Hückelhoven: Sonnenschein und Oldtimer-Glanz

Hückelhoven : Sonnenschein und Oldtimer-Glanz

Die Ruricher Karnevalsgesellschaft "Rurblümchen" hatte wieder zur traditionellen Pfingst-Rallye eingeladen. 130 Freunde nostalgischer Karossen machten sich auf die 113 Kilometer lange Tour, bestaunt von vielen Schaulustigen.

Mit seinem alten Audi wartet er auf das Startsignal. Oliver Müller hat das Seitenfenster runtergekurbelt und erklärt, warum er die Ruricher Pfingst-Rallye so gut findet. "Die Atmosphäre ist einfach toll. Alles ist locker hier." Zum zweiten Mal ist er dabei - und ist der einzige Ruricher unter den 130 Teilnehmern, mit Ehefrau Stefanie neben sich auf dem Beifahrersitz.

In Lindern entdeckte Müller den Wagen, tüftelte dann erstmal fünf Jahre an ihm herum. Jetzt ist er sein ganzer Stolz. "Man fährt noch selber, und es riecht nach Auto." Während Moderator Heinzi Bardohl jeden Oldtimer kurz vorstellt, wartet auch Andreas Schipper aus Wassenberg in seinem knallroten NSU Prinz Baujahr 1964 geduldig darauf, dass es endlich losgeht. Mit an Bord: Ehefrau Bianca und die Söhnchen Leon-Rock (acht Jahre) und Jason-Tiger, der sechs Jahre alt wird - Kindergeburtstag auf der Rückbank.

"Wir haben seine Feier um einen Tag verschoben. Die findet erst Pfingstmontag statt", erklärt sein Vater schmunzelnd. Die vierköpfige Familie hat sichtlich Spaß an der Ruricher Rallye, die die Mitglieder des Karnevalsvereins Rurblümchen nun schon zum fünften Mal ausrichten.

Auf einer Strecke von etwa 113 Kilometern werden die chromblitzenden Schnauferl - zugelassen sind Autos und Motorräder, die mindestens ein Vierteljahrhundert aufweisen können - durch die Kreise Heinsberg und Düren sowie in Richtung Mönchengladbach, Grevenbroich und Bedburg geführt.

Unterwegs warten drei Streckenposten mit kniffligen Fragen auf die Teilnehmer. Welches Auto trug den Beinamen "Leukoplastbomber"? Welches Unternehmen produziert die meisten Reifen? Und wie viele Zündkerzen befinden sich in einem Wankelmotor? Uwe Sentis kennt die richtigen Antworten.

Der Geschäftsführer der rot-weißen KG hat sein provisorisches Organisations-Büro im Ruricher Bürgersaal bezogen. Seit rund drei Jahren steht die Dorfkneipe schon leer, wird nur noch bei besonderen Veranstaltungen von den Karnevalisten in Eigenregie betrieben. So wie heute. Sentis verteilt die Bordbücher mit der Stellenbeschreibung, verwaltet in seinem PC Anmeldelisten und die eingereichten Kurzbeschreibungen der Automobile. Das älteste stammt von 1946. Ein Alvers Sportspecial, 72 Jahre alt. Es gehört Andreas Kupper aus dem benachbarten Brachelen.

Richard Hansen ist der Teilnehmer mit der weitesten Anreise. Aus dem pfälzischen Bann ist er angereist, Sohn Lars begleitet ihn. Sein Fahrzeug: ein Mercedes Pagode aus dem Jahr 1968. Der gebürtige Ruricher, der wie sein Sohn dem Automobilclub "Ritter der Pfahlsrunde" angehört, nutzt die Gelegenheit, seinen alten Heimatort wieder mal zu besuchen. Rund 280 Kilometer hat er dafür zurückgelegt. Auch die 20-jährige Natalie Heymanns erhält einen der begehrten Sonderpreise - Wein und eine schmucke Urkunde. Die Geilenkirchenerin ist die jüngste Teilnehmerin. Begleitet wird sie von ihrem Vater Dirk Heymanns, der den VW Käfer in der Cabrio-Version von 1973 in Holland fand.

"Schöne Aussichten" lautet das beziehungsreiche Motto der sommerlichen Ausfahrt. Am Abend findet die Siegerehrung im Bürgersaal statt. Als ältester Teilnehmer wird der 80-jährige Joseph Gelück aus Eschweiler ausgezeichnet, der mit seinem 1983er Mercedes Benz angereist ist. Den Preis für das schönste Auto erhält Evelyn Burmeister aus Rheinberg für ihre Chevrolet-Corvette aus dem Jahr 1959. Besitzer von Ford Taunus, Porsche Carrera, Lada & Co. lassen den Tag in geselliger Runde gemeinsam ausklingen. Die Liebe zu alten Autos eint sie.

Uwe Sentis bricht sein vorübergehendes Büro in der leerstehenden Gaststätte ab. Bis zur sechsten Auflage der Pfingst-Rallye im nächsten Jahr. Der Organisator ist hochzufrieden. "Angefangen haben wir vor fünf Jahren mit 65 Fahrzeugen", erinnert er sich.

(cb)