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MAMA-Farm Ratheim: Tierpatenschaften helfen in der Corona-Krise

Therapieeinrichtung in Ratheim : Tierpatenschaften helfen in der Krise

Die Arbeit in der MAMA-Farm in Hückelhoven-Ratheim zielt darauf, das Selbstwertgefühl und die Selbstwahrnehmung von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Tierpatenschaften und Krisenflohmarkt helfen ihnen durch die Corona-Zeit.

Derzeit hat es die tiergestützte Therapieeinrichtung MAMA-Farm (Mein-Alltag-Mal-Anders) schwer: Aufgrund der geltenden Verordnungen können dort lediglich Einzeltherapien sowie tiergestützte Aktivitäten mit jeweils einem Kind durchgeführt werden. Alle anderen Angebote sind ausgesetzt und die Einnahmen entsprechend weniger geworden. Da die Ponys, Schafe, Hunde, Meerschweinchen, Chinchillas, Hühner und Riesenschnecken aber weiterhin versorgt werden müssen, hat Inhaberin Andrea Becker mit ihren beiden Mitarbeiterinnen Tierpatenschaften ins Leben gerufen. Ebenso gibt es online einen Krisenflohmarkt, dessen Erlös der Einrichtung zugute kommt.

„Vom Grundsatz ist die MAMA-Farm eine tiergestützte Therapieeinrichtung für Kinder und Jugendliche mit Handicaps, von denen viele eine ärztliche Diagnose haben oder sich auf dem Diagnoseweg befinden“, erklärt Andrea Becker, „daraus hat sich vieles mehr entwickelt, da beispielsweise Geschwister ohne Diagnose mitkamen.“ So bietet die Familienpflegerin, die Pflegemanagement studiert hat und ausgebildete tiergestützte Therapeutin ist, Einzeltherapien an. Ziel sei es, sich selber zu finden, Gefühle wahrzunehmen, diese richtig zu deuten und zu lernen, was man mit ihnen macht. Dies gehe in dieser kleinen Konstellation ungestört, berichtet Becker. Und im Umgang mit den Tieren, beim Streicheln und Versorgen, lernten alle jungen Teilnehmer, Rücksicht zu nehmen.

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In der tiergestützten Therapie-Gruppe Starke Kids, die über sechs Monate läuft, erlernen die Teilnehmer darüber hinaus soziale Kompetenzen und bauen ihr Selbstwertgefühl auf, indem sie etwa in Partnerkonstellation Aufgaben lösen. Kinder und Jugendliche mit ADS, ADHS, Autismus sowie emotionalen oder sozialen Schwierigkeiten kommen her, erzählt die junge Frau. Beim Gruppen-Angebot sind zusätzlich ihre zwei Mitarbeiterinnen – eine Studentin der Sozialen Arbeit und eine Bewegungstherapeutin – als Betreuerinnen mit dabei. Für junge Besucher ohne Auffälligkeiten gibt es zudem die Pony-AG sowie die Kleintier-AG, in denen die Tiere versorgt und die Ponys mit Spazieren gehen oder Führparcours bewegt werden. Auch gibt es normalerweise Kindergeburtstage, Ferienspiele und Farmtage.

Das Coronavirus hat den normalen Betrieb allerdings gehörig durcheinander gebracht. „Es läuft nur noch ein Viertel unserer Angebote“, sagt Andrea Becker über die Ausnahmesituation. Dabei würden immunschwache Kinder ebenfalls nicht kommen können. Junge Besucher im Alter ab fünf bis 16 Jahren kommen hier her. Eigentlich waren die Starke-Kids-Gruppen beinahe ausgebucht und ebenso hatten sich für die Osterferien-Zeit bereits viele angemeldet. Jetzt werden erstere verschoben und es wird eine Anmeldeliste für die Sommerferien geführt.

Soforthilfe ist beantragt, steht aber noch aus. Um die Versorgung der Tiere mit Heu, weiterem Futter, Stroh und Tierarzt zusätzlich zu sichern, hat das Team Tierpatenschaften für die Vierbeiner und Riesenschnecken eingerichtet. Mit Beträgen ab fünf, zehn oder 15 Euro tragen Paten die Sorge für „ihr“ Tier mit. Die Beiträge können monatlich per Paypal über die Internetseite der Farm entrichtet werden, jeder Pate erhält eine Urkunde sowie einen wöchentlichen Bericht zur Entwicklung seines Schützlings. Zukünftig werden sie einmal im Jahresquartal beim Patenschaftstag auf die Farm eingeladen und sind sie bei der Eröffnung der Farm an neuem Standort in direkter Nähe, die voraussichtlich im Sommer stattfindet, Ehrengäste. Die Idee mit den Tierpatenschaften werde so gut angenommen, dass sie diese auch zukünftig weiterführen werden, betont Andrea Becker. Ebenso freue sie sich darüber, dass eine Kundin den Krisenflohmarkt zugunsten der Farm ins Leben gerufen hat.