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Schüsse in Hückelhoven: Täter in den Niederlanden festgenommen

Tat im November 2020 : Festnahme nach Schüssen in Hückelhoven

Im November 2020 waren in Hückelhoven ein Vater und seine Tochter bei einem Raub lebensgefährlich angeschossen worden. Nun hat die Polizei in den Niederlanden einen 35-Jährigen verhaftet. Er ist dringend tatverdächtig.

 Kostenpflichtiger Inhalt Die Tat hatte Anfang November 2020 in ganz Hückelhoven für Aufregung gesorgt: Direkt vor ihrem Wohnhaus waren ein 52-jähriger Mann und seine 21 Jahre alte Tochter auf offener Straße von mehreren Unbekannten niedergeschossen worden, die Täter erbeuteten dabei eine hohe Bargeldsumme. Die Täter flüchteten zunächst unerkannt, erst per Auto, dann zu Fuß. Jetzt, mehr als ein Jahr nach der Tat, ist ein 35 Jahre alter Niederländer in der Region Zaanstreek (nördlich von Amsterdam) festgenommen worden und sitzt nun in den Niederlanden in Untersuchungshaft.

Wie die niederländische und deutsche Polizei sowie die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach am Freitag bekanntgegeben haben, ist der Mann dringend tatverdächtig. Ermittelt wird wegen versuchten Mordes. Grenzüberschreitende Ermittlungen hätten dazu geführt, dass der Verdächtige durch Spezialeinsatzkräfte der Politie Nord-Holland in der vergangenen Woche gefasst werden konnte. An der Maßnahme hatten auch Polizeibeamte der Aachener Mordkommission teilgenommen.

Details wollte eine Sprecherin der Aachener Polizei nicht nennen, auch, weil noch mutmaßliche Mittäter des Mannes auf freiem Fuß sind. „Es ist so, dass Spuren, die wir am Tatort gesammelt haben, uns letztendlich auf die Spur des Verdächtigen geführt haben“, sagte die Sprecherin. Die Ermittlungen zu dem Fall würden andauern.

 Auf der Van-Woerden-Straße waren ein 52-Jähriger und eine 21-Jährige von Schüssen getroffen worden.
Auf der Van-Woerden-Straße waren ein 52-Jähriger und eine 21-Jährige von Schüssen getroffen worden. Foto: Uwe Heldens
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Die Tat hatte sich am 1. November, einem Sonntag, am frühen Abend in der Hückelhovener Zechensiedlung auf der Van-Woerden-Straße ereignet. Zeugen wollen drei Personen gesehen haben, die in einem Auto mit niederländischem Kennzeichen den 52-Jährigen überfielen und dabei die hohe Geldsumme erbeuteten. Woher das Geld stammte und woher die Täter wussten, dass das Opfer so viel Bargeld bei sich trug, ist unbekannt. Als seine Tochter dem Mann zur Hilfe kam, fielen die Schüsse, beide Opfer erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Details hatte die Polizei nicht verraten, Augenzeugen vor Ort berichteten allerdings von einem Schuss ins Bein und einem Bauchschuss. Gerüchteweise soll die Tat dem Drogenmillieu zuzuordnen sein. Nachdem die beiden Opfer ins Krankenhaus kamen, waren sie schnell außer Lebensgefahr.

Nach den Schüssen waren die Täter mit ihrem Wagen geflüchtet, allerdings nicht weit gekommen. Wie ein Anwohner berichtete, flüchteten die Täter über die Straße „Am Alten Flöz“ in die Klosterstraße, wo sie in einer scharfen Rechtskurve die Kontrolle verloren und mit einem geparkten BMW kollidierten. Eine Scheibe splitterte, der Wagen war nicht mehr fahrbar, die Täter setzten ihre Flucht allerdings zu Fuß erfolgreich fort. Auf ihrer Flucht sollen die Täter Geld verloren haben. Scheine seien über die Straße geflogen. Zahlreiche Polizeibeamte durchkämmten die ganze Umgebung, auch ein Polizeihubschrauber und Spürhunde kamen zum Einsatz, gefasst werden konnten die Täter allerdings zunächst nicht – auch nicht nach intensiven grenzübergreifenden Fahndungsmaßnahmen. Vermutlich haben nun die Spuren aus dem sichergestellten Auto zur Verhaftung des Verdächtigen geführt.

Die Zechensiedlung diente einst vor allem vielen auf der Zeche Sophia-Jacoba arbeitenden Bergmännern und ihren Familien als Zuhause. Die Van-Woerden-Straße ist geprägt durch ältere Einfamilienhäuser, in denen die Arbeiter einst wohnten, sowie mehrere hinzugekommene Mehrfamilienhäuser.

Die Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität, hier vor allem illegale Einreisen und Drogenhandel, ist in diesem Jahr auch für die Politik stärker in den Fokus gerückt. In einem Brandbrief hatten mehrere CDU-Bundestagsabgeordnete, darunter auch der Heinsberger Wilfried Oellers, im Januar den damaligen Bundesinnenminister Horst Seehofer sowie NRW-Innenminister Herbert Reul aufgefordert, der Kriminalität mit zusätzliche Maßnahmen entgegenzuwirken. Als Folge wird demnächst auch der Kreis Heinsberg einen Bundespolizeistandort erhalten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Schüsse halten Zechensiedlung in Atem