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Hückelhoven: Wiehe, Wöösche und wehe Buckel

Hückelhoven : Wiehe, Wöösche und wehe Buckel

Die Hilfarther Rurtalkorbmacher waren jetzt fleißig bei der Weidenernte auf ihrem vor einem Jahr angelegten Feld auf dem Gelände des Museums in Hilfarth. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Vorfreude aufs Weidenschälfest im Mai.

Still nahmen die Kätzchen oben hin, was unten kurz über ihren Wurzeln passierte: Mit "de Wiehehieb" schnitten die Männer die langen, schlanken Stangen über dem Boden ab, um sie in "Wöösche" zu binden und mit den Füßen in eine Jahrzehnte alte Zinkwanne zu setzen, wo sie bis zum 7. Mai der Dinge harren, die an diesem Sonntag kommen. Es geht um Weiden, Wiehe, die oben zart-flaumig ausgeschlagen sind als Kätzchen, die unten mit einem äußerst scharfen Kurzhaumesser, Hieb, vom Wurzelstock getrennt werden, um zu einer Art Garbe, Wöösch, gebunden und zur Frischhaltung in Wasser gesetzt werden, um am Weidenschälfest am Sonntag, 7. Mai, von den Schalen befreit zu werden.

Dass sich das Ganze auf dem Gelände der Rurtalkorbmacher in deren Museum in der Nohlmannstraße in Hilfarth abspielt, ist eigentlich schon selbstverständlich. Ein gutes Dutzend Aktive fanden sich zum Weidenschneiden am Samstagmorgen hinter der Vierkanthofanlage, der Erinnerungsstätte an harte Arbeit und gute Geschäfte, ein, um das im Vorjahr angelegte Weidenfeld erstmals "richtig" abzuernten. Denn die erste Ernte eines Felds ist keine ganz richtige, denn die ersten Triebe haben noch nicht die richtige Festigkeit, sind noch nicht ausgewachsen, sind "Schüet", Schüsse, geschossene Weidenstangen.

"Irr könnt mech enns do Buckel erraffrötsche, ech hüer op, mech deet do Buckel wie!" Viel war auf der mehr als 30 Quadratmeter großen Pflanzfläche nicht mehr zu schneiden, als Heinz Hensen sich "met die Hieb" aufrichtete und der schaffenden Gemeinde erklärte: "Ihr könnt mir mal den Buckel runterrutschen, ich hör' auf, mir tut der Buckel weh!" Heinz Hensen gehört wie Peter Wolf und Fred Krings zu der kleinen Gruppe von echten Korbmachern, die den Beruf gelernt haben, allerdings auch das achte Lebensjahrzehnt erreicht und damit manches W(i)ehw(i)ehchen im Knochengerüst davongetragen haben. Alle halten selbstverständlich durch, bis nur noch die Stümpfe aus dem Boden ragen, zuvor haben sich aber einige der jüngeren Leute "met de Hieb" versucht.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen, das Feld, auf Helvether Platt "do Jräng", lässt für den Laien keinen auffälligen Unterschied erkennen. Für die Größen-Sortierung haben die Korbmacher eine ganz einfache Methode: das "Verziehen". Die geschnittenen Weiden werden in einen runden Zinkkübel gestellt, die längsten an der Spitze umfasst und herausgezogen - es bleiben immer die kleinsten übrig. Mit letzteren werden die größeren zu "Wöösche" gebunden und ins Wasser gesetzt, ein ordentliches Bild. Im Wasser schlagen die Weiden wieder Wurzeln und bleiben frisch - beim Schälen verbreitet sich im Mai ein ganz besonderer Duft auf dem Museumshof, ein Zeichen auch für die "weiße Ware", die in Hilfarth seit Generationen produziert wurde und wird. Geschält ist die braune, grüne oder beige Weide weiß, sie wird für die "feineren" Produkte verwendet.

Nach zweieinhalb Stunden ist es geschafft, die Zusammenarbeit der Männer hat Früchte getragen, die Hiebs werden eingepackt, die "Klompen" (Holzschuhe) ausgezogen - es wartet im Museum Hedwig Krings' Frühstück mit belegten Brötchen und Kaffee. Und mit einem Els, auch eine Hilfarther Frucht-Spezialität, ein mit Kräutern aufgesetzter Schnaps - das einzig Bittere an diesem Morgen.

(RP)