. Im Jahre 1996 hat der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus eingeführt. Es gehe darum, aus der Erinnerung immer wieder lebendige Zukunft werden zu lassen, hatte Herzig in seiner Rede gesagt. „Wir wollen nicht unser Entsetzen konservieren. Wir wollen Lehren ziehen, die auch die künftigen Generationen als Orientierung verstehen.“

Schon im darauffolgenden Jahr hatten in Hückelhoven die beiden christlichen Kirchen und Pax Christi, der internationalen katholischen Friedensbewegung, zu einer Gedenkveranstaltung eingeladen. Seitdem sei es  in Hückelhoven guter Brauch, mit dem 27. Januar die Erinnerung an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft aufrecht zu erhalten, um damit eine Hilfe gegen das Vergessen zu geben und so dazu beizutragen, dass sich die Schrecken der Vergangenheit nicht wiederholen, betont Hans-Jürgen Knubben, Sprecher von Pax Christi.

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Im vergangenen Jahr musste dieser Gedenktag bereits wegen der Pandemie ausfallen und wurde digital durchgeführt, auch in diesem Jahr muss ein anderer Weg gefunden werden. Daher möchte Pax Christi exemplarisch an fünf Personen aus Hückelhoven erinnern, die Opfer der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft geworden sind. Die Texte mit weiterführenden Informationen zu den fünf Personen sollen am Donnerstagmorgen am Friedenspfahl in Hückelhoven angebracht werden.

Eine von ihnen ist die 1916 geborene Cornelia Delbressine, die in Doveren auf der heutigen Provinzialstraße lebte. Als sie von einem polnischen Zwangsarbeiter etwas Entenfutter im Tausch gegen eine Flasche Schnaps haben wollte, wurde sie daraufhin verhaftet. Im Alter von 87 Jahren gab sie der Geschichtswerkstatt Stadt Wandel Hückelhoven ein Interview über ihre Inhaftierung 1941 und ihren Lageraufenthalt in Ravensbrück und Siemensstadt-Oranienburg.

Julius Hermanns eröffnete mit seinem Bruder 1927 ein Textilwarengeschäft in Mönchengladbach. Später zogen sie damit nach Hückelhoven auf die heutige Mokwastraße. 1936 wegen „Rassenschande“ verurteilt, war er in Dachau und Buchenwald bis Mitte 1939 inhaftiert. Unter der Bedingung, sofort zu emigrieren, wurde er freigelassen. Sein Ziel: Kuba. Das Schiff, mit dem Julius Hermanns hofft, in die Freiheit zu reisen, erlangte traurige Berühmtheit. Die St. Louis fuhr am 13. Mai 1939 von Hamburg nach Kuba. An Bord 930 jüdische Flüchtlinge aus Europa. In Kuba wurden allerdings nur 28 Visa für gültig erklärt, der Rest der Menschen musste zurück nach Europa. Über Frankreich wurde Hermanns 1942 schließlich nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Ernst Mokwa kam aus Oberschlesien über Gelsenkirchen nach Hückelhoven. Dort war er ein sehr engagiertes SPD-Mitglied, Betriebsrat, Knappschaftsältester und in der Arbeiterwohlfahrt aktiv. Sein Sohn Ernst Junior berichtete aus den Erzählungen seiner Mutter, dass Mokwa zwar noch bis 1943 an der Zeche beschäftigt war, von SA-Leuten allerdings regelmäßig verprügelt wurde. 1943 wurde er vom Ortspolizisten verhaftet, er wurde nach Köln gebracht, wo er wenig später ermordet wurde.

Max-Willi Schade war lange Zeit Betriebsratsvorsitzender des Steinkohlenbergwerks Sophia-Jacoba. Als Mitglied der KPD wurde er ein Opfer der Nazi-Diktatur. Bereits 1933 verhaftet, verbrachte er zwei Jahre in einem Konzentrationslager. Danach musste er sich regelmäßig bei der Polizei in Hückelhoven melden. Er starb 1944 im KZ in Düsseldorf.

Friedrich Dinstühler wurde im Jahr 1934 Rektor der neuerrichteten Pfarrei St. Barbara in Hückelhoven. Als im Herbst 1944 die Front immer näher rückte, waren die Bewohner Hückelhovens evakuiert worden. Einzig die noch arbeitenden Bergleute waren zurückgeblieben. Für Dinstühler stand fest, dass er seine Gläubigen nicht allein lassen wollte. Im Gespräch mit einem Mit-Bruder äußerte er sich kritisch gegenüber dem NS-Regime – und wurde von ihm verraten. Er wurde in das KZ Buchenwald gebracht. Von hier ging es in das Außenlager Ohrdruf, wo er aufgrund der körperlich schweren Arbeiten verstarb.