Hückelhoven: Von der Geburt des "lecker Männke"

Hückelhoven: Von der Geburt des "lecker Männke"

Viermal volles Haus beim Krippenspiel op Platt des Heimat- und Naturvereins. Der Rittersaal von Haus Blumenthal wurde zum Theaterspielort. Draußen gab's Apfelpunsch, Gebäck, Apfelsaft und andere Naturprodukte.

Die Heiligen Drei Könige sind sich sofort einig: Das Jesuskind, wie es da in der Krippe liegt, ist auf jeden Fall "enn lecker Männke". Für ihre eigenwillige Inszenierung eines Krippenspiels auf Brökeler Platt verlegten die Hobbymimen des Heimat- und Naturvereins die Geburt des Heilands sogar nach Brachelen.

Und ließen dabei für eine Dreiviertelstunde Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit wach werden. Eine Zeit, in der man in dem kleinen Tante-Emma-Laden "Kralle Mamm" einkaufte. Und in der Gastwirtschaft Schebben Bier trank. Doch auf ihrer verzweifelten Suche nach einer einfachen Herberge wurden Maria (gespielt von Angelika Mertens) und Josef (Detlef Schlebusch) an beiden Häusern barsch abgewiesen. Rund sechs Wochen hatten die Laiendarsteller unter der Regie von Dieter Wolff das ungewöhnliche Krippenspiel einstudiert.

Im großen Rittersaal von Haus Blumenthal fanden die Aufführungen statt - alle ausverkauft. Nicht nur Brachelener saßen im Publikum. Auch Auswärtige waren gekommen, "einer sogar aus Hilfarth", wie Regisseur Dieter Wolff augenzwinkernd verriet. In der ehemaligen Wasserburg musste improvisiert werden. Es gibt keine Heizung. Der schwarze Vorhang wurde nach jedem der drei Akte von Helfern zugezogen. Trotzdem: Die Begeisterung war Akteuren wie Zuschauern deutlich anzumerken.

Als Heilige Drei Könige reisten Hedwig Coenen (Kaspar), Michael Küsgens (Melchior) und Udo Schröder (Balthasar) aus dem Morgenland an, um Jesus, Maria und Josef in dem einfachen Stall in Brachelen ihre Aufwartung zu machen. Sogar einen Kasten Bier haben die drei Weisen mitgebracht.

Übersetzt wurde die biblische Geschichte von Gerda Häusler, Karin Zitzen, Gerd Commerscheidt und Heinz Sieberichs. Bei zahlreichen Arbeitstreffen machte sich das Quartett gemeinsam ans Werk, arbeitete in die humorvolle Neufassung spezielle Bachelener Mundart-Ausdrücke wie "Knoschelestrüük" (Stachelbeersträucher) oder "Tödderhoot" (Holzpflock zum Anbinden von Tieren) ein.

Regisseur Wolff, der auch einen der Hirten mimte, und seine Mitspieler wollen auf jeden Fall weitermachen. Im kommenden Jahr soll es wieder eine Theateraufführung des Heimat- und Naturvereins geben. Damit knüpft das engagierte Laienensemble an eine uralte Tradition an. "1869 fand am zweiten Weihnachtsfeiertag die letzte Theateraufführung des Vereins ,Concordia' im alten Rittersaal statt", berichtete Dieter Wolff.

Auch Burgherr Thomas Busch nahm in den Zuschauerreihen Platz. Der dreifache Vater und Finanzberater, der mit seiner Familie in Heinsberg lebt, erbte das altehrwürdige Gemäuer von seinem Vater Josef Busch und möchte es für die Bevölkerung öffnen. Die Gastgeber wollten den Besuchern ein paar stimmungsvolle Stunden in der Adventszeit bieten. Zum Schluss stimmten alle gemeinsam "Zu Bethlehem geboren ist uns ein Kindelein" an, es gab Apfelpunsch und Apfelsaft aus eigener Herstellung (der Verein im Internet: www.heimatverein-brachelen.de).

(cb)