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Hückelhoven: Neue Wohnformen im Lambertus

Hückelhoven : Neue Wohnformen im Lambertus

Boccia-Bahn und Golf auf den Fluren, individuelle Betreuung für demente Bewohner, eigene Wohnungen für Senioren und Pläne für die Zukunft: Das Lambertus entwickelt sich weg vom Altenheim alter Prägung zum "Quartierszentrum".

"Heute schon einen Profi gesehen?" Das lesen Lambertus-Mitarbeiter, wenn sie auf dem Weg durch den Korridor in den Spiegel blicken, der auf jeder Etage hängt. Nach der Umgestaltung der Einrichtung hängen 25 "Motivations-Bilder" an den Wänden. Auf einem Foto braust eine Oma auf einer flotten Maschine davon: "Schlechter Service treibt jeden Kunden in die Flucht". Und im Büro von Geschäftsführer Marcel Ballas hängt der Spruch "Wenn nicht das gesamte Team gewinnt, gewinnt keiner". Und Ballas ist stolz auf sein Team, die 160 Mitarbeiter. "Alles motivierte, professionelle Kollegen, die das neue Lambertus mit mir aufbauen wollen." Denn das traditionelle Altenheim gibt es nicht mehr. "Wir sehen uns als eine Art soziales Dorf, sind auf dem Weg zum Quartierszentrum", sagt Ballas.

Seit Januar ist die gemeinnützige GmbH Lambertus "Mantel" für fünf Service-Pakete: Stationäre Pflege, Tagespflege, 130 Seniorenwohnungen, ambulante Pflege im Wohnpark sowie die Großküche. Sie bereitet täglich 450 Essen zu, versorgt die Bewohner, liefert rund 160 "Essen auf Rädern" aus, kocht für Kitas, das Kreisgymnasium Heinsberg, seit gestern auch fürs Gymnasium Hückelhoven. Im Restaurant speisen täglich um die 20 Mittagsgäste.

Seit Mai werden drei Wohngruppen ambulant betreut. Jede hat ihren eigenen Gemeinschaftsraum und eine Küche. Demente können sich frei bewegen. Betreuungskräfte bereiten das Frühstück individuell zu, lesen vor, singen oder beten mit Bewohnern, entlasten die Pflegekräfte mit kleineren Aufgaben wie Nagelpflege. Sozialarbeiterin Bärbel Kerler-Streike achtet auf homogene Gruppen: Die Bewohner sollen integriert statt isoliert leben. Für Unterhaltung und Bewegung sorgen die Boccia-Bahn vor dem Airbrush-Bild eines Pariser Bistros oder die Mini-Golfbahn. In eigenen kleinen Wohnungen leben Menschen in einer neuen Wohnform: In zwei Gruppen hat jeder sein eigenes Reich, die Senioren können aber jederzeit auf professionelle Hilfe im Alltag zurückgreifen. "Man lebt mit offener Tür, Interessen finden sich", sagt Marcel Ballas. Mittendrin eine Küche für alle und ein Wohnzimmer. "Wer allein zu Hause hinter den Geranien sitzt, wird schneller pflegebedürftig", ist Ballas überzeugt.

Die Lambertus gGmH plant für die Zukunft. Palliative und gerontopsychiatrische Pflege (lindernde Pflege, wo es keine Heilung gibt, und Betreuung bei psychiatrischen Erkrankungen im Alter) gewinnen an Bedeutung, auch die ambulante und Tagespflege. Konkret verwirklicht Lambertus 2015 zwei Projekte: Im Haus der Caritas, das gerade an der Dinstühlerstraße entsteht, wird eine Tagespflege eingerichtet, eine zweite in Gerderath gebaut. Ein Erweiterungsbau könnte Platz für 20 neue Plätze schaffen. In der Überlegung ist ein Bereich für junge Menschen, die nach einem Unfall oder durch schwere Erkrankungen (ALS, MS, Schlaganfall) Hilfe brauchen.

(RP)