Trinitatiskirche in Hilfarth feiert 60-jähriges Bestehen

Kirchenjubiläum : Trinitatiskirche feiert sechs Jahrzehnte

Mehr als 200 Gläubige und auch die ehemaligen Pfarrer waren nach Hilfarth gekommen, um das Jubiläum des evangelischen Gotteshauses zu feiern: Vor 60 Jahren war die Trinitatiskirche geweiht worden.

„Ohne Kinder wäre diese Kirche nur ein Gebäude!“ Auf das Wesen eines Kirchengebäudes brachte es Irene Schlawin in einem Satz in ihrer Predigt zum 60-jährigen Bestehen des evangelischen Gotteshauses Hilfarth, an dem sie als Pfarrerin bis 2016 genau 28 Jahre gewirkt und gewohnt hat. Bekanntlich hat sie sich einen Wunsch auch ihrer Familie erfüllt und ist in eine Pfarrstelle ins niedersächsische Ganderkesee gewechselt.

Mehr als 200 Gläubige und Gäste konnte das Pfarrerpaar Ute und Gerhard Saß im schlichten Sakralbau aus dem Jahr 1959 begrüßen, dazu eine halbe Hundertschaft an Musikern aus dem Posaunenchor Hilfarth-Schwanenberg, eigentlich eher schon ein Blasorchester, und dem Gospelchor RejoiSing, der 1992 an genau diesem Ort die sangliche Karriere begann. Sie gestalteten den einfachen, dennoch festlichen Gottesdienst mit, ebenso wie Vertreter von Ortsvereinen, die die Fürbitten vortrugen.

Der mehr als 90 Jahre alte Lambert Hensen führt den Ersten Spatenstich zum Bau der evangelischen Kirche in Hilfarth aus – assistiert von Pfarrer Hermann Lenzen. Foto: isp

Die Gedanken seien bei ihren Vorgängern, die die Kirche gebaut hätten, leitete Gerhard Saß das Fest ein, begrüßte neben Irene Schlawin Lambert Hensen, dessen gleichnamiger Großvater als Gemeindeältester 1959 den Ersten Spatenstich für das lang ersehnte Projekt getan hatte. Ihm galt aber auch Dank für die intensive Vorbereitung des Fests, ebenso wie den zahlreichen Helferinnen und Helfern aus den Gruppen der Kirchengemeinde, die Speisen als Mittagstisch und Kuchen vorbereitet hatten und mit diversen Getränken servierten – kostenlos für die Mitfeiernden, die aufgestellten Spendenschweinchen füllten sich allerdings zusehends.

Nach dem norddeutschen „Moin“ als Ganztagsgruß erinnerte Irene Schlawin daran, dass in Hilfarth nach dem Bau der Bergmannssiedlung (mit 468 Wohneinheiten) mit ihrem erheblichen Einwohnerzuwachs 1952 bis 1954 die Notwenigkeit eines evangelischen Gotteshauses immer dringender gesehen wurde, das dann am Flutgraben zwischen Dorf, der neuen Schule und der Siedlung verwirklicht wurde. Bewusst ökonomisch, indem der Kirchenraum auch als Gemeindesaal genutzt werden kann. Das Haus habe zahlreiche Feier- und auch Trauergottesdienste erlebt – und das die ersten zehn Jahre ohne Orgel.

Mit Wolfgang Döring gratulierte ein weiterer ehemaliger Pfarrer zum Geburtstag, der bis 1995 rund 15 Jahre in der Kirchengemeinde tätig war, anschließend 20 Jahre im Aachener Knast, von ihm dort Betreute hatten selbst gefertigte Geschenke mitgegeben, die vor allem an Kranke weitergegeben werden sollen. Schriftlich grüßte das ehemalige Pfarrerpaar Anne und Frank Mischnick aus Köln, die 2015 die Hückelhovener Gemeinde nach 21 Jahren verlassen hatten.

Das Gemeindefest nahm den ganzen Tag ein, Vereine und Gemeinschaften gratulierten mit Geburtstagsständchen, die ihren Abschluss mit einer Andacht fanden, für die Lambert Hensen noch einmal seinen früheren Jugendchor zusammengerufen hatte.

Schon 1533 gab es reformierte Christen in Hilfarth – einen eigenen Kirchenbau dagegen erst seit genau sechs Jahrzehnten, die Trinitatiskirche an der Flutmulde in der Breitestraße wurde im Juni 1959 eingeweiht. Zwei Jahre zuvor hatte den ersten Spatenstich ein Mann vollzogen, der um 1860 geboren war.

Lambert Hensen war der Spatenstecher, der mit mehr als 90 Lebensjahren der älteste Protestant in Hilfarth war, das Dorf im Rurbogen gehörte und gehört zur evangelischen Kirchengemeinde Hückelhoven.

1953 zählte die evangelische Kirchengemeinde Hückelhoven mit den Ortschaften Hilfarth, Kleingladbach, Doveren, Schaufenberg, Houverath und Hückelhoven selbst, 5000 Mitglieder. Durch die Expansion der Zeche Sophia-Jacoba und den Bau der Bergmannssiedlung Hilfarth rechnete man mit dem Zuzug weiterer 1000 protestantischer Christen.

Die Hilfarther Protestanten wollten 1953 schon eine eigene Kirche, dazu gründete sich am 10. Januar bereits ein vorläufiger Bauausschuss, der unter gleichem Datum eine entsprechende Bitte, handschriftlich, an den Vorsitzenden des Presbyteriums, Pfarrer Hermann Lenzen, richtete. Dieser berief für den 17. Januar 1954 eine Gemeindeversammlung in die Gaststätte Martino ein, wo ab sofort auch Gottesdienste stattfanden.

Das neue Kirchengebäude mit Pfarrerwohnung sollte an der Flutmulde Ecke Breite-/Goethestraße entstehen, an der Schnittstelle von Alt- und Neuhilfarth. Monatliche Sammlungen unter den Evangelen legten den finanziellen Grundstock, das Grundstück wurde zwei Jahre später gekauft.

Am 29. Juli 1957 vollzogen Lambert Hensen, mit markantem Spitzbart, und Ehrenkirchmeister Peter Kamp die Ersten Spatenstiche. Am 7. Juni 1959 schloss Pfarrer Lenzen die Tür auf, die Gemeinde in Begleitung des Posaunenchors zog zum Festgottesdienst ein.

Reformatorisch aufgefallen war Hilfarth bereits 1533, als bei einer Kirchenvisitation festgestellt wurde, dass ein Teil der Hilfarther nicht zur Osterkommunion in die katholische Kapelle gekommen war, Verdacht: Anhänger der zu der Zeit in und um Hückelhoven predigenden Reformatoren Heinrich von Tongeren und Johannes Campanus zu sein. Campanus predigte in einem Wäldchen zwischen Hilfarth und Ratheim, heute noch als Campanus-Eiche bekannt.

Der erste namentlich bekannte Reformierte in Hilfarth war Teilnehmer der Reformierten Synode in Linnich vom 23. bis 25. April 1619 und hieß „Jannes von Hilffart“. Hilfarth hatte eigentlich immer mehr Protestanten als Hückelhoven, letzteres wurde Sitz der Gemeinde, weil es Rittersitz der von Olmissen war, die die Prediger stark unterstützten.

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