Partnerstädte von Hückelhoven und Wassenberg Labour gewinnt in Hartlepool und Highworth

Hückelhoven/Wassenberg · In den englischen Partnerstädten hat bei den jüngsten Wahlen die Labour Party dominiert. Unvergessen ist allerdings die Story, wie ein Affe zum Bürgermeister von Hartlepool gewählt wurde.

 Straßenszene im südwestenglischen Highworth, Partnerstadt von Wassenberg.

Straßenszene im südwestenglischen Highworth, Partnerstadt von Wassenberg.

Foto: Stadt Wassenberg

Obwohl sie etwa 90.000 Einwohner hat, ist sie recht unbekannt, auch in Hückelhoven, das mit der nordostenglischen Hafenstadt seit genau 50 Jahren eine Städtepartnerschaft pflegt bezeihungsweise hat, nämlich Hartlepool. Zurzeit ist die frühere Industriestadt auf dem Weg zurück in die politischen Verhältnisse vorheriger Jahrzehnte, nämlich der Labour Party als eindeutig dominierende Kraft. Das zeigten die Kommunalwahlen vor wenigen Tagen, die Conservatives von Premierminister Sunak stürzten krachend ab.

Gewählt wurde kürzlich in zwölf Bezirken Hartlepools zum Stadtrat, davon holte Labour, Schwesterpartei der deutschen SPD, neun, teils mit Zweidrittel-Mehrheit. Da rauschten die Getränke in Kneipen und Arbeiterklubhäusern. Bei der jetzigen Stadtratswahl holten zwei Unabhängige und ein Konservativer die restlichen der 12 Sitze. Mit insgesamt 24 von 36 Mandaten sorgt die Labor-Party 2024 für Verhältnisse wie zu Beginn der Städtepartnerschaft vor 50 Jahren, als beide noch Kohleindustrie-Kommunen waren. In England wird das Mehrheitswahlrecht angewandt, d.h., wer im Wahlkreis die meisten Stimmen hat, ist gewählt, die anderen gehen leer aus, Reservelisten o.ä. gibt’s nicht, scheidet ein Stadtratsmitglied oder Unterhausabgeordneter aus dem Gremium aus, muss neu gewählt werden.

In Wassenbergs Partnerstadt Highworth wurde ebenfalls gewählt, sie gehört zur Großstadt Swindon in Südwest-England, zu dessen Rat 20 von 57 Sitzen neu bestimmt werden mussten – zwei Erdrutsche verzeichnet das Wahlergebnis: Mit 14 Sitzen holte die Labour-Party neun hinzu, die Conservatives verloren neun Sitze und kamen auf lediglich sechs Mandate. Damit hat Labour im Swindon Council, dem Gesamtrat, mit 32 Sitzen eine deutliche absolute Mehrheit nach ihren bereits vorjährigen Zugewinnen.

 3. Mai 2002: Stuart Drummond, o.l., als H’Angus the Monkey, unten, im „Northern Echo“.

3. Mai 2002: Stuart Drummond, o.l., als H’Angus the Monkey, unten, im „Northern Echo“.

Foto: Willi Spichartz

Commonwealth-weite Aufmerksamkeit erlangten Wahlen in Hartlepool 2002 – bei dieser wurde gar ein Affe zum Bürgermeister gewählt, wie damals eine Tageszeitung meldete: „Monkey is Mayor“. Und warum wählte man in Hartlepool einen Affen zum Bürgermeister? Weil er seine Popularität aus einem anderen Genre gezielt im Wahlkampf einsetzen konnte, nämlich dem Fußball. 2002 im Mai war die Bürgermeisterwahl in Hartlepool angesetzt. Beim Vorsitzenden des örtlichen Fußballvereins „Hartlepool United“ (damals 4. Liga), Ken Hodcroft, saß das Maskottchen H’Angus the Monkey und stellte diesem einen Plan vor, wie dem in den mittleren Ligen dümpelnden Kickern zu mehr Popularität verholfen werden konnte, nämlich durch eine eigene Kandidatur.

Als der Klubchef zustimmte, soll etwas Alkohol im Spiel gewesen sein, allerdings verlangte Hodcroft, dass H’Angus nicht als solcher, sondern unter seinem menschlichen Klarnamen Stuart Drummond zur von der Stadt neu geschaffenen Möglichkeit der Direktwahl des Bürgermeisters antreten soll. Die anderen Parteien und deren Kandidaten stießen H‘Angus‘ Ambitionen überrascht-sauer auf, schließlich war der 28-jährige Hochschulabsolvent für Betriebswirtschaftslehre und Fremdsprachen das Maskottchen von Hartlepool United, damit politikfremd, aber eben in den beliebtesten Sport Englands involviert.

In den Wahlkampf brauchte sich Stuart Drummond aka H‘Angus nicht groß reinzuhängen, bei Kandidaten-Diskussionen wurde er außen vor gelassen. Wie das Schweizer Nachrichtenportal „Watson“ und die Berliner Fußballzeitschrift „11Freunde“ berichteten, nutzte Drummond im Ganz-Körper-Affenkostüm als Werbefigur für den Klub schon vorher seine Auftritte comedienhaft bis unter die Gürtellinie zur Begeisterung der United-Fans, auswärts schon mal mit Stadionverbot belegt.

Am Tag nach der Wahl titelte die Zeitung „The Northern Echo“ mit „Monkey is Mayor“ – „Affe ist Bürgermeister“. Great Britain war teils amused. Stuart Drummond war es drei Jahre später wieder – er wurde erneut gewählt. Und noch einmal 2009. Dann war Schluss, nicht weil er nicht mehr gewählt worden wäre – es gab keine Direktwahl mehr. Die etablierten Parteien nahmen per Ratsbeschluss den Einwohnern die Direktwahl aus der Hand. Klappe zu, Affe tot.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort