Gauklerszenen in Hückelhoven So war das Sommerfest bei den Sternenreitern

Ratheim · In fantasievollen Kostümen saßen die Reitschüler rückwärts auf dem Pferd oder stellten sich auf den Pferderücken und präsentierten die Kunststücke.

 Die Kinder zeigen eine Gauklerszene auf dem Pferd.

Die Kinder zeigen eine Gauklerszene auf dem Pferd.

Foto: Ruth Klapproth

Wer bei Reit-Therapeutin Ruth Adams auf dem Sternenreiter-Hof den Pferde-Führerschein gemacht hat, muss einiges können: den wiehernden Freund sicher führen, ihn dazu bewegen, angstfrei durch einen bunten Flattervorhang zu gehen, die sogenannte freie Arbeit ohne Halfter und Führseil beherrschen.

Diesmal hatten die Gastgeber zu einem ungewöhnlichen Sommerfest eingeladen – ohne Theaterstück. Stattdessen zeigten die Kinder und Jugendlichen auf einem Bodenarbeitsparcours ihr Können. Ruth Adams sprach in der Begrüßung von „schwierigen Bedingungen", die die jungen Reitschüler – die meisten haben körperliche oder geistige Beeinträchtigungen – von einer weiteren märchenhaften Inszenierung abgehalten haben. Stute Alrun ist im Alter von 31 Jahren verstorben, Bella ist schon seit eineinhalb Jahren krank und kann nicht eingesetzt werden. Shetland-Pony Rapunzel ist schon 35. „Sie fehlt uns sehr“, sagt sie. Ruth Adams hat inzwischen zwei neue Pferde gekauft, die aber noch zu frisch dabei sind, um vor Publikum aufzutreten.

Bei freiem Eintritt zeigten die Ratheimer Sternenreiter ihr Können hoch zu Ross. Nach der Parcours-Demonstration präsentierten sie eine bunte Gauklerszene zur Musik des holländischen Liedermachers Herman van Veen. In fantasievollen Kostümen saßen die Reitschüler rückwärts auf dem Pferd, stellten sich auf den Pferderücken oder ließen sogar einen Hula-Hoop-Reifen um die Hüfte kreisen, während der vierbeinige Freund im Schritttempo auf dem Übungsgelände seine Runden drehte, das an diesem Tag zur Bühne wurde.

Zum ersten Mal wurden die Ergebnisse aus dem Hundetraining vorgeführt. Hundesport-Trainerin und Ausbilderin Petra Vosen, die ihre Zöglinge schon bis zur Deutschen Meisterschaft geführt hat, zeigte mit der Kindergruppe, was in den beiden ausgebildeten Therapiehunden Mocca und Pippa steckt. Die Kinder hatten das Duo sogar darauf vorbereitet, durch einen „Feuerreifen" zu springen, der aber lediglich mit Krepppapier umwickelt war. Eigentlich habe man nur dieses kleine Kunststück einstudieren wollen, doch die Kinder hatten so viel Freude, dass sie noch mehr gemacht haben.

Unterstützt wurde die frühere Waldorf-Lehrerin unter anderem von ihrer ständigen Mitarbeiterin Anke Derichs sowie den Kölner Sonderpädagogik-Studentinnen Carolin Friebe und Wiebke Platen. Noch immer leidet der Sternenreiter-Hof unter den Nachwirkungen der jahrelangen Corona-Pandemie. „Wir haben so wenig Praktikanten wie nie", verriet Ruth Adams am Rande der gut besuchten Vorführungen. Nach eineinhalb Stunden zollten die zahlreichen Zuschauer den Kindern und Jugendlichen, Pferden und Ponys viel Applaus. Bei Käse-Häppchen, Kuchen und Saft blieben die Gäste noch lange auf dem Hof.

(dg)