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Hückelhoven: Textsicher in der Welt der Fantasie

Hückelhoven : Textsicher in der Welt der Fantasie

Eine einsame Prinzessin im Turm, eine böse Stiefmutter, der schmucke Prinz und ein ellenlanger Blondzopf - das sind die Zutaten für das neue Stück, das die Märchenbengel derzeit im Jugendheim St. Lambertus proben.

Elf Meter feinster Organza-Stoff sind ihr ganzer Stolz. Mitspielerin Martha Grüneberg hat ihr daraus einen langen Zopf geflochten. So lang, dass ihre böse Stiefmutter, die Zauberin und Kräuterhexe (gespielt von Gabi Aglan), daran hochklettern kann, um sie mit Nahrung zu versorgen. Und auch der schmucke Prinz (Robin Rongen) zieht sich an Rapunzels Haaren hoch, um die junge Frau, die in einem Turm eingesperrt ist, heimlich zu besuchen.

Mit der Inszenierung des bekannten Gebrüder-Grimm-Klassikers "Rapunzel" entführen die Hückelhovener Märchenbengel wieder einmal in eine fantasievolle Welt voller hübscher Prinzessinnen, Zauberer und Könige, die in einem Schloss wohnen. Und mittendrin sie: Rapunzel, die bis zur dritten Szene als Kind von der 19-jährigen Lourisa Murphy verkörpert wird, danach als junge Frau von Janet Münchs (24).

Geprobt wird immer mittwochabends. Im Flur des katholischen Lambertus-Jugendheims nehmen beide Darstellerinnen auf einem blauen Sofa Platz, um abseits des turbulenten Proben-Abends über die Anforderungen zu sprechen, die Regisseurin Gabi Aglan, die gleichzeitig die Stiefmutter mimt, an sie knüpft. Beide berichten, dass die aktuelle Aufführung Anfang Dezember an eine moderne Neuverfilmung des Märchens angelehnt sei, bei der Rapunzel ihren Prinzen schon im Kindesalter beim Besuch auf dem Schloss kennenlernt.

Der Prinz als kleiner Junge wird von Robin Benke Diaz gespielt. Zusammen mit seiner Mutter Sonia Diaz hat er sich erst vor kurzer Zeit der Laiengruppe aus der ehemaligen Zechenstadt angeschlossen, die es sich seit vielen Jahren zur Aufgabe gemacht hat, kleine und große Märchenfans in der Adventszeit zu erfreuen. "Insgesamt haben wir vier neue Mitspieler", verrät Andrea Peter-Demiroglu, die nicht nur eine der Prinzessinnen am Hofe des Königs ist, sondern auch als Pressesprecherin der Märchenbengel fungiert.

Im Flur des Jugendheims berichtet Lourisa Murphy, die angehende Lehramtsstudentin, die im Oktober ihr Studium in Wuppertal aufnehmen wird, dass auch der ausgeprägte Beschützerinstinkt der Stiefmutter herausgearbeitet werde, die das Mädchen in den türlosen Turm gesperrt habe, um es vor Unheil zu bewahren. Ihren Text lernt Lourisa Murphy, indem sie ihn mittwochabends auf der Jugendheim-Bühne spricht. "Ich habe sowas wie ein fotografisches Gedächtnis. Deshalb muss ich zu Hause fast nichts lernen. Mir reichen die Proben", verrät sie. Janet Münchs, die Erwachsenen-Darstellerin, sagt ihn zu Hause in Geilenkirchen immer wieder laut auf. Die gelernte Bürokauffrau und Marketing-Angestellte weiß schon jetzt - wie ihre Mitspielerin Lourisa Murphy - dass gegen das berühmte Lampenfieber nichts helfen wird, wenn es soweit ist. Nicht mal die leckere Fruchtbowle, die Kulissenbauer Jürgen Gobbers' Ehefrau immer in den Keller-Katakomben - hier ziehen sich die Darsteller um - bereitstellt.

"Man steht aufgeregt hinter dem Vorhang, wartet darauf, dass es endlich losgeht und hat das Gefühl, unbedingt noch mal auf die Toilette zu müssen", so Münchs. Als Erzähler fungiert Joachim Tölle, der den Besuchern unter anderem erklären wird, dass Rapunzel die alte Bezeichnung für Feldsalat ist.

(cb)