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Hückelhoven: Matratzenfabrik Houben will sich sanieren

Hückelhoven : Matratzenfabrik Houben will sich sanieren

Eigenverwaltung: Vertriebsoffensive und Investition in Produktentwicklung und Produktion geplant.

Die Matratzenfabrik Houben GmbH aus Hückelhoven will sich im Rahmen einer Eigenverwaltung sanieren und damit präventiv auf die Folgen eines Umsatzeinbruchs vorbereiten. Einem entsprechenden Antrag hat das Amtsgericht Mönchengladbach stattgegeben und die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet.

Nach Paragraf 270 der deutschen Insolvenzordnung kann ein Schuldner "Insolvenzverwalter in eigener Sache" werden mit dem Ziel, das eigene unternehmerische Know-how zur Sanierung zu nutzen. "Der steigende Wettbewerb und Kostendruck durch den Internethandel ist bei unseren Kunden, die klassisch ein Bettengeschäft betreiben, deutlich zu spüren. Bereits heute verzeichnen wir Umsatzrückgänge, die in den nächsten Monaten noch weiter steigen werden. Diese Rückgänge werden wir durch bereits verstärkte Vertriebsaktivitäten im Ausland, Neukundenprogramme, laufende Kosteneinsparungen und Optimierungsmaßnahmen nicht vollständig kompensieren können", erklärte am Mittwoch Geschäftsführerin Manon Spin. Die Matratzenfabrik hat sich daher für eine Sanierung unter Insolvenzschutz entschieden, um das Unternehmen wieder wettbewerbsfähig aufzustellen. Die Matratzenfabrik produziert jährlich rund 100.000 Boxspringbetten und 150.000 Federkern- und Schaummatratzen.

"Wir können alle Aufträge in der gewohnten Qualität umsetzen. Das Unternehmen ist weiterhin vollständig handlungsfähig. Die Mitarbeiter sind hoch motiviert, die aktuelle Auftragslage stützt unseren Optimismus, die angestrebten Ziele, mit deren Umsetzung wir bereits begonnen haben, schnell zu erreichen", bekräftigte Spin. Produktion und Lieferungen an die Kunden laufen ungehindert weiter. Die rund 90 Mitarbeiter wurden über die aktuelle Entwicklung umfassend informiert. Löhne und Gehälter sichert in den ersten drei Monaten des Verfahrens die Agentur für Arbeit.

Mit dem Verfahren nutzt das Unternehmen die Chance, die der Gesetzgeber mit dem ESUG (Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen) vor fünf Jahren geschaffen hat, damit sich Betriebe in schwierigen Situationen wieder neu aufstellen können. Die Unternehmensleitung bleibt in der Eigenverwaltung im Amt und wird die Sanierung selbstständig durchführen. Die Geschäftsführung um Manon Spin und Johan H. Slijkhuis wird bis zur Aufhebung des Verfahrens um Norbert Schröer ergänzt, der auf eine langjährige Sanierungserfahrung zurückblicken kann. Rechtsanwalt und Steuerberater Schröer kommt vom Düsseldorfer Beratungsunternehmen Buchalik Brömmekamp, das die Matratzenfabrik Houben juristisch und betriebswirtschaftlich in der Eigenverwaltung begleitet. Die Unternehmensberatung und Wirtschaftskanzlei hat seit Einführung des neuen Insolvenzrechts über 100 Firmen in einer Eigenverwaltung beraten.

Die Geschäftsleitung wird mit Buchalik Brömmekamp ein Sanierungskonzept erarbeiten, das Maßnahmen zur Entschuldung und Fortführung des Betriebes aufzeigt. Diesem Konzept müssen Gläubiger und Amtsgericht zustimmen.

Der Sanierungsansatz konzentriert sich auf drei Punkte: In einer Vertriebsoffensive sollen mit kundenspezifischen Kollektionen neue Kunden gewonnen werden, um Umsatzschwankungen im klassischen Einzelhandel auszugleichen. Erhebliche Investitionen sind in die Produktentwicklung und Produktion geplant, um den Internethandel der Kunden mit neuen Produkten zu unterstützen. Damit reagiert Houben auf den aufsteigenden Trend im Bereich der Schaummatratzen. Letztlich werden Unternehmensabläufe optimiert. "Das Unternehmen erwirtschaftete in den Vorjahren keine operativen Verluste. Der anstehende Investitionsbedarf kann durch die vorhandenen liquiden Mittel, die durch Altlasten stark belastet sind, nicht gedeckt werden. Durch die Eigenverwaltung kann sich das Unternehmen von diesen Altlasten lösen", so Norbert Schröer.

Als vorläufigen Sachwalter hat das Amtsgericht Mönchengladbach Rechtsanwalt Dr. Biner Bähr, Partner der Kanzlei White & Case Insolvenz GbR, bestellt. "Die Matratzenfabrik Houben ist für das Verfahren sehr gut aufgestellt. Mit der Unterstützung der wichtigsten Kunden und Gläubiger sind wir überzeugt, das Unternehmen nachhaltig zu sanieren", so Dr. Biner Bähr.

(RP)