Hückelhoven: Man trifft sich wieder im "Altmyhl 62"

Hückelhoven : Man trifft sich wieder im "Altmyhl 62"

Eine Fernsehshow konnte den Altmyhler Hof nicht "an die Frau" bringen. Dann sorgte Ulla Markert dafür, dass die Küche nicht kalt bleibt. 2010 wurde modernisiert, und hier wird oft gefeiert - wie auch am heutigen Silvesterabend.

Als Ulla Markert vor fünfeinhalb Jahren die alteingesessene Traditionsgaststätte Altmyhler Hof übernahm und in "Altmyhl 62" umbenannte, war dieser Schritt für sie keineswegs ein Sprung ins kalte Wasser.

Denn die heute 43-Jährige ist "Wiederholungstäterin" - in der Zeit von 1995 bis 2000 führte sie das Lokal schon einmal, damals mit Unterstützung ihrer Eltern. "Das war direkt nach meiner Ausbildung", erinnert sich die gelernte Köchin, die früher als Küchenleiterin im Erkelenzer Johanniter-Stift beschäftigt war.

Als der private TV-Sender Kabel 1 2009 auf den Altmyhler Hof aufmerksam wurde und im Rahmen seines damaligen Formats "Wer wird Wirt?" fragte, moderierte Ulla Markerts Mutter Mechthild Jansen die Show. Als damalige Vorsitzende der Dorfgemeinschaft, des Altmyhler Kapellenvereins und Küsterin war sie bekannt. "Und genau so jemanden suchten die Leute vom Fernsehen damals für die Moderation", so die heutige Wirtin. Doch die Gewinnerinnen schlugen den Gewinn aus. Der Altmyhler Hof blieb leer. "Hinterher stellte sich heraus, dass die beiden Frauen von einer Casting-Agentur geschickt worden waren." Dass Ulla Markert, die damals im Publikum saß und die Moderationen ihrer Mutter verfolgte, die neue, alte Wirtin werden würde, ahnte sie damals selbst noch nicht. Den Senioren ist sie treu geblieben. Sie arbeitet gern mit ihnen zusammen. Bietet Reibekuchenessen für Altenheimbewohner oder Seniorengruppen an. Organisiert gemeinsames Spargelessen, manchmal sogar mit einem Gitarrenspieler, der die Gäste des Altmyhl 62 stimmungsvoll unterhält.

Ihr nächstes Projekt ist ein Witwen-Stammtisch, wie sie schmunzelnd berichtet. Alleinstehende Frauen oder Witwen gibt es genug, findet Ulla Markert. Die will sie nun zusammenbringen bei Kaffee und Kuchen. Wildlachsfilet, deftige Hausmannskost wie Sauerbraten oder Rinderbraten und Ulla Markerts Spezial-Schnitzel mit Tomaten, Sauce Hollandaise, Zwiebeln und überbackenem Käse, serviert mit knusprigen Bratkartoffeln, sind ganz nach dem Geschmack der Gäste.

"Ohne meinen Mann Andreas wäre das alles gar nicht möglich", betont Ulla Markert. Auch Geburtstagsfeiern und andere Familienfeste, Beerdigungskaffees oder Firmenfeste werden hier oft abgehalten. "Wenn es eine schafft, dann du" - mit diesen Worten bestärkte Andreas Markert seine Ehefrau, als sie überlegte, den Schritt in die Selbstständigkeit erneut zu wagen.

Altmyhl 62 läuft gut. Ulla Markert glaubt, dass sie auch vom Kneipensterben im benachbarten Ratheim profitiert. Traditionslokale wie Koake Dei, Hotel Willems und Op d'r Keller gibt es schon lange nicht mehr in Ratheim. Auch die Karnevalisten kommen gern zu ihr. Die Kneipenszene habe sich stark verändert im Laufe der vergangenen Jahrzehnte, hat die Altmyhler Wirtin festgestellt. "Früher traf man sich zum Tuppen oder sonntags zum Frühschoppen. So was gibt es heute gar nicht mehr", hat Ulla Markert festgestellt.

(cb)
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