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Ratheim und Wassenberg: So erleben die Jecken die Zugabsagen

Tulpensonntagszüge in Ratheim und Wassenberg ausgefallen : So erlebten die Jecken die Zug-Absagen

Die Tulpensonntagszüge in Ratheim und Wassenberg sind wegen des stürmischen Wetters ausgefallen. Viele Narren waren enttäuscht.

Krisenstimmung bei der Ratheimer KG All onger eene Hoot. Bange Blicke nach draußen, als vor dem Beginn des traditionellen Tulpensonntagszuges starker Regen durch die Straßen peitschte und eine Unwetter- und Sturmwarnung herausgegeben worden war. Gegen elf Uhr – rund zwei Stunden, bevor der närrische Lindwurm starten sollte – dann das endgültige Aus. „Wir folgen schweren Herzens der Empfehlung der Kreispolizeibehörde und des Ordnungsamtes und sagen unseren Zug ab“, erklärte Ramona Fister, die Sitzungspräsidentin der grün-weißen Gesellschaft.

„Der Zug sollte der krönende Abschluss der Karnevalssession sein. Unsere Herzen bluten.“ Schon ab halb acht stand bei Ramona Fister das Telefon nicht mehr still. Unzählige Teilnehmer wollten wissen, ob der große Tulpensonntagszug durch Ratheims Straßen ziehen würde. Der Hoot-Vorstand um den Vorsitzenden Markus Hellmich hatte sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, dann beschlossen: „Sicherheit geht vor.“ Ramona Fister: „Wir hätten gar keinen Versicherungsschutz gehabt, wenn wir trotzdem losgezogen wären. Sowas kann fatal enden, wenn etwas passiert. Dann haftet nämlich der geschäftsführende Vorstand.“

Starke Böen mit bis zu 100 Stundenkilometern waren vorausgesagt worden. Gefeiert wurde trotzdem. Bei freiem Eintritt lud die RKG All onger eene Hoot in ihr großes Partyzelt an der Mühlenstraße ein, wo ein DJ für etwas Stimmung sorgte. Ob der ausgefallene Zug nachgeholt wird, entscheidet der Vorstand auf seiner nächsten Sitzung. Besonders ärgerlich: Das Wurfmaterial ist zum Teil nicht lange haltbar. „Unser Prinzenpaar wollte Gebäck verteilen“, so die Sitzungspräsidentin. „Wir werden überlegen, ob wir das nun an die Tafel oder eine andere Einrichtung spenden.“

Sicherheit geht vor: Kongo-Prinz Hermann Flesch sprach in Wassenberg zu seinem Narrenvolk und erklärte die Zugabsage. Foto: Laaser, Jürgen (jl)

Enttäuschung pur auch im benachbarten Wassenberg. Die Kongolesen wurden gestern ebenfalls Opfer des heftigen Unwetters mit Sturm. Zugleiter Andreas Scheppers sah schon morgens keine Chance für die Wassenberger Jecken. „Wir laufen Gefahr, dass jemandem unterwegs zum Beispiel ein Dachziegel auf den Kopf fallen könnte. Es geht einfach nicht.“ Der Eintritt für die Narren-Sause im Kongo-Festzelt wurde kurzerhand gestrichen – ein kleines Trostpflaster für die traurigen Zugteilnehmer und Zuschauer. Seine Tollität Hermann, Ihre Lieblichkeit Silvia (Ehepaar Flesch) sowie das „Thronfolger-Prinzenpaar“ – Sohn Domenik mit Freundin Anna Przybylski – kommen heute dennoch zum Zuge: Sie haben sich für den Rosenmontagszug der Myhler Sankhasen angemeldet und hoffen nun, dass Petrus ihnen nicht noch einmal einen Strich durch die Rechnung macht.