Hückelhoven Wo Zirkus-Tiger gern baden gehen

Hückelhoven · Der Zirkus Altoff-Köllner gastiert in Hückelhoven. Morgen findet die festliche Premiere statt. Bis dahin ist noch viel zu tun. Der Zirkus gewährte einen Blick hinter die Kulissen, bei dem die RP munter badende Tiger zu sehen bekam.

 Der Tigernachwuchs ist los: Im Zirkus Altoff werden zurzeit Caesar, Radscha und Shir Khan (oben), drei acht Monate junge Bengalische Tiger aus einem Wurf, von Giuliano Köllner trainiert.

Der Tigernachwuchs ist los: Im Zirkus Altoff werden zurzeit Caesar, Radscha und Shir Khan (oben), drei acht Monate junge Bengalische Tiger aus einem Wurf, von Giuliano Köllner trainiert.

Foto: JÜRGEN LAASER

Der Pool ist schon ziemlich prima. Jedenfalls scheinen sich die drei Tiger darin wohlzufühlen. Mal liegen sie gemütlich in der Sonne und lassen sich dabei sogar streicheln, mal geht es ab ins Wasser. Die muntere Szenerie spielt sich an Schacht 3 ab. Und nebenan ist das große Zelt auch schon fast fertig, denn morgen ist schließlich die Premiere.

Der Zirkus Altoff-Köllner gastiert in diesen Tagen in Hückelhoven. An der Sophiastraße - eben im Schatten von Schacht 3 - hat sich die große Zirkusfamilie am Montag niedergelassen. Es ist wieder ein Zuhause auf Zeit. Mittendrin ist Liane Köllner. "Wissen Sie, für mich wäre das nicht vorstellbar, in einem Haus zu wohnen. Also an einem festen Standort. Für mich ist das alles hier mein Leben. Das ist zwar mitunter auch hart, aber auch sehr schön", erzählt sie. Das alles - dabei deutet sie auf den Platz des ehemaligen Zechengeländes.

Liane Köllner ist 45 Jahre alt und ein waschechtes Zirkuskind. Früher war sie begeisterte Seiltänzerin, eiferte so ihren Eltern nach. Heute ist sie stolze Mutter von fünf Kindern. Auf die Frage, welche Funktion sie im Zirkusbetrieb ausübt, antwortet sie schnell: "Alles!" Und dann klingelt auch schon ihr Handy. Das waschechte Zirkuskind hat die Lage im Griff, behält den Überblick. Damit ist auch klar, dass sie so etwas wie das "Mädchen für alles" oder eben auch die Chefin ist.

In den vergangenen zehn Jahren sei der Zirkus viel in Ostdeutschland unterwegs gewesen, in dieser Saison steht Nordrhein-Westfalen auf dem Plan. Vor Hückelhoven gastierte der Zirkus in Kempen bei Viersen. "Je kürzer die Fahrtwege sind, desto praktischer ist das. Heutzutage ist das nicht mehr praktikabel, an diesem Wochenende in Hückelhoven zu sein und am nächsten beispielsweise in Süddeutschland", erklärt Liane Köllner. Ihr Team ist 25 Personen stark. Ebenfalls zählen 30 Tiere zum Zirkusensemble. Nicht nur die drei Tiger, auch Pferde, Lamas, Ziegen, Hunde und Dromedare sind mit dabei. Liane Köllner: "Wenn wir an einem neuen Spielort ankommen, werden zuerst die Tiere versorgt. Alles andere kommt danach." Sie weiß gut um die Diskussion, ob es Sinn macht, Tiere in einem Zirkus zu präsentieren. Liane Köllner unterstreicht: "Jeder kann sich vom Zustand unserer Tiere überzeugen. Wir arbeiten eng mit dem Veterinäramt zusammen. Wir erfüllen alle Auflagen. Das ist uns auch wichtig." Dann fällt ihr die Geschichte ein, als ihr Mann und sie irgendwann mal nachts rausmussten, als ein Dromedarbaby geboren wurde. Zuerst nahm die Mutter das Neugeborene nicht an: "Da haben wir stundenlange Arbeit geleistet, ehe die Mutter eine Bindung zu ihrem Baby aufbauen konnte."

Ein Mann kommt unterdessen vorbei, er fragt Liane Köllner nach Karten für die Vorstellungen. Auch hier ist sie schnell bei der Sache und hilft weiter. Dann fällt ihr Blick auf das Zirkuszelt. "Es bietet Platz für 800 Besucher", sagt sie. Zwei Tage dauert es, ehe alles aufgebaut ist. Irgendwie schon eine stramme Leistung.

Aufs Seil geht Liane Köllner heute zwar nicht mehr, aber im Programm mischt sie noch mit. "Ich lass' mich in den Vorstellungen von den Clowns veräppeln", verrät sie schmunzelnd. Und: Ein tolles Artistenprogramm, in dem sogar das Todesrad zum Einsatz kommt, soll das Publikum begeistern. Liane Köllner findet mit ganzem Herzen: "Zirkus - das ist Kultur."

(RP)
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