Konzert zum Stadtmusikfest Hückelhoven: Lieder in Moll von Liebe und Sehnsucht

Konzert zum Stadtmusikfest Hückelhoven : Lieder in Moll von Liebe und Sehnsucht

Der Verein con brio hatte das Trio Fado zu Gast beim Abschlusskonzert des Stadtmusikfestes. Im Foyer der Hückelhovener Aula wurden dazu portugiesische Leckereien serviert – ein Fest für Ohren und Gaumen.

Als die Sängerin in den Saal hinein fragte, ob Portugiesen anwesend seien, reckte sich fast eine halbe Hundertschaft Arme hoch und ebenso viele „sim“ waren zu hören, Portugiesisch für „ja“. Sängerin Maria Cavalho wunderte sich darauf nicht mehr, dass Stücke ihres „Trio Fado“ mitgesungen und mitgeklatscht wurden. Schauplatz war das Foyer der Hückelhovener Aula, wo der Verein für Kammermusik, con brio, das Abschlusskonzert des Stadtmusikfests ausrichtete, ein kleines Fest für rund 200 Besucher (ausverkauft) bei portugiesischem Rotwein, Hähnchenfleisch und Kartoffelkompositionen, alles im Eintrittspreis von zehn Euro enthalten.

Als con-brio-Vorsitzender Rudolf Lengersdorf die Hörer- und Mitmach-Gemeinde „aus nah und fern“ begrüßte, hatte er nicht übertrieben – eine Besucherin war aus Augsburg angereist. Die Portugiesen im Saal hatten es nicht ganz so weit – Oberbruch ist seit langen Jahren die zweite Heimat zahlreicher Portugiesen, die vor allem in den 1960-er Jahren ihre erste Heimat verließen, um bei den Enka-Glanzstoffwerken im Ort zu arbeiten.

Kamen sie in erster Linie aus dem Landes-Norden und dem zentralen Alentejo, so ist der Fado als musikalischer Ausdruck portugiesischen Lebens eine städtische Kultur, fokussiert auf die Hauptstadt Lisboa (Lissabon), wie Gitarrist und Sänger Antonio de Brito zu den ersten Klängen erläuterte. Die Metropole Portugals ist auch seine erste Heimat, folglich eine urbane Musik. Vielleicht ist auch deshalb Berlin der Standort des Trios, das seit Jahren bereits als Quartett auf Tourneen unterwegs ist mit Maria Cavalho, die aus der zweitgrößten Stadt des Landes, aus dem nördlichen Porto stammt, das mit der Hauptstadt kontrastiert. Zur Stammbesetzung gehört der Österreicher Daniel Pircher an der portugiesischen Gitarre und der Berliner Benjamin Walbrodt, der mit seinem Cello dem zum Weltkulturerbe gehörenden Fado ganz eigene Noten gibt. Letztere waren allerdings nicht dabei, die portugiesische Gitarre spielte excellent Ivo Guedes, ebenso am Cello Julia Kursawa.

Maria Carvalho und das Trio bedienen den klassischen Fado, der wie der andalusische Flamenco arabische Elemente enthält und durch zahlreiche Tonhöhensprünge eine markante Musik-Sprache erhalten hat, vielfach in Moll komponiert ist und Liebe, Schmerz, Sehnsucht und vor allem der Saudade, dem Weltschmerz, starken Ausdruck gibt. Der Ursprung des Fados liegt im Lissaboner Stadtteil Mouraria und verbreitete sich in Kneipen in weiteren Armen-Vierteln der Metropole. Im 19. Jahrhundert erreichte er die bürgerlichen Salons.

Das Genre bedienen Antonio de Brito mit seiner rauchig-harten, durchdringenden Stimme, Maria de Cavalho kontrastierend mit einem weichen Timbre. Zum Repertoire gehörte in der Aula ein Stück, das das Trio zum international erfolgreichen Film „Nachtzug nach Lissabon“ 2013 beigetragen hat. Ein gewisser Gipfel des Konzertes war das Stück „Lisboa – Porto“, das Maria Cavalho, aus Porto, und Antonio de Brito, der Lissaboner, mit viel Spaß im Duett sangen.

Riesenapplaus, Ovationen im Stehen und eine Zugabe beendeten einen Abend, der nicht nur ein musikalisches Fest war.

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