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Hückelhoven: Mehr Gehalt auf Lager für Hückelhovener?

Hückelhoven : Mehr Gehalt auf Lager für Hückelhovener?

Nach dem SPD-Antrag "Joboffensive" legte die Verwaltung eine Analyse der Einkommenssituation in der Stadt vor. Kontroverse Debatte im Rat.

Handlungsbedarf sah die SPD-Ratsfraktion in einer ernüchternden Zahl: Was das verfügbare Einkommen der Einwohner betrifft, rangierte Hückelhoven im Jahr 2011 auf Platz 393 von 396 NRW-Kommunen. Einen Workshop "Joboffensive" beantragte die SPD daher, zuvor sollte die Verwaltung Fakten zur Lage liefern. Eine detailreiche Analyse präsentierte Technischer Beigeordneter Dr. Achim Ortmanns dem Rat am Mittwoch.

"Es geht um das Einkommensniveau der hier gemeldeten Einwohner, nicht um das Lohnniveau der hier angesiedelten Betriebe", stellte Ortmanns vorab klar. Doppelt soviel Auspendler (12 000) fahren auswärts zur Arbeit — die A 46 liegt vor der Tür — wie Arbeitnehmer nach Hückelhoven einpendeln. Innerhalb der Stadt pendeln 6422 Einwohner, die in Hückelhoven arbeiten. Mit diesen Zahlen liegt die Stadt auf statistischen Mittelplätzen. Erstes Fazit, so der Beigeordnete: "Die hiesige Wirtschaft und Wirtschaftsförderung kann das Einkommens-Niveau nur zum Teil beeinflussen." Immerhin seien in den vergangenen zehn Jahren 1200 Arbeitsplätze in der Stadt neu entstanden, plus 1300 Jobs beim Teleshopping-Unternehmen QVC in Baal.

Auf der Suche nach Gründen für die "Ebbe im Portemonnaie" führte Ortmanns die hohe Zahl der Sozialwohnungen an: Rund 1230 dieser öffentlich geförderten Wohnungen machen 6,7 Prozent der Anzahl an Haushalten (18 300) aus. Von rund 40 000 Hückelhovenern erhalten etwa 3600 (neun Prozent) SGB II-Leistungen. Ganze Zechensiedlungen (Wadenberg) seien zudem ehemaliger sozialer Wohnungsbau, bedingt durch die Montanhistorie der Stadt in alter Bausubstanz — man spreche über "60 Quadratmeter auf zwei Etagen ohne Bad und Zentralheizung".

Hierher könne die Stadt keine mittel- bis gut verdienenden Menschen anwerben. Um das Einkommensniveau zu heben, würden attraktive Baugebiete für besser verdienende Familien entwickelt. Altsubstanz gelte es zu verbessern. Ortmanns: "Durch lange Verhandlungen mit den Eigentümern vieler Gebäude am Wadenberg konnte die Verwaltung erreichen, dass der Neubau von etwa 100 Wohneinheiten sowie die Sanierung eines Gebäudekarrees in Planung sind."

These: Das Problem niedriger Einkommen sei kein Thema der Wirtschaftsstruktur, sondern mit Bau- und Sozialstrukturen verbunden. Die Stadt verfüge über eine insgesamt gesunde Struktur von produzierendem Gewerbe mit einer über dem Landesdurchschnitt liegenden Steigerungsrate.

"Sauber auf den Punkt gebracht!", lobte Heinz-Josef Kreutzer (CDU) die Analyse, "Thema verfehlt", schimpfte Jörg Leseberg (SPD): "Es geht nicht darum, die Statistik zu verschönern, indem ich besser Verdienende in neue Wohngebiete locke." Eine Mehrheit fand der Kompromiss-Antrag von Hilde Hecker (FDP): "Pro und contra Workshop" wird im Wirtschaftsförderungsausschuss weiter diskutiert.

(RP)