Schulbuchverlag Anadolu aus Hückelhoven Mehrsprachigkeit als Exportschlager in die ganze Welt

Hückelhoven/Wassenberg · Im Grenzgebiet zwischen Hückelhoven und Wassenberg hat der Anadolu-Verlag seinen Sitz. Warum mehrsprachige Bücher und Spiele so wichtig sind.

Tolga Celik vom Schulbuchverlag Anadolu.

Tolga Celik vom Schulbuchverlag Anadolu.

Foto: Marvin Wibbeke

„Jede Sprache bedeutet Vielfalt“, sagt Tolga Celik vom Schulbuchverlag Anadolu. Und die wolle man erhalten. Mit diesen wenigen und simplen Worten hat er das Bestreben und die Philosphie des Verlages treffend zusammengefasst.

Die Geschichte des Verlags, der 1977 in Hückelhoven gegründet wurde und seinen Sitz inzwischen auf Wassenberger Stadtgebiet, wenige Meter von Hückelhoven entfernt hat, beginnt eigentlich viel früher. Ahmet Celik, der Vater von Tolga, war 1971 als türkischer Lehrer nach Deutschland gekommen. Erst im Stuttgarter Raum kam er wenig später dann nach Hückelhoven, wo es durch die Zeche Sophia-Jacoba eine größere türkischstämmige Community gab. „Um deren Kinder besser unterrichten zu können, hat er damals ein eigenes Buch geschrieben“, sagt Tolga Celik. Und als das sehr gut angenommen wurde, war die Idee für den eigenen Verlag geboren. „Unser Familienbetrieb ist der erste türkische Schulbuchverlag, der jemals in Deutschland gegründet wurde“, betont Tolga Celik.

Dass Kinder heutzutage mehrsprachig aufwachsen, ist bei Weitem nicht mehr so eine Seltenheit wie noch vor einigen Jahren und Jahrzehnten. Die Welt ist zunehmend internationaler geworden, was sich natürlich auch beim Spracherwerb bemerkbar macht. In den Kindergärten und Schulen treffen Kinder aufeinander, deren Familien aus unterschiedlichen Ländern und Regionen kommen, die unterschiedliche Hintergründe haben und die teilweise eben auch verschiedene Sprachen sprechen. Deutsch ist für sie dann meist eine Fremdsprache, die sie lernen müssen. „Sprache ist ein enorm wichtiger Teil der Integration“, sagt Tolga Celik.

Es gilt als Klischee, dass Kinder in der Lage sind, eine fremde Sprache schneller zu erlernen als Erwachsene. Studien können diese These jedenfalls nicht belegen. Was hingegen gesichert ist, ist die Tatsache, dass Kinder anders lernen als Erwachsene. Dass sich das Gehirn bei Kindern noch entwickle, führe zu einer erhöhten Aufnahmefähigkeit und einer gesteigerten Flexibilität des Gehirns bei Kindern.

Genau da wollen die Verantwortlichen des Anadolu-Verlags mit ihren Produkten ansetzen. Inzwischen ist das Sortiment weitaus breiter aufgestellt, längst sind nicht mehr nur türkischsprachige Bücher und Lehrbücher vorhanden. 16 Sprachen umfasst das Portfolio, dazu zählen auch Englisch, Spanisch, Italienisch, Russisch, Arabisch, Griechisch und Rumänisch. Um einen Wortschatz einer bestimmten Sprache aufzubauen und zu lernen, haben die Verantwortlichen verschiedene Konzepte entwickelt. Da sind unter anderem Memory-Spiele mit einem Bild und dem deutschen Wort sowie der Übersetzung in der jeweiligen Sprache. Auch Wimmelbücher kommen bei den Kindern gut an. Dort wird auf jeder Doppelseite eine Alltagssituation gezeigt, am Rand stehen die Begriffe samt Übersetzung in der jeweiligen Fremdsprache. Für ältere Kinder hingegen gebe es da andere Möglichkeiten, schildert Tolga Celik. „Wir müssen immer schauen, welchen Wortschatz wir abbilden wollen“, sagt er. Bei den älteren Schülern wird in den Büchern beispielsweise schon auf Satzbildung und dergleichen geachtet.

Die Corona-Pandemie hat auch Tolga Celik und den Familienbetrieb hart getroffen. „Am Verlagswesen hängt so vieles dran“, sagt er. Dass der Verlag kürzlich an das Glasfasernetz angeschlossen wurde, mache die tägliche Arbeit deutlich einfacher. Durch die Pandemie sei schließlich vieles digitaler geworden.

Die Bücher, die für den deutschen Markt produziert werden, seien selbstverständlich an den Lehrplan angepasst. Doch auch international seien die Produkte sehr gefragt. „Wir spüren derzeit beispielsweise ein sehr großes Interesse aus Mexiko“, sagt Tolga Celik. Unter anderem seien die Bücher für deutsche Familien interessant, die ihren Lebensmittelpunkt beispielsweise ins spanischsprachige Ausland verlegt haben und den Kindern Deutsch beibringen wollen. „Denn die mehrsprachigen Bücher funktionieren genauso anders herum“, sagt Tolga Celik. Er hofft, dass die Produkte generell mehr im Privaten ankommen und den Familien eine Erleichterung geben.

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