Hückelhoven: Näherinnen gehen gut betucht heim

Hückelhoven: Näherinnen gehen gut betucht heim

Niedliche Tiere, florale Muster, grafisches Design - der Tuchmarkt bot eine unglaubliche Vielfalt an Stoffen.

Sie näht schon seit ihrem 14. Lebensjahr. Ihre Mutter hat es ihr beigebracht. Prüfend lässt Elke Prince die bunten Stoffe durch ihre Finger gleiten. Ein Sommerkleid möchte die Wassenbergerin gern nähen. Zart und duftig soll es aussehen, in Pastelltönen. Und weit soll es sein, richtig weit.

Genaue Vorstellungen hat die 52-Jährige aber noch nicht. Sie nutzt die mittlerweile elfte Auflage des Deutsch-Niederländischen Stoffmarkts, um sich inspirieren zu lassen von der schier unendlichen Auswahl an Farben, Mustern und Materialien. Elke Prince, die sehnsüchtig auf ihr erstes Enkelkind wartet, möchte Tochter Ricarda (27) mit einigen Mini-Jogginghöschen für das kleine Mädchen überraschen, das bald auf die Welt kommen wird.

Zusammen mit ihrer Freundin Christina Honold (25) aus dem Nähkursus der Anton-Heinen-Volkshochschule (VHS), der wöchentlich im Hückelhovener Gymnasium stattfindet und von der diplomierten Bekleidungstechnik-Ingenieurin Britta Kegler-Garcia geleitet wird, hat sie sich zu einem ausgedehnten Bummel von Marktstand zu Marktstand verabredet. Dritte im Bunde ist die 23-jährige Jasmin Laas aus Neu-Immerath, die im Erkelenzer Lambertus-Kindergarten Christina Honolds Arbeitskollegin ist.

Das Hobbyschneiderinnen-Trio ist sofort überwältigt vom farbenprächtigen Angebot auf dem Stoffmarkt zwischen Gymnasium-Komplex und Rathaus. "Völlige Reizüberflutung", sagt Elke Prince verblüfft. Schon nach wenigen Minuten ist sie sicher: Hier wird sie auch die bunten Reste, in Fachkreisen Coupons genannt, finden, die sie zu einer einmaligen Patchwork-Krabbeldecke verarbeiten möchte.

"Richtig klasse ist das hier", erklärt Elke Prince anerkennend. Auf Mallorcas Märkten und in den Webereien wird sie sonst auf der Suche nach schönen Stoffen fündig - hier hält die ausgebildete Entspannungs- und Bewegungstherapeutin regelmäßig ihre Workshops und Seminare. Schnell merkt sie: Hückelhoven kann im Vergleich mit der beliebten Balearen-Insel mithalten; auch hier gibt es ein breites Sortiment, das für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel etwas zu bieten hat.

Am Stand des niederländischen Händlers Colin van Duiven bleiben die drei Frauen kurz stehen. Christina Honold berichtet von ihren ersten Versuchen an der surrenden Nähmaschine. Ein Jahr ist seitdem erst vergangen. Hübsche Kissenbezüge und einfache Taschen entstanden damals unter Anleitung der Kursleiterin Britta Kegler-Garcia. Seitdem hat sich die Erzieherin enorm weiterentwickelt. Ein Kleid ist fast fertig.

Elke Prince empfiehlt, alte Kleidung nicht wegzuwerfen. Verändern lautet ihre Devise. "Jeans lassen sich mit Rüschen oder Spitze toll aufpeppen." Auch Jasmin Laas hat aus Jeans etwas Neues entstehen lassen. Ihre ausrangierte Jeans-Jacke hat die junge Frau mit Bömmelchen sowie einer raffinierten Anrauh-Technik zu einem individuellen Hippie-Unikat umfunktioniert. "Jetzt trage ich sie wieder richtig gern."

Einig sind sich die begeisterten Näherinnen darin, dass ihr Hobby entspannend und auch kreativ ist. "Man vergisst dann alles um sich herum", verrät Jasmin Laas schmunzelnd. "Ich hebe nicht mal das Telefon ab, wenn ich mit Nähen beschäftigt bin." Auch Elke Prince und Christina Honold geht es so.

"Hier stimmt das Preisniveau", meint Elke Prince überzeugt. Christina Honold und Jasmin Laas nicken. In einem großen Kölner Fachgeschäft sowie im Stoffe-Outlet in einer Wickrather Lagerhalle kaufen die befreundeten Erzieherinnen sonst ein. "In Hückelhoven kann man viele Schnäppchen machen, allerdings nicht immer. Es lohnt sich zu vergleichen", fasst Jasmin Laas ihre Eindrücke zusammen. Zum nächsten Stoffmarkt wollen sie wieder in die ehemalige Zechenstadt kommen.

(cb)